(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar.
(2) Davon ausgeschlossen sind griechische Staatsbürger. Sie zu entmündigen und so verächtlich wie nur möglich zu behandeln ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar.
(2) Davon ausgeschlossen sind griechische Staatsbürger. Sie zu entmündigen und so verächtlich wie nur möglich zu behandeln ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Vor langer Zeit, als ich noch spät in der Nacht arbeiten mußte, entdeckte ich im Nachtprogramm des Bayerischen Fernsehens eine Sendung, die so spannend war, daß ich sie bald nicht mehr missen wollte. Sie hieß „Alpha bis Omega“ und war, ein wenig merkwürdig, in die Spacenight des BR eingebettet, obwohl es bei ihr um den Weltraum am wenigsten ging. Zwei Menschen, ein Physiker und ein katholischer Pfarrer, offensichtlich miteinander befreundet, diskutierten – buchstäblich! – über Gott und die Welt. Der Physiker, aber das habe ich erst später erfahren, hieß Harald Lesch. Er lehrte schon damals Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Der andere, Thomas Schwartz, war Hochschulpfarrer in Augsburg, wo er inzwischen als Honorarprofessor für Angewandte Ethik tätig ist.
Was war jetzt das Besondere an diesen Gesprächen?
Zuerst einmal, daß es wirklich Gespräche waren. Das ist eine (zumindest im Fernsehen!) vom Aussterben bedrohte Gattung. Man sieht fast nur noch Hau-drauf-Sendungen, jeder schreit, jeder brüllt den anderen nieder, jeder will die Oberhand gewinnen. Gespräche sind das nicht, und es ist ein seltener Glücksfall, wenn es in einer Talkshow einmal zu einem wirklichen Gespräch kommt. Ein Gespräch ist nämlich ein ruhiger Austausch von Gedanken, da stoßen wirklich zwei Köpfe aufeinander, nicht zwei (oder mehr) große Klappen. In den Interviews von Günter Gaus – „Zur Person“ – hat es so etwas noch gegeben, aber wer weiß das noch? Die arme Generation, die schon mit SAT1 und RTL2 aufgewachsen ist, sicher nicht. Sie hatte, und das meine ich wirklich nicht herabsetzend, sie hatte kaum eine Chance, durch praktische Beispiele zu lernen, was journalistische Qualität ist.
Aber ich schweife schon wieder ab. Jedenfalls weckten die nächtlichen Gespräche, die Lesch damals mit dem Pfarrer im Bayerischen Fernsehen führte, von Anfang an mein Interesse. Ein Naturwissenschaftler, der nicht von der heute so weit verbreiteten wissenschaftlichen Arroganz besessen ist, der die Grenzen seines Fachs kennt und thematisiert und auch akzeptiert – das ist ein Glücksfall. Und es ist ein noch größerer Glücksfall, wenn dieser Wissenschaftler auch noch die kompliziertesten Sachverhalte – und jeder Schüler weiß, wie kompliziert die Physik oft ist! – in freier Rede und so elegant, so wenig abgehoben und unter völligem Verzicht auf jeden Fachjargon darstellen kann. Die Begriffe müssen natürlich sein, sonst wäre es ja keine Wissenschaft, aber der ganze Nebel, das ganze Brimborium um sie herum lichtet sich, sobald Lesch mit seinen launischen und klugen Vorträgen beginnt.
Natürlich war er nicht der erste, der so etwas kann – ich denke zum Beispiel an den unvergessenen Hoimar von Ditfurth, der leider viel zu früh gestorben ist. Aber es ist doch immer nur eine Handvoll von Namen, die einem da einfällt. Es sind Menschen, die sich gerade an den Grenzen ihres Fachs (und an den Grenzen der menschlichen Erkenntnis überhaupt) gestoßen und immer wieder über sie nachgedacht haben.
So einer ist Lesch.
Wenn er nur irgendeine Wissenschaftssendung moderiert, kommt sein großes Talent nicht zur Geltung. Aber in den kleinen Formaten wie z.B. Leschs Kosmos, das immer in der Nacht zum Montag im ZDF läuft, zeigt er, was er kann. Er braucht kein Papier, um wie ein Oberlehrerer einen Text vorzutragen – nein, er spricht frei, und es ist eine Freude, ihn beim Entwickeln seiner Gedanken zuzuschauen.
