Das Zitat des Tages

Es stammt diesmal von Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland:

Umweltbewußtsein spielt für den gläubigen Muslim eine wichtige Rolle. Der Koran sagt, daß die Welt für den Menschen zur Nutznießung da ist und nicht zum Ausbeuten.

Mazyek hätte noch hinzufügen können: der Islam ist friedlich und tolerant, und die Frau genießt in ihm eine besondere Hochachtung.

Und die Erde ist eine Scheibe.

Veröffentlicht unter Islam, Natur, Politik | Schreib einen Kommentar

Der arme kleine Mehmet – ein Opfer durch und durch!

Erinnern Sie sich noch an „Mehmet“, den kriminellen Serientäter, der schon mit 14 Jahren mehr als 60 Straftaten begangen hatte? Sein eigentlicher Name ist Muhlis Ahri, Jahrgang 1984. Jetzt hat er ein Buch geschrieben („Sie nannten mich Mehmet – Geschichte eines Ghettokindes“), in dem er bitterlich weint. Ja, der kleine Mehmet weint! Das kann man ja verstehen, denn die Deutschen haben sein Leben zerstört – vor allem Günther Beckstein, der bayerische Innenminister, der leider erst nach über 60 Straftaten seine Abschiebung in die Türkei veranlaßte. Beckstein, so der kleine Mehmet, ist „widerlich und krank“.

Haben Sie kein Herz? Sie haben mein Leben zerstört, Herr Beckstein!

Ach, der kleine Mehmet. Ihm ist wirklich übel mitgespielt worden.

Ich hatte eine sehr schwierige Kindheit, dank Herrn Beckstein. Ich bin ein Mensch, ich habe Gefühle.

Seine 60 Opfer hatten vermutlich keine Gefühle.

PS: Das Buch wird im Riva-Verlag erscheinen, an den sich meine Leser vielleicht erinnern werden. In diesem offenbar literarisch sehr ambitionierten Verlag ist nämlich auch die wertvolle Autobiographie meines Lieblingsrappers Bushido erschienen. Und wie bei Bushido hat natürlich auch unser Mehmet einen Ghostwriter: er heißt Christoph Straßer und hat so wichtige Werke wie  Pornostern, Sexshop und Harry S. Morgan – der Meister der Pornografie verfaßt. Eine Verlagssprecherin hat übrigens die Erwartung geäußert, daß „der Autor sein Buch in Frankfurt persönlich vorstellen“ könne.

Ja, so steht es wirklich da: der Autor!

Veröffentlicht unter Islam, Politik, Sonstiges, Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Hart vielleicht, aber fair? Die Schmähkampagne gegen die AfD geht weiter

Hat Plasberg das nötig?

Seine Sendung „Hart aber fair“ war einmal eine echte Bereicherung der politischen Diskussionskultur. Damals wurde sie noch vom WDR ausgestrahlt und nicht in der ARD, und sie unterschied sich wohltuend von der Hofberichterstattung anderer Sender (wie etwa des von der CSU dominierten Bayerischen Rundfunks). Nach dem Beginn der bundesweiten Ausstrahlung freilich ging es mit der Sendung langsam, aber sicher bergab. Plasberg wurde überheblich und genoß immer öfter die Rolle eines Scharfrichters über die eingeladenen Politiker. Immer beliebter wurde bei ihm das Fallenstellen: man brachte einen Politiker zu einer Aussage, die man dann unter dem Applaus des Publikums mit vorbereiteten Einspielfilmen widerlegte (oder doch zu widerlegen glaubte). Ein billiger Triumph, der wohl – zusammen mit Themen vom Boulevard (Baumarkt, Fußball) – endlich wieder die Quoten erhöhen sollte. Die Maischbergerisierung bei der Themenauswahl brachte aber bei den Einschaltquoten kaum Erfolge.

