Papst Franziskus – „Gute Nacht, und schlaft gut!“

Wenn das Pontifikat von Papst Franziskus so weitergeht, wie es begonnen hat, gehen wir spannenden Zeiten entgehen. Und so wird es auch kommen, da bin ich sicher.

Ein Mann vom „Ende der Welt“, wie er selbst sich nennt – und auch noch ein ein Jesuit, also ein Ordensmann. Das gibt ihm auch als Papst eine große persönliche Unabhängigkeit, denn die Jesuiten waren nie Teil des kirchlichen Apparats, sie fühlten sich immer nur Jesus und dem Papst verpflichtet. So leicht wie mit Benedikt wird es die Kurie mit ihm also nicht haben. Und es ist zu hoffen, daß nun auch mehr über diesen Orden berichtet wird, der bis heute unter kruden Vorurteilen zu leiden hat.

Daß er sich mit seinem Namen ausdrücklich auf Franz von Assisi beruft, ist ein weiteres gutes Zeichen – nein, es ist eigentlich weit mehr als ein gutes Zeichen, es ist das Bekenntnis zu einer der besten Traditionen in der christlichen Kirche.

Das alles gibt Grund zur Hoffnung. Und auch sein völlig ungewungener Abschiedsgruß vom Balkon:  „Buona notte e buon riposo“, rief er den Menschen auf dem Petersplatz zu – „Gute Nacht, und schlaft gut!“

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Der Bauer – ein Naturschützer?

Lassen wir den Generalsekretär des Hessischen Bauernverbandes, Peter Voss-Fels, selbst zu Wort kommen:

Wir haben genug Wald und brauchen nicht noch mehr Wald, und wir haben genug Naturschutz und brauchen nicht noch mehr Naturschutz.

Ja, wenn man die Funktionäre einfach einmal reden läßt, fällt das alte Märchen, der Bauer sei der beste Naturschützer, ganz schnell in sich zusammen.

Auch gegen den Mais-Anbau zur Verbrennung in Motoren haben die Bauern nichts. Ernst-Winfried Döhne, der stellvertretende Vorsitzende  des Kreisbauernverbands Kassel, sagte, die Anbaufläche von 10-12% lasse sich „problemlos verdoppeln“.

Was sieht man daraus? Die Landwirte haben sich in den 70er und 80er Jahren nur dem öffentlichen Druck gebeugt. Jetzt, wo dieser Druck fehlt, legen sie das grüne Mäntelchen ganz schnell wieder ab.

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Das Sch***-Wort

Ich kann das Sch***-Wort nicht mehr hören. Da hat man sich vor einer Woche noch über frühlingshafte Temperaturen und die ersten Blüten gefreut, und ein paar Tage später wacht man auf, und alles ist weiß. Mitte März im Rhein-Main-Gebiet! Da hat es früher immer schon Tage mit 15-20 Grad gegeben.

Und jetzt hört man fast in jedem Wetterbericht dieses lästige Wort:

SCHNEE.

Wenn das so weitergeht, fällt mir ein anderes Sch***-Wort ein, das sich mit dem ersten schön kombinieren läßt – Sch***-Sch***.

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Ein Brief an den türkischen Präsidenten Abdullah Gül

Sehr geehrter Herr Gül,

in Backnang sind bei einem Brand eine Mutter und sieben ihrer Kinder ums Leben gekommen. Das ist ein fürchterliches Schicksal, und die Angehörigen der Familie und unsere türkischen und türkischstämmigen Mitbürger können sicher sein, daß wir alle mit ihnen mitfühlen.

Die deutschen Behörden – Polizei, Feuerwehr, Sachverständige – werden dieses Unglück genau so penibel untersuchen wie jedes andere Unglück auch. Deshalb sind Ihre drohend formulierten Ankündigungen, „die Türkei werde der Sache auf den Grund gehen“, nicht nur völlig unangemessen und beleidigend, sie machen das schreckliche Schicksal dieser Familie zu einem billigen politischen Winkelzug.