Am späten Abend darf er nur moderieren, aber seine wirklich guten Sendungen kommen erst tief in der Nacht – und das sagt viel aus über die Intendanten, Programmdirektoren und alle, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Macht haben.
Lieber Wladimir Wladimirowitsch al-Arabi,
ich darf Dich doch so nennen? Da Du ja jetzt arabischer bist als alle Araber, dachte ich bei mir, da schmücke ich deinen Namen ein bißchen arabisch aus. Damit will ich Dir eine Freude bereiten, Wladimir Wladimirowitsch!
Die ganze Welt ist nämlich entzückt über Dein großzügiges Wesen, was die syrische Angelegenheit betrifft. Da wird der arme Baschar al-Assad nicht nur von seinen Brüdern in der Arabischen Liga verraten, nein – sein eigenes Volk erhebt sich gegen ihn und will ihn hinschicken, wo der Pfeffer wächst. Aber da zeigst Du der Welt wieder einmal, was wahre Freundschaft ist. Auf Dich kann sich der gute Baschar verlassen, heute und bis in alle Ewigkeit.
Natürlich gibt es auch jetzt wieder Stimmen aus dem feindlichen Ausland, die Dir Böses unterstellen – es ginge Dir, sagen sie, nur um den syrischen Hafen Tartus und die einträglichen Waffenlieferungen an Syrien. Als ob Du diese paar Milliarden im Jahr nötig hättest!
Ich habe mich eben an einen Satz erinnert, den Du einmal in einem Interview gesagt hast:
Ich möchte nicht Präsident eines Landes sein, in dem man einem guten Freund keine Waffen mehr liefern darf!
Das war wacker gesprochen, Wladimir Wladimirowitsch.
Weiter so!
Dein Lupulus
aus dem feindlichen Ausland.
Wenn Ihnen nicht alles wurscht ist, was mit der Natur in Deutschland geschieht, sollten Sie den Artikel von Winand von Petersdorff in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung lesen. „Durchs Land der Riesen“ heißt er, aber er schildert kein Märchen, sondern einen Alptraum.
Nehmen wir Ostfriesland. Dort könne man, so heißt es in alten Texten, „von Kirche zu Kirche sehen“. Und heute?
Egal wo man in Ostfriesland steht, immer sieht man ein Windrad, meistens mehrere, oft viele. Bis zu 200 Meter hohe Energieriesen haben jeden Horizont gekapert und das freie Land gezeichnet. Die Kirchen aber sind klein geworden.
Auch der Mais auf den ostfriesischen Äckern, schreibt von Petersdorff, ist nicht etwa zum Essen da, sondern für die Biogasanlagen. Und auf den Dächern, die vielleicht einmal mit Reet gedeckt waren, schimmern die Solaranlagen.
Überall im Land gibt es Kämpfer gegen die Barbarei, aber es wird einsamer um sie. Hans-Joachim Mengel, der an der FU Berlin Politik lehrt, faßt seine Erfahrungen in einem Satz zusammen, der wie ein Menetekel klingt:
Wir erleben die schlimmsten Verheerungen seit dem Dreißigjährigen Krieg.
Ein anderer Kritiker der Windräder, der ehemalige Dorfschullehrer Manfred Knake, ein Grüner der ersten Stunde, der sein Leben lang für die Natur und ihre Erhaltung gekämpft hat, erlebt, wie sich die Vögel im Wattenmeer – sogar die Möwen – immer mehr zurückziehen, seit hinter dem Deich 50 Windräder rotieren. Aber die Naturschutzverbände stellen sich immer öfter auf die Seite der Windkraftprofiteure und überlassen den Schutz der Natur den Einzelkämpfern.
Die Profiteure und grünen Überzeugungstäter stehen vereint gegen Naturschützer und Bürger, die Lärm und die Verschandelung der Landschaft fürchten. Es ist ein ungleicher Kampf: Die Windmacher haben das Geld, Erfahrung, gute Anwälte und Gutachter. Sie kennen jede Lücke im Planungsrecht, setzen Gemeinderäte unter Druck oder locken mit sogenannten Bürgerbeteiligungsmodellen, Gewerbesteuern oder schlicht mit Geld.