Am Montag trieb Plasberg sein altes Leimrutenspiel mit dem Gründer der Alternative für Deutschland, Bernd Lucke, dem er kaum verhüllt eine Nähe zum nationalsozialistischen Vokabular unterstellt. Natürlich hält der Moderator wieder Einspielfilme bereit. Der Grund: Lucke hatte in einer improvisierten Rede in der Wahlnacht von „Entartungen von Demokratie und Parlamentarismus“ gesprochen. Hätte er von „Perversionen“ gesprochen, kein Hahn hätte danach gekräht, aber Entartung? Da kommt natürlich sofort die Assoziation „entartete Kunst“ auf, und schon ist man ein Nazi. Ein infames und leicht durchschaubares Spiel, das Plasberg da treibt, und dazu eines, das sprachgeschichtlich ohne jede Grundlage ist.

Die Nazis haben auf breiter (und brauner) Front die deutsche Sprache für ihre Zwecke zurechtgebogen und mißbraucht. Sie haben aus ganz alltäglichen deutschen Wörtern wie Volk, Führer, Heimat, Mutterschaft nationalsozialistische Kampfbegriffe gemacht.

Heißt das, daß wir diese Begriffe deshalb bis in alle Ewigkeit nicht mehr verwenden dürfen? Daß sie tabu sind? Das wäre der (sprachliche) Sieg der braunen Bande, dann hätten sie nämlich bis heute Macht über uns. Nein, alle diese Wörter hat es lange vor den Nazis gegeben, und ich denke gar nicht daran, mir Wörter wie Volk und Heimat nehmen zu lassen, nur weil sie in der Nazizeit mißbraucht worden sind.

Genau so verhält es sich mit dem alten Wort „entartet“. Schon im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm (in der 3. Lieferung von Band 3 aus dem Jahr 1859!) taucht „entarten“ auf, mit Beispielen u.a. von Klopstock und Schiller. Auch im Adelungschen Wörterbuch (1816) ist es vorhanden. Und dieses alte Wort soll ich jetzt nicht mehr im Munde führen dürfen, weil die Nazis es propagandistisch mißbraucht haben?

Das ist geradezu lächerlich. Und es ist auch wieder typisch für eine linke Subkultur, die ohne die dauernde Pflege ihres „Antifaschismus“ offenbar gar nicht mehr leben kann.

Ich verzichte gern sowohl auf den Faschismus als auch auf den Antifaschismus. Aber niemals würde ich auf unsere schöne deutsche Sprache verzichten, die man – leider! – immer öfter gegen politische und ideologische Eingriffe verteidigen muß. Aber Sprachen sind gottlob von großer Zähigkeit, selbst Fernsehmoderatoren bekommen das zu spüren.

Im übrigen: immer wenn neue kleine Parteien oder Menschen mit unkonventionellen politischen Meinungen auftauchen, setzt bei vielen unserer Journalisten die Schnappatmung ein. Meist werden daraus regelrechte Kampagnen – so war es bei den Grünen in den 80er Jahren, als gerade unser Hessischer Rundfunk aus dem Geifern und Diffamieren gar nicht herauskam. Die journalistische Kampagne war, wie man weiß, nicht sehr erfolgreich. Genau dasselbe ist viele Jahre später Thilo Sarrazin widerfahren. Auch da wurde der erste Auftritt des noch wenig medienerfahrenen Autors in einer Talkshow als Hinrichtung geplant – von Beckmann und seiner Redaktion. Immerhin, das muß man zu dessen Ehrenrettung sagen, hat man hinterher im Sender sehr selbstkritisch über die Sendung diskutiert.

Jetzt also wieder dasselbe alte Spiel mit einem neuen Opfer, der AfD und Bernd Lucke. Man sieht: nicht alle Journalisten lernen aus ihren Fehlern.

Ein guter Rat an Plasberg und alle anderen – wie wäre es denn einmal damit: die Aussagen der AfD in der Sache zu widerlegen, statt ihre Gründer und Mitglieder zu diffamieren und unter Faschismusverdacht zu stellen? Erfahrene, gestandene Journalisten wie ihr müßtet doch in der Lage sein, diese „rechtskonservativen“ und „rechtspopulistischen“ Ansichten im Nu zu zerpflücken, oder? 