Wir haben hier in Deutschland Fachleute, Behörden und Gerichte, die – wenn sie auch nicht perfekt sind (perfekt ist nichts auf der Welt) – überall für ihre Gründlichkeit bekannt sind. Das ist, wie Sie wissen, in der Türkei nun wirklich nicht immer der Fall. Ich erinnere Sie an die vielen Straftaten gegen die Christen Ihres Landes, die regelmäßig von angeblichen „Einzeltätern“ begangen werden. Wenn es in türkischen Gefängnissen bis heute immer wieder zu Folter und (wie gerade jetzt bekanntgeworden ist) auch zu Vergewaltigungen kommt, dann wäre auch das ein Grund, ein bißchen weniger auftrumpfend zu sein.

Fast könnte man den Eindruck haben, daß Teile der türkischen Presse und der politischen Klasse in Ihrem Land enttäuscht wären, wenn das Unglück von Backnang nicht auf Fremdenfeindlichkeit oder „Islamophobie“, sondern auf einen technischen Defekt zurückzuführen wäre.

Sie und Ihr Ministerpräsident suggerieren in Ihren Kommentaren immer wieder, wie schlecht es bei uns den türkischstämmigen Mitbürgern gehe. Da muß ich jetzt aber schon einmal fragen: warum bleiben sie dann hier? Wenn die Türkei das gelobte Land ist, warum drehen sie dann nicht diesem schlimmen, bösartigen und islamophoben Deutschland den Rücken? Könnte es sein, daß sie vielleicht einfach durch ihre Erfahrungen und durch gerechte Abwägung die Vorzüge einer freien Gesellschaft nicht mehr missen mögen?

Bedenkliches gibt es bei uns auch genug – die vielen Fehler bei der Fahndung nach den rechtsradikalen Serienmördern sind ein besonders bedrückendes Beispiel. Aber auch das wird Punkt für Punkt aufgearbeitet, und die Schuldigen werden mit rechtsstaatlichen Mitteln bestraft werden. Unsere Zeitungen decken übrigens auch solche beschämenden Fehler des eigenen Landes schonungslos auf. Hier gibt es keinen dummen Patriotismus, der alle Fehler immer nur bei anderen sucht.

Sie kennen vielleicht das alte deutsche Sprichwort: ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Lupulus vom Christenklub.

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Rente mit 69

Der Abbau des Sozialstaats geht in die nächste Runde: eine Bertelsmann-Studie verlangt die Anhebung des Rentenalters auf 69 Jahre.

Schon die Anhebung auf 67 Jahre war eine Unverfrorenheit, jetzt sollen die paar Jahre, die zwischen dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und dem Siechtum im Pflegeheim liegen, noch weiter verkürzt werden.

Für die Mathematiker der Bertelsmann-Stiftung ist das nur ein mathematisches Problem. Für einen Arbeitnehmer, der den Arbeitsdruck in den Betrieben schon mit 50 oder 55 kaum noch erträgt, ist die Aussicht, daß er noch zehn oder fünfzehn Jahre arbeiten muß, geradezu vernichtend. Die wachsende Zahl von psychisch Kranken ist ein deutlicher Indikator.

Aber selbst für die wenigen Jahre, die dem durchschnittlichen Arbeitnehmer dann noch bleiben, hat die Stiftung wieder nur den Rat, „privat“ vorzusorgen. Sogar eine Vorsorgepflicht wird angeregt. Das ist eine wunderbare Geschäftsidee – für Banken und Versicherungen, aber nicht für den Arbeitnehmer. Und vor allem: so vorsorgen können vielleicht kinderlose Gutverdienende mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Aber auf wieviele Menschen trifft das zu? Und was wird aus den anderen?

Natürlich meldet sich da auch wieder Gerhard Schröder zu Wort. Er hat ja als Kanzler mit seiner Agenda 2010 unserem Sozialsystem schwere Hiebe versetzt und dafür gesorgt, daß Niedriglöhne, massive Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge in einem noch nie dagewesenen Umfang die Situation in den Betrieben bestimmen. Jetzt fordert er – damit Deutschland seinen „Vorsprung gegenüber aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie Brasilien und China“ behält – eine Agenda 2020.

Davor bewahre uns der Himmel.