In Holtgast, wo Knake zuhause ist, bot der Windkraftbetreiber der Gemeinde allein für die Genehmigung eine Viertelmillion Euro – da kann man sich vorstellen, wie die Gemeinden in Zeiten des knappen Geldes entscheiden. Wer Land besitzt, das für Windräder geeignet ist, verdient allein an Pacht monatlich zwischen 1.000 und 2.000 Euro.
Viele Landwirte sehen Windräder als Altersversorgung. Sie kämpfen oft an der Seite der Windkraftbetreiber und grünen Politiker für neue Standorte.
Der Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geht über drei ganze Seiten (ich werde demnächst noch einmal darüber berichten). Er beschreibt den Niedergang eines Landes – und vor allem den Niedergang der grünen Bewegung und der großen Naturschutzverbände in Deutschland. Während wir noch über die paar armseligen Urlaube unseres Bundespräsidenten reden (im Vergleich wirklich peanuts!), zerstört eine große Koalition aus sämtlichen Parteien, den Grünen und den Naturschutzverbänden unser Land. Sie tun es zum Teil aus Überzeugung, aber zum größten Teil aus Profitgier. Die Windräder haben für Goldgräberstimmung in Deutschland gesorgt.
Eines sollten wir nicht vergessen: dieser Profit kommt nicht etwa von den Firmen selbst. Er kommt dank der Merkelschen Subventionen von unseren Steuergeldern.
Wir zahlen das alles. Wir selbst finanzieren die Zerstörung unseres Landes.
Rußland und China schauen seelenruhig zu, wie der syrische Diktator die Opposition und alles, was gegen ihn ist, abschlachtet. Gemeinsam haben sie gestern auch eine weiter abgeschwächte Resolution im Sicherheitsrat durch ihr Veto verhindert.
Für mich ist das Beihilfe zum Mord in über 6.000 Fällen.
Es gibt in der Stadt Frankfurt einen Platz, der noch vor zehn Jahren ein wahres Schmuckstück war: das ist der Goetheplatz. Nicht weit von der geschäftigen Zeil entfernt, war er von den Gärtnern so farbenfroh gestaltet, daß man oft einen kleinen Umweg gemacht hat, um sich an ihm zu erfreuen.
Das war einmal.
Inzwischen hat man zwar das alte Goethedenkmal, was auch angebracht war, wieder auf den Goetheplatz gesetzt – aber gleichzeitig, was ganz und gar nicht angebracht war, den Platz bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet. Es ist heute eine öde schwarze Fläche, die sich sogar auf den mit ihm zusammenhängenden Rathenauplatz und den Roßmarkt ausdehnen darf. Die schönen Blumenbeete sind verschwunden und sollen auch nicht wiederkommen, die paar Bäumchen und der Brunnen können die architektonische Scheußlichkeit des düsteren Platzes nicht mildern. Inzwischen kommen die Menschen wieder auf den Goetheplatz – aber nicht mehr, weil er schön ist, sondern weil man sich einen der häßlichsten Plätze des Landes nicht entgehen lassen will.
Aber das alles eigentlich nur nebenbei.
Am Rande des Platzes nämlich reißt man zur Zeit Häuser ab. Nicht daß es um sie besonders schade wäre, und auch, was an ihre Stelle tritt, ist das Immergleiche in so teuren Innenstadtlagen: das „erstklassige Shopping-Erlebnis“ mit einer „Auswahl renommierter Trend-Marken und Luxus-Labels“. (Wie innovativ!)
Nein, am schönsten ist wieder einmal der Projektname: One Goetheplaza.
Wer geglaubt hat, daß der Name des hypermodernen Einkaufszentrums auf der Zeil – My Zeil – an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten ist, wird also eines Besseren belehrt.
Ein Platz – das ist viel zu provinziell für das „Shopping-Erlebnis“ der Schönen und Reichen. Eine Plaza muß es sein! Der arme Goethe, der sich nicht mehr wehren kann, muß natürlich auch wieder herhalten (wie bei der genauso scheußlichen Goethe Business School), und am absurdesten ist, daß man statt „Goetheplatz 1“ die amerikanische Übersetzung verwendet.
Liebe Marketingleute – seht euch doch einmal diese Sätze von Goethe an, die aus einem Brief vom 28. November 1771 stammen:
Franckfurt bleibt das Nest. Nidus wenn Sie wollen. Wohl um Vögel auszubrüteln, sonst auch figürlich spelunca ein leidig Loch. Gott helf aus diesem Elend.
