Mursi und seine Hintermänner – die Totengräber Ägyptens

Was Ägypten jetzt am meisten nötig hätte, ist genau das, was Mursi nach seiner Wahl vollmundig versprochen hat: er wolle der „Präsident aller Ägypter“ sein. Er ist es nicht, und er wird es nie werden. Er ist nur eine Figur der Muslimbrüder, er vertritt gerade einmal die eine Hälfte der ägyptischen Gesellschaft, und wahrscheinlich nicht einmal die.

Er versöhnt nicht, er polarisiert.

Ein leibhaftiger Mandela wäre nötig, um dieses große, zerstrittene Land zu versöhnen. Aber einen Mandela gibt es nur einmal in hundert Jahren.

In Deutschland wollte Mursi vor allem Geld beschaffen. Dabei wurde er auch nach seiner Aussage in einem Interview von 2010 befragt: die Juden seien „Blutsauger“ und „Nachfahren von Affen und Schweinen“, hatte er damals gesagt. Mursi dachte in Berlin freilich nicht daran, sich dafür zu entschuldigen – das sei aus dem Kontext gerissen worden, meinte er nur.

Ach, lieber Herr Mursi, diesen Kontext kennen wir hier nur allzu gut – egal, ob man ihn jetzt Judenhaß oder Antisemitismus nennt. Ich finde: jemand, der so redet und sich nicht einmal Jahre später dafür entschuldigt, sollte unser Land nicht mehr besuchen.

Daß ein Land mit einer der ältesten Kulturen der Welt jetzt von einem Mursi regiert wird, ist sehr, sehr traurig. Ägypten steht – durch ihn erst recht! – am Abgrund.

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Endlich – Wolgograd heißt wieder Stalingrad!

Ob Väterchen Putin etwas damit zu tun hat, daß Wolgograd nun an sechs Tagen im Jahr wieder den Namen des Massenmörders Stalin annimmt, weiß ich nicht. Aber daß  das „Parlament“ von Wolgograd so etwas gegen seinen Willen beschließt, scheint mir sehr unwahrscheinlich. Väterchen Putin wird jedenfalls an diesem Wochenende nicht nach Wolgograd, sondern nach Stalingrad kommen, um an den Feiern zum 70. Jahrestag des Sieges über die Deutschen teilzunehmen.

Die russischen Kommunisten fordern ja schon lange, daß Wolgograd wieder den alten Namen Stalingrad annimmt. Die sechs Tage im Jahr, so scheint mir, werden nur eine Übergangslösung sein. Stalin, neben Hitler, Mao Tse-tung und Pol Pot einer der blutigsten Schlächter des vergangenen Jahrhunderts, wird unter dem „lupenreinen Demokraten“ Putin irgendwann wieder salonfähig werden.

Ein bißchen salonfähig ist er ja jetzt schon geworden.

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Ich fordere eine mehrjährige Haftstrafe für diesen Wortschöpfer!

Am besten mit anschließender Sicherungsvewahrung, damit er nicht noch einmal zuschlagen kann. Und warum?

Es geht um das Wort „Bürgerstromleitung“.

Klingt das nicht ganz wunderbar? Bürgerstromleitung – da denkt man an Demokratie, Selbstbestimmung, Bürgergesellschaft, alles großartige Begriffe. Und worum geht es wirklich?

Der Netzbetreiber Tennet, der vertraglich verpflichtet ist, die Offshore-Windanlagen ans Stromnetz anzuschließen, hat offenbar nur eine dünne Finanzdecke. Sogar die Grünen meinten vor einiger Zeit, wenn Tennet nicht genug Kapital habe, müsse man sich eben ein anderes Unternehmen suchen. Da ist wohl jemand in diesem Unternehmen auf eine wunderbare Idee gekommen: könnten nicht die Bürger, deren Heimat wir mit Windkraftanlagen und gigantischen Stromautobahnen ein für allemal zerstören, diesen Frevel auch noch selbst bezahlen?