Dazu braucht man auch keine Taschenspielertricks und keine vorbereiteten Einspielfilme. Einfach in der Sache widerlegen, Herr Plasberg! Mit Argumenten!

Veröffentlicht unter Fernsehen und Presse, Politik | Schreib einen Kommentar

Der „erweiterte Familienbegriff“ der evangelischen Kirche

Die evangelische Kirche, das weiß man, springt gern auf aktuelle Trends. Das hat sie auch jetzt wieder mit ihrer „Orientierungshilfe“ zu Ehe und Familie bewiesen. Wenn alles nur noch von „Schwulen, Lesben, Transsexuellen“ redet, will sie nicht zurückstehen.

Ihr „erweiterter Familienbegriff“ umfaßt zum ersten Mal – jetzt sozusagen auch kirchenamtlich – homosexuelle Partnerschaften. Der Begriff der Familie, der sprachlich und historisch immer eindeutig war, wird damit völlig entwertet: die traditionelle Familie ist nur noch eine von hundert möglichen (und gleichwertigen!) Formen des Zusammenlebens. Als könne sie nicht nur über ihre Theologie, sondern auch über die deutsche Sprache verfügen, macht die protestantische Kirche aus dem Wort „Familie“ eine Worthülse, in die man jeden, wirklich jeden Inhalt füllen kann.

Eines sollte sie aber wissen:  es macht einen Unterschied, ob man einer Minderheit das Recht gibt, frei und ohne Diskriminierung so zu leben, wie sie das will – oder ob man vor lauter Unterwürfigkeit gegenüber dem Zeitgeist die ganze Welt nur noch mit den Augen dieser Minderheit sieht.

Veröffentlicht unter Christentum, Sonstiges, Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Benedikt meldet sich zu Wort – und antwortet dem Atheismus

Der zurückgetretene Papst Benedikt hat sich zum ersten Mal wieder öffentlich geäußert. In einem Brief antwortet er dem Mathematiker und Wissenschaftshistoriker Piergiorgio Odifreddi, der ein bekennender und – wie die Zeitungen schreiben – „namhafter“ Atheist ist.

War das nötig? Ich hätte ihm abgeraten, sich auf eine solche Diskussion einzulassen, denn der heutige Atheismus à la Dawkins ist von einer so schlichten, ja geradezu primitiven Geistesart, daß eine Auseinandersetzung mit dem Florett ganz und gar unmöglich ist. Wie will man geistreich mit einem Gegner fechten, der nur den Holzprügel kennt?

Zugleich verstehe ich gut, warum Benedikt noch einmal das Wort ergreift. Die Versöhnung von Glauben und Vernunft war von Anfang an der rote Faden durch sein Pontifikat. Das ist ja gerade die historische Ironie, daß heute in der Theologie die Vernunft (und ich sage Vernunft, nicht platte Erbsenzählerei!) höher geachtet und tiefer verstanden wird als in den Naturwissenschaften. Bei den Naturwissenschaftlern herrscht heute weitgehend eine völlige Unkenntnis über die philosophischen Grundlagen des Erkenntnisvermögens vor. Was die abendländischen Philosophen von den Vorsokratikern über Plato und Aristoteles bis hin zu Kant und Schopenhauer darüber geschrieben haben, interessiert sie nicht.

Als habe das alles gar nichts mit ihnen zu tun!

Sie leben und arbeiten in ihrem naturwissenschaftlichen Schneckenhaus, und ob ein Philosoph die Grundlagen ihrer geistigen Existenz in Frage stellt oder nicht, ist ihnen völlig wurscht. Daß auch die Wissenschaft ihrerseits auf einer philosophischen Grundlage stehen muß, wenn sie nicht zur bloßen Erbsenzählerei ausarten soll, ist den meisten Wissenschaftlern – jedenfalls den Naturwissenschaftlern! – nicht mehr begreiflich zu machen. Sie usurpieren den Begriff der Vernunft, ja sie möchten ihn für ihre Zunft monopolisieren, obwohl sie doch in der Regel über die einfache fachspezifische Methodologie nie hinauskommen.