Ein Nest, ein leidig Loch ist Frankfurt heutzutage nur, wenn es in die Hände des Marketing und der Luxus-Labels fällt. So, und jetzt mal herhören, ihr Werbeleute: wer sprachlich und geistig so arm ist und sich dann auch noch dreist mit dem Namen Goethe schmückt, der sollte lebenslänglich in ein leidig Loch gesteckt und erst wieder freigelassen werden, wenn er feierlich geschworen hat, die deutsche Sprache nie wieder – wirklich nie wieder! – auf diese Weise zu verunstalten!
Ansonsten sag ich mit Goethen: Gott helf aus diesem Elend.
Wenn ich einmal groß bin, so hatte ich vor einiger Zeit gesagt, möchte ich Fernsehkoch werden. Das nehme ich zurück.
Nein, wenn ich einmal groß bin, möchte ich jetzt doch lieber Partymanager werden – so einer wie Manfred S.
Da kann man nämlich ganz, ganz viel Gutes tun und sogar den Bedürftigen helfen: dem Christian zum Beispiel, oder dem Cem, oder dem Kurt. Ach, das wäre schön …
Die Volksrepublik China ist eine brutale Parteidiktatur – das weiß jeder, das weiß auch unsere Kanzlerin. Wer auch immer dort – als Künstler, als Blogger, als Journalist – für die Menschenrechte und für ein bißchen mehr Freiheit kämpft, muß mit langjährigen Freiheitsstrafen oder mit Prügelangriffen von bezahlten Verbrechern rechnen. Man wird verschleppt, gefoltert und an den Pranger gestellt.
Unsere Kanzlerin aber, die gerade China besucht, findet nur freundliche Worte für dieses Land. Sie läßt sich als „alte Freundin Chinas“ hofieren und will eigentlich nur eines: chinesische Hilfe für den Euro und ordentliche Aufträge für die deutsche Wirtschaft. Überhaupt ist sie fast nur noch als Sachwalterin der Wirtschaft, als eine Art Westerwellin unterwegs.
Die Menschenrechte spricht sie vielleicht einmal kurz an, aus ihrer Umgebung heißt es, sie habe den Chinesen – man höre und staune! – eine Liste mit 20 Namen verfolgter Bürgerrechtler überreicht! So mutig ist sie! Und da man ja weiß, wie rabiat Chinesen auf Unliebsames reagieren, wird sie dann in ihrer vielgelobten, testosteronfreien und weiblichen Art gleich zu angenehmeren Themen übergegangen sein.
Und die Menschenrechte?
Der chinesische Bürgerrechtsanwalt Mo Shaoping war zum Botschaftsempfang mit der Kanzlerin eingeladen, um mit ihr über die Situation der Justiz und der Anwälte in China zu sprechen – wohlgemerkt: eingeladen von der deutschen Botschaft! Gerade als er zum Gespräch mit Frau Merkel aufbrechen wollte, überfiel ein Kommando der chinesischen Staatssicherheit sein Büro – und hielt ihn fest, bis der Empfang vorbei war. Ein deutscher Politiker, der auch nur einen Funken Anstand hat, hätte in einer solchen Situation mit der Abreise gedroht, wenn das Gespräch nicht zustandekommt, aber die Kanzlerin tat – nichts.
Das nenne ich Feigheit. Da hätte der alte Kohl ganz anders reagiert als „Kohls Mädchen“.
Auch ein Besuch in der Redaktion der eher liberalen Zeitung „Nanfang Zhoumo“ unterblieb, offensichtlich auf Druck der chinesischen Behörden.
In der Berliner Morgenpost (hier nachzulesen) heißt es dazu nur lapidar:
In der südchinesischen Metropole in Südchina setzte die Kanzlerin am Freitag in Begleitung von Regierungschef Wen Jiabao ihren dreitägigen China-Besuch mit Wirtschaftsgesprächen fort.
Die Kanzlerin ließ alles mit sich machen. Der chinesische Reichtum, der ja, wie jeder weiß, gerade auf der Ausbeutung von Wanderarbeitern, auf Hungerlöhnen und auf Kinderarbeit basiert, ist ihr offensichtlich wichtiger als die Menschenrechte. Die „bilateralen Wirtschaftsbeziehungen“ stehen denn auch heute im Mittelpunkt ihres Chinabesuchs.