Nein, wenn eine Gesellschaft von ihren älteren und alten Bürgern verlangt, daß sie noch mit 70 Jahren Prospekte verteilen oder im Supermarkt Regale einräumen, nur um ihre Miete zahlen zu können, dann ist etwas faul in diesem Land, und zwar nicht nur in der Regierung und den Parteien. Dann hat man vor lauter Statistik und Mathematik den Menschen aus dem Blick verloren.

Dann ist die Würde des Alters, die in allen Hochkulturen der Vergangenheit verankert war, bei uns antastbar geworden.

PS: Wenn Gerhard Schröder von den „aufstrebenden Wirtschaftmächten“ China und Brasilien schwärmt, sollte er einmal hinsehen, auf wessen Kosten diese Länder aufstreben.  Aber wer Putin als „lupenreinen Demokraten“ bezeichnet, hat damit wohl keine Probleme.

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Was war da heute in Berwang los? Rätselhaftes vom Winkemann

Was für ein Schreck in der Morgenstunde. Es ist 8.33 Uhr, die Kamera an der Bergstation der Sonnalmbahn schwenkt richtig, der Winkemann steht an seinem Platz, aber – er winkt nicht!

Das darf doch nicht wahr sein.

Ich habe mir die Szene mehrfach angeschaut, aus detektivischen Gründen sozusagen, und neige zu der Ansicht, daß er ein Handy ans Ohr hält. Aber was kann das für eine Nachricht sein, die einen Winkemann davon abhält, seiner morgendlichen Pflicht nachzukommen?

Rätsel über Rätsel!

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Herr Trittin lacht

Ja, das ist ein Zitat. „Frau Bu lacht“ war ein Münchener Tatort von Dominik Graf aus dem Jahr 1995, der von allen deutschen Feuilletonredaktionen mit größter Begeisterung aufgenommen wurde. Von mir aber nicht, denn es war ein von Kamera und Regie brutal auf „künstlich“ getrimmter Film, dessen Künstlichkeit – die man nicht mit Kunst verwechseln sollte – eben vor allem Feuilletonredakteuren gefallen hat. Aber: Schwamm drüber.

Jetzt kommt das Zitat aus einem Interview mit Jürgen Trittin, dessen Brust angesichts der Umfragen offenbar immer mehr anschwillt (hier nachzulesen):

Sie schreiben flott im Wahlprogramm: Die Sonne schickt keine Rechnung. Ist das nicht Irreführung der Wähler? 
Nicht auf jeder Rechnung, wo Sonne darauf steht, ist Sonne drin.
Sie würden den Satz also so nicht unterschreiben?
Der Satz bleibt richtig, die Sonne verschickt keine Rechnung, die ist dazu gar nicht in der Lage. (lacht)

Der Mann hat Humor. Er lacht. Bei den Diäten, die ein Abgeordneter des Deutschen Bundestags – und erst recht ein Fraktionsvorsitzender! – erhält, kann man auch leicht lachen. Da sind die ständigen Strompreiserhöhungen schlicht Peanuts.

Das Zitat selbst stammt meines Wissens nicht von den Grünen, sondern vom früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister und lautet im Original: „Wind, Sonne und Wasser schicken keine Rechnung.“

Man sieht daraus: die Dummheit, genauer gesagt: die Verdummung der Wähler, ist parteiübergreifend. Man könnte auch sagen: wer sich verdummen läßt, den bestraft das Leben.

Herr Trittin lacht. Herr und Frau Mustermann zahlen die Zeche.

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Der Tugendfuror – oder: #user sind doof

Selten habe ich mich über ein Wort so gefreut – und erst recht, weil unser Bundespräsident es geprägt hat. Seine Europarede fand ich eher enttäuschend, mit vielem war ich ganz und gar nicht einverstanden. Aber „Tugendfuror“ – das ist wunderbar!

Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde.

Ich selbst kann die Tugendhaftigkeit dieser „User“ (etwa in der Sexismusdebatte) kaum mehr ertragen. Der User an sich stinkt mir einfach. Er ist inzwischen so empörungsbeflissen wie ein rechtgläubiger Muslim, nur nach der anderen, der fortschrittlichen Seite hin. Und er ist immer zornig! Er wartet nur auf einen falschen Zungenschlag, auf ein falsches Wort. Und dann geht es los – aber heidudeldei! Da brummt einem der Schädel vor #hashtags, shit storms und anderen Schweinereien.