Deshalb fechten sie Kämpfe mit einer Theologie aus, die es gar nicht mehr gibt, statt sich der Philosophie und der spannenden, klugen und aufregenden Theologie unserer Zeit zuzuwenden. Noch viel plumper als einst Haeckel stürmen sie gegen einen längst untergegangenen Gegner los – weil sie ihn als Popanz brauchen, weil sie selbst nicht mehr die geistigen Kräfte und das philosophische Wissen haben, um sich mit der heutigen Theologie auf Augenhöhe auseinanderzusetzen.

Der Atheismus ist heute in einem erbarmungswürdigen Zustand – und ich sage das durchaus ohne jede Schadenfreude. Im Gegenteil: es macht einfach keinen Spaß, sich mit einem lautstarken und lärmenden, aber argumentativ schwachen Gegner zu messen. Und, noch wichtiger: eine dergestalt asymmetrische Diskussion bringt, ganz anders als die großen Atheismusdiskussionen des 19. Jahrhunderts, keinerlei Erkenntnisfortschritt.

Daran wird leider auch Benedikts Brief nichts ändern.

PS: Ich habe den vollen Wortlaut des Briefes noch nicht gefunden, und auf die Zitate, wie sie in Stern und Spiegel stehen, möchte ich mich nicht verlassen.

Veröffentlicht unter Christentum, Philosophie | Schreib einen Kommentar

05-ANG-M-LitHist – oder: Die schöne neue Welt der deutschen Universität im 21. Jahrhundert

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da habe ich in einer kleinen deutschen Stadt Anglistik studiert. Es gab dort drei ordentliche Professoren, einen Privatdozenten und eine Handvoll Assistenten, die übrigens sicher sein konnten, in absehbarer Zeit selbst zu Professoren zu werden. An der Tür hing ein Messingschild mit der Aufschrift „Seminar für Anglistik“ – ja, tatsächlich: einfach nur „Seminar für Anglistik“.

Das ist natürlich vorsintflutlich. Heute wird erst einmal alles durchnumeriert. Materiell studiert man zwar Anglistik, aber in Wirklichkeit ist das Fach nur ein kleines Rädchen im FB05. So geht es jedenfalls an der Universität im mittelhessischen Gießen zu. Aber selbst wenn ich mir sicher sein kann, daß ich Student der Anglistik bin – die Probleme beginnen damit erst. Das Vorlesungsverzeichnis ermahnt mich nämlich nicht ohne drohenden Unterton:

Orientieren Sie sich bei der Erstellung Ihres Stundenplanes am Studienverlaufsplan Ihres Studienganges und -faches: Welche(s) Modul(e) müssen Sie im aktuellen Semester belegen? Wählen Sie dann das Modul, das Sie Ihrem Studienverlaufsplan folgend im aktuellen Semester belegen müssen, z.B. „Modul XYZ“. Sie sehen dann nach Modulteilen geordnet alle für Sie relevanten Lehrveranstaltungen.

Ach, wie primitiv war doch damals unser Studienaufbau – ich habe in all den Jahren nicht ein einziges Modul belegen müssen! Der Fortschritt war eben damals noch nicht in der Provinz angekommen.

Aber das Vorlesungsverzeichnis bleibt hartnäckig und zwingt mich zu einer weiteren Entscheidung:

Bachelor of Arts
Lehramtsstudiengang L 1
Lehramtsstudiengänge L 2, L 5
Lehramtsstudiengang L 3
Master of Arts
Hörer aller Fachbereiche

Unbescheiden entscheide ich mich gleich fürs Höchste, den Master of Arts. Dort wähle ich natürlich 05-ANG-M-AdvCultSt – das hätten Sie doch sicher auch getan? Jetzt habe ich die Auswahl zwischen drei A1-Hauptseminaren. Eines fällt mir sofort ins Auge: Prof. Horstmann diskutiert jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr über das Thema „Kunsttrinker: Alkohol und Literatur“. Das weckt Jugenderinnerungen, zum Beispiel an den Dutte Louis, eine kleine Kneipe im Wiesecker Weg, in der wir – eine kleine Clique von Hiwis, Tutoren und Doktoranden – uns abends gern von der Texte Müh‘ und Last bei einem Bierchen erholt haben.