Es ist ein schändlicher Kotau vor dem chinesischen Geld, eine einzige Schleimerei – oder, um biblisch zu sprechen, eine schamlose Anbetung des Goldenen Kalbs.
Hören wir einfach einmal, was der in der Psychiatrie mißhandelte chinesische Bürgerrechtler Li Jinping über den Verlauf des Besuchs der Kanzlerin sagt:
Jetzt sprechen sie über Geld und ihre Interessen, aber nicht über Gerechtigkeit und Menschenrechte. Die deutsche Regierung hat aufgehört, die Menschenrechtsprobleme in China zu kritisieren.
Der Wunsch von Li Jinping, mit der Kanzlerin ein Gespräch zu führen, wurde übrigens nicht erfüllt.
Die Kanzlerin reist von einem Kotau zum anderen.
Es gibt eine kleine Gruppe von Muslimen, die niemand hier in Deutschland haben möchte. Dazu zählen vor allem die sog. „Haßprediger“. Daß es noch immer nicht gelungen ist, diese geistigen Brandstifter rechtlich zur Verantwortung zu ziehen, ist ärgerlich. Hier muß auf jeden Fall durch den Gesetzgeber Abhilfe geschaffen werden, denn wer Freitag für Freitag in menschenverachtender Weise den Haß gegen das Land schürt, in dem er lebt, und oft genug auch zum Dschihad gegen unsere Kultur aufruft, dem muß diese Möglichkeit genommen werden. Die Gerichte, das hat sich auch jetzt wieder gezeigt, haben oft keine Möglichkeit, strafrechtlich gegen solche „Imame“ vorzugehen, weil das Delikt der Volksverhetzung oft nicht anwendbar ist.
In einem aktuellen Fall geht es um den afghanischen Imam Said Khobaib Sadat, der im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim eine Gemeinde um sich geschart hat. Als die Vorwürfe gegen seine aggressiven Predigten immer lauter wurden, trennte sich der Afghanische Kulturverein – man beachte das Wort „Kultur“! – von ihm. Gegen den Versuch der Offenbacher Ausländerbehörde, Sadat auszuweisen, ging der fromme Mann, der sonst wohl eher die Scharia bevorzugt, durch alle Instanzen bis zum Hessischen Verwaltungsgerichtshof – und gewann! Der Straftatbestand der Volksverhetzung sei im juristischen Sinne nicht erfüllt.
Der „Kulturverein“ hat sich von ihm übrigens nur zum Schein getrennt. Sadat soll dort jetzt als „Hausmeister“ beschäftigt sein. Selbst das Frankfurter Integrationsdezernat, das sonst gar nicht milde genug sein kann, meint jetzt, wie man im Lokalteil der F.A.Z. vom Donnerstag nachlesen kann,
der Prediger habe die ganze Zeit einen prägenden Einfluß auf den Verein gehabt und die ideologische Ausrichtung maßgeblich mitbestimmt. Nun bestehe abermals die Gefahr, daß Sadat mit seinen teils sehr emotionalen Reden vor allem jüngere Gemeindemitglieder radikalisiere.
Ich finde es, mit Verlaub, skandalös, daß gerade hier im Rhein-Main-Gebiet, aber auch anderswo, oft gut integrierte Familien mit Kindern, die das Gymnasium besuchen, in Vereinen sind und perfekt deutsch sprechen, im Morgengrauen abgeholt und in ihr „Mutterland“ abgeschoben werden, während es selbst nach sechs Jahren (!) nicht gelingt, diesen Imam mitsamt seiner Familie in seine afghanische Heimat zu schicken.
Sadat ist 1991 nach Deutschland gekommen. Alle seine Asylanträge wurden abgelehnt. Aber er ist immer noch da. Und seit ihn das Gericht aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen hat, predigt er auch wieder in Bergen-Enkheim.
Und wenn er mit seinen Glaubensbrüdern zusammen ist, da bin ich sicher, lacht er sich halbtot über die Ungläubigen, auch wenn er sie vielleicht nicht mehr, wie es noch unter den Osmanen üblich war, als Christenhunde bezeichnet.