Dahinter steht der sympathische Gedanke, daß man als Unternehmer gar nicht unverfroren genug sein kann. Und schon ist ein neues Geschäftsmodell geboren  – 40 Millionen Euro will Tennet auf diese Weise hereinbekommen. Und Torsten Albig, der sozialdemokratische Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, nennt das tatsächlich eine „klasse Idee“. Das Projekt sei ein Beleg dafür, daß „Politik und Tennet zusammen Probleme lösen können“.

Früher gab es einmal den Satz:

Nur die dümmsten aller Kälber wählen ihre Metzger selber.

Man sollte sich vor den nächsten Wahlen daran erinnern. Jedenfalls sind CDU, SPD, FDP, die Grünen und die großen Umweltverbände offenbar zu energischen Handlangern der Windkraftlobby geworden. Natürlich geht es ums Geld – es geht aber auch darum, wie die F.A.Z. gestern unverblümt in ihrem Wirtschaftsteil schreibt, „Widerstände gegen den Neubau der Stromtrassen zu verringern“.

Also, liebe Bürger im Norden: vom Sommer an habt ihr die Gelegenheit, aus der Zerstörung eurer schönen Heimat auch noch Kapital zu schlagen. Ob ihr damit glücklich werdet, weiß ich nicht. Aber Geld stinkt bekanntlich nicht.

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Grimme-Preis für das Dschungelcamp?

Man reibt sich die Augen – aber es stimmt: das renommierte Grimme-Institut hat das „Dschungelcamp“ für den Grimme-Preis 2013 nominiert.

Da kann ich nur eines sagen:

SCHÄMT EUCH!

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Mein erstes und letztes Wort zur „Affäre Brüderle“

Deutschland wird immer mehr zu einer Art Absurdistan, zu einem Land, in dem alles, aber auch wirklich alles zu einer Affäre aufgeblasen wird. Jetzt also Brüderle.

Ich hätte mir noch vor ein paar Wochen niemals vorstellen können, daß mir Brüderle leid tut. Aber es ist geschehen: er tut mir leid. Wirklich. Der Stern-Artikel – ein Jahr nach dem „Vorfall“ – hat etwas so Hinterhältiges, daß ich gar nicht anders kann.

Überall ist auf einmal von Sexismus die Rede, und jeder bringt jetzt mit diesem Wort Brüderle in Verbindung. Und warum? Weil er vor einem Jahr um Mitternacht an einer Hotelbar zu einer Journalistin einen dummen Satz gesagt hat. Hat die Frau Himmelreich noch keinen dummen Satz gesagt (oder geschrieben)? Jede Ausgabe des Stern ist voll von strunzdummen Sätzen – von sprachlicher und journalistischer Qualität ganz zu schweigen.

Die Journalistin sei „bedrängt worden“, konnte man lesen. Und ganz Deutschland fordert eine Entschuldigung von Brüderle. Man traut seinen Augen und Ohren nicht, wenn man das alles liest. Offenbar besteht ganz Deutschland aus Engeln, aus Kavalieren, die selbst um Mitternacht noch das rechte Wort finden, und nur einer – Rainer Brüderle – ist ein Teufel. Ich könnte nicht einmal sagen, was mir mehr zuwider ist: dieser wohlkalkulierte Artikel im Stern mit seinem leicht durchschaubaren Timing, der einen Politiker (und nicht seine Politik!) moralisch beschädigen will – oder die entsetzten, vor soviel mitternächtlichem Sexismus geradezu schockierten Deutschen.

Wir haben, möchte ich da in Abwandlung eines bekannten Zitats sagen, einen Abgrund von Heuchelei im Land.

Ich verstehe nicht, warum eine 29jährige Frau, noch dazu eine Journalistin, nicht in der Lage sein sollte, auf einen dummen und völlig mißglückten Flirtversuch angemessen zu reagieren. Sie hätte ihm ein paar saftige Sätze an den Kopf werfen und dann gehen können. Und danach, von mir aus, gleich in der nächsten Ausgabe des Stern darüber schreiben.