Aber Moment! Gehöre ich überhaupt zur Zielgruppe dieses Seminars? Ah, hier steht es:

Zielgruppen:
MFKW Ma, PV, Sj. 1  |  MLL Ma, PV, Sj. 1  |  SLK ECS Ma, PV, Sj. 1  |  SLK ELI Ma, PV, Sj. 1  |  NFF Ma, WPV, Sj. 1  |  GuK ECS Ma, PV, Sj. 1  |  GuK ELI Ma, PV, Sj. 1  |  NFF Ma, PV, Sj. 2  |  MFKW Ma, PV, Sj. 2  |  SLK ELS Ma, PV, Sj. 2  |  GuK ELS Ma, PV, Sj. 2  |  NFF Ma, PV/WPV, Sj. 1  |  MFKW Ma, PV, Sj. 1  |  SLK ELS Ma, PV, Sj. 1  |  GuK ELS Ma, PV, Sj. 1  |  SLK ELS/ECS Ma, PV, Sj. 2  |  GuK ELS/ECS Ma, PV, Sj. 2  |  MFKW ELS/ECS Ma, PV, Sj. 2  |  ATW MA, WPV, 1.-4. Sem.  |  mL3, WPV, Sj 4  |  ALCMS Ma, PV, Sj 1/2.

Ach, wie schade. In diesen Zielgruppen kann ich mich irgendwie nicht wiederfinden. Wir hatten damals nämlich nur Proseminare (Semester 1-4) und Hauptseminare (Semester 5ff.) Wie gesagt, es waren eben noch primitive Zeiten. Wir kannten weder MFKW (klingt ein bißchen wie FCKW!) noch GuK ELI Ma oder gar NFF. 

Ach, es muß schön sein, heutzutage zu studieren!

Veröffentlicht unter Sonstiges, Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Der Fall Barilla – oder: werden die „User“ immer mehr zu hemmungslosen Stoßtrupps?

Zunächst einmal der Auslöser des neuesten shitstorms.

Der Chef des italienischen Nudelkonzerns Barilla, Guido Barilla, hatte in einem Radiointerview folgendes gesagt:

Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen.

Sein Konzern habe „eine etwas andere Kultur“, die Familie sei „einer der zentralen Werte“ seines Unternehmens.

Das war also alles? Ja, so etwas genügt heute, damit bei den „Usern“ die Hölle losbricht. Boykottaufrufe, Häme, üble Beschimpfungen. Warum? Weil jemand sagt: die Familie, die ganz normale Familie aus Vater, Mutter und Kindern ist das wichtigste Gut in unserer Gesellschaft. Ja, ist sie das denn nicht? Natürlich ist sie das. Aber um das zu verstehen, braucht man schon das Wissen um ein paar tausend Jahre Kulturgeschichte. Man braucht ein bißchen Verstand. Zum Tanzen auf dem Christopher Street Day braucht man keinen Verstand. Zu einem feigen shitstorm im Internet im Schutz der Anonymität braucht man weder Mut noch Verstand.

Diese User werden immer mehr zu den Muslimen der westlichen Welt: sie warten förmlich auf Anlässe, um sich zu erregen, ja sie sind immerfort in einem Zustand ständiger hochgradiger Erregtheit. Nichts ist ihnen fremder als Besonnenheit, Nachdenklichkeit und gelebter common sense.

Und sie fühlen sich als Ankläger und Richter in einer Person, obwohl sie keinerlei demokratische Legitimation haben. Gerade das macht die Sache so gefährlich. Jedes halbstarke Bürschchen – wir haben es ja erlebt! – kann im Netz zur Lynchjustiz aufrufen. Es wäre damals fast zu einer Katastrophe gekommen, zum Angriff auf einen nachweislich Unschuldigen.

Wir sollten deshalb endlich aufhören, das Internet als einen Hort der Demokratie und der Freiheit zu sehen.