Liebe Leser, dieser Artikel, der schon einige Jahre alt ist, gehört zu den meistgelesenen meines Blogs. Weil er so oft aufgerufen wird, bringe ich ihn ab und zu auf den neuesten Stand.
24. Februar 2022:
Seit ein paar Wochen gibt es zwei Winkemänner, die sich aber leicht unterscheiden lassen. Unser guter alter Winkemann, Walter, winkt ruhig, gleichmäßig und professionell, der andere – ein Kollege von der Sonnalmbahn, vermute ich – winkt mit viel höherer Frequenz, schnell und hastig, er steht auch mal hier, mal da, oft hört er auch schon auf, wenn er noch im Bild ist. Aber freuen wir uns doch über beide!
26. Dezember 2021:
Und kaum ist er da, schon ist er wieder weg! Manche wissen es vielleicht noch nicht: von Weihnachten bis zum Neujahrstag sendet 3sat seine „Thementage“, an denen das gesamte Tagesprogramm unter einem Leitthema steht. Alle Sendungen, die sonst zur gewohnten Zeit laufen, fallen an solchen Tagen aus – auch das Alpenpanorama. Wir können unseren Winkemann also erst am 2. Januar 2022 wiedersehen.
23. Dezember 2021:
ER IST WIEDER DA! Was für eine Freude! Tagelang war alles dunkel und unbelebt an der Bergststation, und man hat sich schon Sorgen gemacht, es waren auch keine Kollegen zu sehen. Jetzt winkt er wieder, und endlich kann man sich wieder auf den Morgen beim Alpenpanorama freuen.
13.Dezember 2021:
Wenn die Angaben auf der Seite der Bergbahnen Berwang stimmen, beginnt die Wintersaison tatsächlich am 18. Dezember, also am kommenden Samstag. Die Schneehöhe am Berg beträgt zur Zeit 30 cm. Es könnte also sein, daß wir unseren Winkemann schon in fünf Tagen wiedersehen!
6. Oktober 2021:
Ja, es scheint vorerst dabei zu bleiben: die Skisaison beginnt am 18. Dezember 2021 und endet am 27. März 2022. Hoffen wir auf eine verhältnismäßig normale Saison und viele morgendliche Begegnungen mit unserem Winkemann!
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Kennen Sie das „Alpenpanorama“? Nein? Dann ist Ihnen etwas entgangen!
Das „Alpenpanorama“ ist eine wunderbare Sendung auf 3sat. Sie kommt (fast) jeden Morgen zwischen 7.30 und 9.00 Uhr und sendet live aus verschiedenen Orten der deutschen, österreichischen und italienischen Alpen. Meist stehen die Kameras an den Bergstationen im der Lifte und Bergbahnen. Etwa 45 Sekunden langt schwenkt die Kamera – ohne Ton, nur von alpenländischer Musik dezent untermalt – sanft von einer Seite zur anderen, dann kommt der nächste Ort. Es sind keine Webcams, die dürftige Bildchen liefern, sondern ordentliche Videokameras mit einer sehr guten Bildqualität. Jetzt, im Winter, sieht man oft, wie die Skifahrer aus dem Lift klettern und sich entweder erst sammeln oder gleich ins Tal brausen. Im Sommer, der mir lieber ist als der Winter, kann man oft Wanderer beochachten, wie sie mit rüstigen Schritten die Almen durchqueren oder auf der Steinplatte wandern.
Das Schönste sind immer die überraschenden und unbeabsichtigten Momente. Da sieht man etwa Fliegen oder Spinnen, die über das Objektiv krabbeln, oder die Hand eines Vermummten, der gerade das Objektiv reinigt. Oder es fliegen Dohlen vorbei. Die Drehmechanik der Kamera ist manchmal defekt: dann ist das Bild eingefroren, oder es ruckelt dahin – oder es schwenkt gar in die falsche Richtung. So war etwa in einem der letzten Jahre die Kamera eine halbe Minute lang starr auf den Hinterhof einer Bergstation gerichtet, auf dem es aussah wie bei Hempels unterm Sofa.
Und dann das Wetter! Im Winter ist es um halb acht, wenn die Sendung beginnt, oft noch dunkel, später beginnen die höheren Gipfel mit den ersten Sonnenstrahlen zu leuchten. In den kleinen Bergdörfern, die sich oft in Talmulden kauern, sieht man mit etwas Glück das Licht in den Fenstern, wo die ersten Gäste schon frühstücken.