Alles klingt jetzt so, als sei sie – ein Opfer! – Brüderle damals an der Bar auf Gedeih und Verderb ausgeliefert gewesen. Das ist doch absurd! Hier hat niemand ein Machtverhältnis mißbraucht – und wenn, dann war es sicher nicht Brüderle, denn Politiker sind von der Gunst der Journalisten viel abhängiger als Journalisten von der Zuwendung durch die Politik.

Und gerade das ist das eigentlich Schlimme an dieser hochgespielten „Affäre“: wenn schon jeder dumme Satz, jede billige Anmache zur Staatsaffäre aufgebauscht wird, verliert man nämlich den Blick auf die wirklichen Fälle, da wo ein Abhängigkeitsverhältnis mißbraucht oder eine Frau körperlich bedrängt wird.

Nichts davon war bei Brüderle und Himmelreich der Fall.

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Die Bücherverbrennung von Timbuktu

Wer Bücher verbrennt, hat man einmal gesagt, verbrennt irgendwann auch Menschen. Es gilt aber auch umgekehrt: wer Menschen verachtet, quält, verstümmelt und tötet, dem bedeuten Bücher nichts, er verbrennt sie, ohne mit der Wimper zu zucken.

Wenn die Berichte stimmen, daß die Islamisten in Timbuktu die erst vor vier Jahren erbaute Bibliothek mit ihren unersetzlichen alten Büchern niedergebrannt haben, dann sollte man sie solange jagen, bis man auch den letzten von ihnen gefaßt hat. Es geht hier nicht um eine Sachbeschädigung – es geht um ein Verbrechen gegen die Menschheit.

Diese Täter müssen sich – auch wenn noch so viel Zeit verstreichen wird – am Ende für ihre Barbarei vor einem Internationalen Gerichtshof verantworten.

In diesen Büchern war das Erbe einer jahrhundertealten Kultur gespeichert, und wer sie zerstört, vernichtet auch die Geschichte, die Kultur, die Identität der Menschen.

Ich kann mir ein schlimmeres Verbrechen nicht vorstellen.

Und es ist bezeichnend, daß auch dieser barbarische Akt – wie die mesten der letzten Jahrzehnte – im Namen des Islam verübt worden ist.

Noch besteht Hoffnung, daß wenigstens ein Teil der wertvollen Bücher und Handschriften nicht verbrannt ist – aber groß ist die Hoffnung nicht.

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Endlich mal wieder ein kurzweiliger Tatort!

Ein bißchen ist man diese schwermütigen, düsteren Tatort-Folgen leid, in denen alles grau und trist und vor allem ganz furchtbar ernst ist. Da sieht man selbst von den schönsten Städten immer nur Hinterhöfe, Abbruchhäuser, Schrottplätze und Industriegebiete, und alles wird künstlich in kalte Farben getaucht.

Und die Geschichten? Zusätzlich zu den obligatorischen Morden wird alles hineingepackt, was gerade en vogue ist: Menschenhandel, Stasi, Kindesmißbrauch, Islamismus, Umweltverbrechen, Sextourismus. Filmisch geht das fast nie gut, und wenn dann im Drehbuch auch noch der erhobene Zeigefinger dazukommt, bleibt am Ende nur ein schaler Geschmack. Man ärgert sich über die vergeudete Zeit.

Der Tatort aus Münster ist, auch wenn in letzter Zeit manche Folge schwächer war, gerade deshalb so beliebt, weil man dabei lachen kann. Eine Gratwanderung bleibt es – in billigen Klamauk sollte es nicht ausarten.

Der neue Kommissar in Saarbrücken ist natürlich eine reine Kunstfigur, auch die Handlung ist fern jeder Realität – aber : ein Film ist schließlich ein Film und keine langweilige Abbildung der Wirklichkeit. Und dieser von Typ von Kommissar, den Devid Striesow so wunderbar spielt, hat auf jeden Fall genug Potential für weitere Folgen.

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Gratulation zum wunderbar abwechslungsreichen ARD-Programm!

Gestern:
Wintersport als Dauersendung von 9.10 bis 17.50 Uhr.

Heute, zur Abwechslung:
Wintersport von 9.10 bis 17 Uhr.

Na, da sind unsere Gebühren beim Spartensender ARD doch gut angelegt!