Man kann in diesem Medium fast alles tun oder lassen, ohne eine Verantwortung dafür zu übernehmen. Ein Vorbild für das wirkliche Leben ist das wahrhaftig nicht.

Veröffentlicht unter Internet, Sonstiges | Schreib einen Kommentar

„Strompreise werden nicht steigen“ – Fortsetzung der Merkelschen Märchenstunde

Diese Meldung hat mich denn doch überrascht. Weil die EEG-Umlage niedriger ausfalle als befürchtet, würden sich die Stromkosten für den Verbraucher im kommenden Jahr überhaupt nicht erhöhen, schreibt die Welt in ihrem Wirtschaftsteil.

Auf der Suche nach dem Urheber dieser Meldung, die allen Vorhersagen (und auch dem gesunden Menschenverstand!) widerspricht, habe ich den Artikel mehrfach sorgfältig gelesen.

Wer ist jetzt der Gewährsmann für die Tatarenmeldung der Welt?

Es ist, so wörtlich, „ein mit den Berechnungen Vertrauter“. Wie bitte? Und wie heißt der Mann? Welche beruflichen Referenzen hat er? Für welches Institut arbeitet er?

Solche Formulierungen kennt man nämlich bis jetzt nur aus der Klatschpresse, wo immer einmal wieder ein „Freund der Prinzessin“ oder eine „nahe Vertraute“ aus dem Hut gezaubert wird, um einer Meldung den Anschein der Wahrheit zu geben.

Für den Wirtschaftsteil einer seriösen Tageszeitung ist das ein eher ungewöhnliches Hilfsmittel.

Und überhaupt: die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, liebe Welt-Redaktion, ist schon lange vorbei. Jetzt beginnt offenbar die Zeit der Milchmädchenrechnungen.

Veröffentlicht unter Politik, Windkraftanlagen | Schreib einen Kommentar

Nicht jeder ist betrunken von der „Energiewende“ – das sieht man in Bad Orb, Linsengericht und anderswo

Je mehr Windräder gebaut oder geplant werden, umso geringer wird die Zustimmung zur Merkelschen „Energiewende“. Denn die Zustimmung zu dieser (auch in der praktischen Durchführung völlig mißratenen) Wende gilt immer nur der „Grundsatzentscheidung“. Für sie findet sich nach wie vor eine Mehrheit, weil die Menschen sich von Begriffen wie „natürlich“ oder „nachhaltig“ einlullen lassen. Bei Umfragen, die auch die realen Folgen einbeziehen, sinkt die Zustimmung dramatisch.

Dafür nur zwei Beispiele aus dem hessischen Main-Kinzig-Kreis.

In Linsengericht drängen SPD und Grüne, die seit den letzten Kommunalwahlen zusammen über 15 von 27 Sitzen verfügen, seit längerem darauf, auf dem Gipfel des Franzosenkopfs Windkraftanlagen zu bauen. Sie glaubten wohl, schon aufgrund ihrer Mehrheit leichtes Spiel zu haben – und ließen (unvorsichtigerweise!) die Bürger über den Plan abstimmen. Das Ergebnis: fast 60% waren gegen die Windräder, und das bei einer für solche Umfragen erstaunlichen Beteiligung von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung. Die Argumente der Windkraftgegner – Verschandelung der schönen Spessartlandschaft, Waldvernichtung, die Folgen für die Tierwelt und mögliche Gesundheitsgefahren für die Menschen – haben eine große Mehrheit der Bürger überzeugt.

„Die Windkraft“, schreibt die F.A.Z. am 29. August 2013, „spaltet die Gesellschaft im Spessart“. Weiter heißt es:

Die einen wollen offensichtlich schnell viel Geld für ihre Kassen sichern und dabei als vorbildliche Unterstützer der Energiewende gelten, die anderen möchten ihre Stadt- und Landschaftsbilder, Fauna und Flora retten und Gesundheitsrisiken bannen.