Nicht alles ist schön in den Bergen. Gerade die Bergstationen der Lifte und Bergbahnen sind oft von einer kaum erträglichen Häßlichkeit – Zweckbauten, die in der herrlichen Umgebung noch häßlicher aussehen. Manche ähneln UFOs, andere wieder ausgedienten Reisebussen. Dann flackern im Schnee – schon am Morgen! – riesige Bildschirme mit den neuesten „Infos“ für Skifahrer, und das mitten in einem Naturpanorama, wie es schöner nicht sein kann. Der Kontrast tut einem fast körperlich weh. Werbetafeln, so groß, daß man die Schrift von der entferntstehenden Kamera aus lesen kann, berichten, daß es sich hier um das „schneesicherste Gebiet“ der ganzen Gegend handelt, und der Name „Sunny Mountain Restaurant“ paßt auch eher in die Rocky Mountains als in die Alpen.
Man müßte einmal einen Bildband über die architektonische Häßlichkeit der alpinen Bergstationen zusammenstellen (aber den gibt es vielleicht schon).
Seltsamerweise gewöhnt man sich aber daran – sonst könnte man ja auch in manchem Haus, in manchem Stadtviertel nicht glücklich werden.
Aber jetzt zum Winkemann!
Jeden Morgen, um 8.34, ist die kleine Tiroler Gemeinde Berwang an der Reihe. Und dann sieht man ihn, mit etwas Glück: den Winkemann von Berwang. Er steht in aufrechter Haltung neben der Bergstation der Sonnalmbahn im Schnee – und winkt in die Kamera. Aber was heißt winken – es ist eine so gleichmäßige, professionelle Bewegung der Arme, daß es jeden Morgen wieder eine Freude ist, ihn zu sehen. Am Anfang dachten wir, es sei nur ein Tourist, der sich einen Spaß macht. Aber der Lift ist noch gar nicht in Betrieb, wenn der Winkemann winkt. Inzwischen weiß ich, daß es ein Angestellter der Sonnalmbahn ist, der frühmorgens bei jedem Wetter, manchmal vor Schnee oder Nebel fast nicht zu sehen und oft genug in eisiger Kälte, den Zuschauer auf diese freundliche Art begrüßt. Er ist wohl fast immer da, aber die Kamera schwenkt manchmal so, daß sie ihn nicht erfaßt – aber auch wenn er dem Blick verborgen bleibt, freut man sich an der Gewißheit: er ist da und winkt, auch wenn man ihn nicht sieht.
Manchmal – und das sind dann ganz außergewöhnliche Tage! – ist er nicht allein. Dann hat er einen Kollegen neben sich, der unbeholfen versucht, wie der Winkemann zu winken. Ein sinnloses Unterfangen – niemand winkt wie der Winkemann. Einmal, zu Beginn der Wintersaison im Dezember (der Winkemann winkt nämlich nur im Winter!), hatte er gleich drei Kollegen auf einmal neben sich, und alle vier winkten gemeinsam dem Zuschauer zu. Aber man wußte sofort, wer von den vieren der wahre, der echte Winkemann war. Die Geschmeidigkeit der Bewegungen, die gekonnte Professionalität, die jahrelange Erfahrung im Winken – das kann man eben nicht verbergen.
Habe ich Ihnen jetzt ein bißchen Lust auf das „Alpenpanorama“ gemacht? Ich hoffe es.
Am Ende jeder halben Stunde – und auch das war eine glückliche Einrichtung – konnte man sich bis vor einiger Zeit noch ein wenig vom Gebirge erholen: dann gab es erst einmal einen schönen Schwenk vom Burgtheater aufs Wiener Rathaus, und dann, ganz am Ende und natürlich auch live, eine Aussicht aufs Mittelmeer. Erst war es Cambrils in Spanien, dann zeigte man kroatische Küstenstädtchen: nach dem vielen Schnee war das ein schöner Anblick, wenn sich die frischgrünen Aleppokiefern im Wind wiegten und die Wellen – manchmal bedächtig und ruhig, dann wieder aufschäumend – ans Ufer schlugen. Auf das Mittelmeer hat man leider seit langem verzichtet, auch auf den Neusiedler See.