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Noch einmal zum neuen tschechischen Präsidenten Zeman

Nein, neu ist es nicht, daß ein Politiker Wahlen gewinnt, indem er seine Gegner kübelweise mit Schmutz bewirft, aber was da gerade in der Tschechischen Republik passiert ist, geht über alles hinaus, was man von mitteleuropäischen Ländern kennt. Da hat ein Kandidat für das höchste Amt des Staates, Miloš Zeman, ungestraft an die niedersten Instinkte seiner Landsleute appelliert – und das erfolgreich! Die sudetendeutsche Minderheit, auch das ein Wort von ihm, solle doch froh sein, daß man sie damals nur „vertrieben“ und nicht „an die Wand gestellt“ habe. Seinem Konkurrenten, Karl Fürst zu Schwarzenberg, der die Vertreibung – völlig zurecht! – als ethnische Säuberung bezeichnet hat, wirft er vor, wie ein sudeták zu reden, also wie ein Angehöriger der deutschen Minderheit.

Das ist in etwa so, als würde bei uns ein Politiker seine Konkurrenten als Kanaken beschimpfen.

Die österreichische Tageszeitung Die Presse schreibt dazu in einem Kommentar mit der Überschrift „Der Lohn der Niedertracht“ (hier nachzulesen):

Letztlich schaffte es Zeman ins höchste Amt, indem er sich dafür disqualifizierte.

Schäbiger als Miloš Zeman kann man mit dem politischen Gegner und der eigenen Vergangenheit nicht umgehen.

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Die Tyrannei der Ornithologen – oder: der Botaniker als armer Hund

Im Fernsehen schaue ich mir neben meinen geliebten Kriminalfilmen – einer alten und bei mir unausrottbaren Leidenschaft! – am liebsten Dokumentarfilme an. Seit etwa 30 Jahren zeichne ich Filme über aller Herren Länder auf, aber über eines ärgere ich mich immer: über die absolute Herrschaft der Ornithologen über die gesamte Natur.

Man freut sich schon auf  die neue Landschaft, von der man bisher noch kaum etwas gesehen hat, der Film beginnt – und was sieht man? Balzende und brütende Vögel. Da wird alles penibel benannt: der Name, die Brutzeit, die Farbe und Beschaffenheit der Eier – aber man möchte doch auch einmal etwas über andere Tiergruppen sehen und über die Pflanzenwelt des Gebiets, aber da wartet man fast immer vergebens.

Selbst wenn einmal ein paar Blüten ins Bild kommen, schwillt nur die Musik an. Blumen sind offenbar fürs Gemüt da. Sie sind ein Stimmungselement, kein einziger konkreter Name dringt an des Zuschauers Ohr. Säugetiere werden vielleicht hin und wieder gezeigt und richtig benannt (röhrende Hirsche!), aber Pflanzen fast nie. Ihre Halme bewegen sich im Wind, die Blüten leuchten – aber Namen bekommen sie nicht.

Das liegt auch an einer heutzutage dramatisch gewachsenen Unkenntnis der Pflanzenwelt – nicht nur bei ganz normalen Menschen wie du und ich, die in der Regel nicht einmal zehn wildwachsende Pflanzen aufzählen könnten, sondern durchaus auch bei Naturliebhabern. Die Zoologen beherrschen alles, und unter ihnen wieder die Ornithologen. Dabei bilden doch die Pflanzen die Basis allen Lebens auf der Erde – ohne sie gäbe es keine Vögel und auch nicht einen einzigen röhrenden Hirsch!

Also, liebe Naturfilmer: wenn ihr einmal wieder in den Pamir oder ins Okavango-Delta fahrt – kümmert euch doch wenigstens ein bißchen auch um die Flora. Und macht euch vorher bitte sachkundig.

Es gibt übrigens eine Exkursionsflora für Österreich (3. Aufl. Linz 2008), die als Motto einen alten japanischen Haiku von Teiji zitiert:

Seit ich deinen Namen kenne,
Blümchen, lieb ich dich.

Das sei allen Naturfilmern ins Stammbuch geschrieben!

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