Vor allem im Kurstädtchen Bad Orb wächst der Widerstand gegen die Verschandelung der Spessartlandschaft, denn die schöne, unberührte Umgebung ist ein Plus, das für einen Kurort im Wettbewerb immer mehr zählt. Kurgäste kommen ja nicht, um bei jedem Spaziergang im Wald 200 m hohe Betonpfosten zu sehen! Schon heute befindet sich die Hälfte der südhessischen Windräder im Spessart – und das soll erst der Anfang sein. Nach jetzigem Recht können im Main-Kinzig-Kreis noch einmal 699 Windkraftanlagen dazukommen, und wenn Rot-Grün wie beabsichtigt den Regionalplan ändert, könnten es sogar 1.518 Windräder werden – wohlgemerkt: in einem einzigen Landkreis! Das ist eine fast unvorstellbare Zahl, aber auch 700 Windräder würden ausreichen, nicht nur Bad Orb, sondern den ganzen hessischen Spessart ein für allemal zu zerstören.

Daß sich jetzt überall die Menschen im Main-Kinzig-Kreis in Bürgerinitiativen zusammenschließen, um diese noch nie dagewesene Barbarei zu verhindern, ist ein gutes Zeichen.

Ich wünsche der Anti-Windkraft-Bewegung im Spessart Glück und gutes Gelingen!

Veröffentlicht unter Natur, Windkraftanlagen | 1 Kommentar

Noch ein paar Zitate aus dem Interview mit Papst Franziskus

Ich will noch drei Zitate aus dem Interview mit Papst Franziskus (hier nachzulesen) nachreichen, die mir bemerkenswert erscheinen. Das erste beschäftigt sich mit dem Thema Homosexualität:

In Buenos Aires habe ich Briefe von homosexuellen Personen erhalten, die ‚soziale Wunden‘ sind, denn sie fühlten sich immer von der Kirche verurteilt. Aber das will die Kirche nicht. Auf dem Rückflug von Rio de Janeiro habe ich gesagt, wenn eine homosexuelle Person guten Willen hat und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt. Ich habe das gesagt, was der Katechismus erklärt. Die Religion hat das Recht, die eigene Überzeugung im Dienst am Menschen auszudrücken, aber Gott hat sie in der Schöpfung frei gemacht: Es darf keine spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben. Einmal hat mich jemand provozierend gefragt, ob ich Homosexualität billige. Ich habe ihm mit einer anderen Frage geantwortet: ‚Sag mir: Wenn Gott eine homosexuelle Person sieht, schaut er die Tatsache mit Liebe an oder verurteilt er sie und weist sie zurück?‘ Man muss immer die Person anschauen. Wir treten hier in das Geheimnis der Person ein. Gott begleitet die Menschen durch das Leben und wir müssen sie begleiten und ausgehen von ihrer Situation. Wir müssen sie mit Barmherzigkeit begleiten. Wenn das geschieht, gibt der heilige Geist dem Priester ein, das Richtige zu sagen.

Überhaupt macht Franziskus große Unterschiede in den kirchlichen Normen:

Es gibt zweitrangige kirchliche Normen und Vorschriften, die früher einmal effizient waren, die aber jetzt ihren Wert und ihre Bedeutung verloren haben. Die Sicht der Kirche als Monolith, der ohne jeden Abstrich verteidigt werden muss, ist ein Irrtum.

Und noch ein Satz, den man als Zusammenfassung seiner Auffassung vom christlichen Glauben werten könnte:

Ich habe eine dogmatische Sicherheit: Gott ist im Leben jeder Person. Gott ist im Leben jedes Menschen. Auch wenn das Leben eines Menschen eine Katastrophe war, wenn es von Lastern zerstört ist, von Drogen oder anderen Dingen: Gott ist in seinem Leben. Man kann und muss ihn in jedem menschlichen Leben suchen. Auch wenn das Leben einer Person ein Land voller Dornen und Unkraut ist, so ist doch immer ein Platz, auf dem der gute Same wachsen kann. Man muss auf Gott vertrauen.

Veröffentlicht unter Christentum | Schreib einen Kommentar