Ach, ihr Userinnen und User, ihr Kämpferinnen und Kämpfer – macht doch einfach mal halblang. Der Brüderle z.B. ist sicher kein begnadeter Flirter, und ein besonders guter Politiker ist er auch nicht. Aber ist das ein Grund, über ihn nur noch mit Schaum vor dem Mund zu reden?

Immerhin ist er damals um Mitternacht leibhaftig in der Hotelbar gewesen – und nicht virtuell in Twitter, Facebook oder sonstwo. Das finde ich – abgesehen von seinem dummen Spruch – schon an sich sympathisch. 

Auch der eine oder andere Riesling, den er vorher getrunken hat, war wohl nicht virtuell.

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Mehdorn und der Problem-BER

Ach, jetzt wird alles, alles gut! Mehdorn wird’s richten. Denn jeder weiß, wie kompetent Mehdorn ist.

Hören wir einmal, was der ebenfalls hochkompetente Verkehrsminister Ramsauer über ihn sagt: Mehdorn habe „hervorragende Managementfähigkeiten sowie ein Höchstmaß an wirtschaftlicher und technischer Kompetenz“.

Hätten Sie’s gedacht? Natürlich nicht.

Wir normalen Menschen haben nicht den großen geistigen Horizont, den ein Bundesverkehrsminister hat. Wir normalen Menschen halten Mehdorn, weil wir nicht den rechten Durchblick haben, für einen der größten Versager in der Riege der heutigen Manager, denen es an Versagen und oft sogar an krimineller Energie nicht mangelt. Wir halten ihn für den Manager, der die Deutsche Bahn, die einmal ein Vorbild an Perfektion und Pünktlichkeit war, zum Gespött der ganzen Welt gemacht hat. Wir halten ihn für den Manager, der mit seiner hemdsärmeligen Großmannssucht (Börsengang!) erst die Bahn im öffentlichen Ansehen fast ruiniert hat und dann auch als Chef von Air Berlin schon nach zwei Jahren abgelöst wurde.

Wie gesagt: so urteilen die inkompetenten Normalbürger. Für Ramsauer – das soll hier noch einmal zitiert sein – hat Mehdorn „hervorragende Managementfähigkeiten sowie ein Höchstmaß an wirtschaftlicher und technischer Kompetenz“.

Tu, felix Berolina, nunc habes Mehdornum. Viel Glück mit ihm!

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Überraschung! Bahnfahren soll teurer werden!

Peter Ramsauer, einer der – sagen wir es zurückhaltend – nicht gerade herausragenden Minister im Kabinett Merkel, droht mit kräftigen Erhöhungen der Fahrpreise bei der Bahn, falls sich Stuttgart und Baden-Württemberg nicht an der Finanzierung des unsinnigen Bahnprojekts beteiligt.

Ach, lieber Herr Ramsauer, diese Preiserhöhungen kommen ohnehin mit schöner Regelmäßigkeit und haben das Bahnfahren schon lange fast zu einem Luxus gemacht. Wie sie jeweils begründet werden, entscheidet wohl die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, und sie macht das genau glaubhaft wie etwa die Pressesprecher der großen Mineralölkonzerne, die immer neue Begründungen erfinden, um den einzigen wahren Grund zu verschleiern: die gewöhnliche Raffgier.

Im übrigen: wir – die Steuerzahler – werden wie bei allen Großprojekten ohnehin für die haarsträubenden Fehler der Politiker und Manager finanziell aufkommen. Es ist höchste Zeit, für ein Haftungsrecht zu sorgen, das diese „Nieten in Nadelstreifen“, die Pfuscher in Wirtschaft und Politik, mit ihrem Privatvermögen haftbar macht. Wer mit dem Geld des Steuerzahlers umgeht wie ein Zocker im Spielkasino, sollte auch straf- und privatrechtlich dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

Das würde, glaube ich, sehr erzieherisch wirken.

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