Bei bedarf, könnt ihr schraiben wih ier wold

Im Internet findet man immer und überall Sätze wie diesen (hier nachzulesen):

Bei bedarf, könnt ihr euch alle gruppierten Tabs in Form einer Kachelansicht darstellen lassen.

Aber jeder, auch wenn er nicht einmal richtig schreiben kann, kann im Internet seinen Quark „veröffentlichen“. Und es ist ihm wahrschenlich nicht einmal peinlich.

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Verkaufsoffener Sonntag in Frankfurt gerichtlich gestoppt – gottlob!

Die Gier der Menschen kennt keine Grenzen mehr – dazu braucht man nicht einmal die Panama Papers heranzuziehen, es genügt ein Blick auf den Einzelhandel.

Gott „ruhte am siebten Tage von aller seiner Arbeit, die er vollbracht hatte“ (Genesis 2,2), und so tun wir das auch seit Menschengedenken. Der Mensch braucht einen Tag der Ruhe heute dringender denn je. Man kann doch nicht ständig über Burnout und ähnliches klagen – und gleichzeitig den einzigen gesetzlichen Ruhetag der Woche immer öfter arbeitspflichtig machen.

Die Scheinheiligkeit der Stadt Frankfurt ist besonders groß: sie hat den verkaufsoffenen Sonntag mit der gleichzeitig stattfindenden Musikmesse begründet – ein lächerliches Argument, denn in Frankfurt finden fast das ganze Jahr über große Messen statt. Da könnte man also verkaufsoffene Sonntage praktisch ohne Einschränkung ansetzen. Soviel Dreistigkeit hat der hessische Verwaltungsgerichtshof jetzt – zurecht! – bestraft.

Das sei ein „großer Schaden“ für die Stadt und den Einzelhandel, meint der Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank.

Er gehört übrigens der CDU an, der Christlich-Demokratischen Union.

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Das Zitat des Tages – diesmal von der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama

Und so lautet es:

Der Öffentlichkeit fehlt das Fachwissen, um die Arbeit von Firmen wie uns richtig einordnen zu können.

Ach ja?

Die Menschen mögen ja in vieler Hinsicht dumm (oder auch naiv) sein, aber so dumm, daß sie nicht begreifen, was hier gespielt wird, sind sie bestimmt nicht. Es geht, wie fast immer, um die ganz gewöhnliche Geldgier, und die wird offenbar – anders als man denken könnte! – umso größer, je reicher man eh schon ist.

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Wieder mal ein Brief an den Genossen Putin

Ach, lieber Wladimir Wladimirowitsch, was bist du denn so ungeduldig? Wahrscheinlich weil du weißt, daß einige deiner Jugend- und Geschäftsfreunde, Milliardäre allesamt, unter den ertappten Steuerganoven der Panama Connection sind?

Jetzt läßt du also deinen Propaganda-Apparat schon einmal mitteilen, daß alles nur eine Diffamierungskampagne gegen dein lupenreines Regime ist? Ja ja, es ist immer das böse, feindliche Ausland, das dir Übles will.

Aber wer so wie du bei der Eroberung der Krim gelogen und betrogen hat, dem glaubt keiner mehr die geheuchelte Unschuld.

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Das Zitat des Tages – diesmal vom Sultan persönlich

Also sprach gestern Tayyip Erdogan, der Sultan und büyük lider:

In den türkischen Gefängnissen sitzen keine Journalisten, die aufgrund ihres Berufes oder des Rechtes auf Meinungsfreiheit verurteilt wurden.

Natürlich nicht! Und die Erde ist eine Scheibe.

PS: Die Despoten aller Länder sind immer sehr einfallsreich, wenn es um die Beseitigung von Widersachern (und die Begründung dafür) geht. Der russische Oppositionelle Alexei Nawalny etwa wurde wegen „Holzdiebstahls“ angeklagt, die Ukrainerin Julia Timoschenko sollte Auftragskiller angeheuert haben, und Chodorkowkski hatte – vermutlich mit eigenen Händen! –  einen Bürgermeister ermordet.

Und die vielen, vielen Journalisten in den türkischen Gefängnissen sind natürlich allesamt Kriminelle und Landesverräter.

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Der Edelmut des Sultans

Auch der britische Generalkonsul Leigh Turner wollte am Prozeß gegen die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül teilnehmen. Er hat sich damit wie der deutsche Botschafter den Zorn des Sultans zugezogen. Wenn „diese Person“ (so nennt Erdogan in seiner gewohnt höflichen Art den Generalkonsul)

noch immer ihren Dienst in der Türkei fortführen kann, ist das unserem Edelmut und unserer Gastfreundschaft zu verdanken.

Ja, so geht ein büyük lider mit seinen in- und ausländischen Untertanen um. Auch aus England hat man noch keine Reaktion darauf gehört.

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Erdogan und das Schweigen der Ämter

Mein Gott, was für eine Feigheit.

Da verlangt ein Potentat aus dem Morgenland die Abschaffung der Meinungsfreiheit in Deutschland – und alles schweigt. Merkel schweigt, Gabriel schweigt, Steinmeier schweigt. Totenstille im Berliner Regierungsviertel.

Aber dann!

Der SPD-Obmann im Auswärtigen Ausschuß, Niels Annen, setzt ein kraftvolles Zeichen für die Menschrechte in Deutschland. Das Auswärtige Amt, so Annen, habe doch auf Twitter „die eindeutige Haltung der Regierung klargestellt“!

Auf Twitter also. Das ist ja der richtige Ort, um Angriffe auf unsere Demokratie zu verteidigen.

Aber es kommt noch drastischer. Die Regierung sagt kategorisch, die Pressefreiheit sei in Deutschland nicht verhandelbar. Und wer sagt das jetzt genau?

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Also wieder: nicht Merkel, nicht Gabriel, nicht Steinmeier – nicht einmal der Regierungssprecher Steffen Seibert. Nur eine fast allen unbekannte Sprecherin.

Während also der Potentat aus dem Morgenland in seinem tausendzimmrigen Palast das schwerste diplomatische Geschütz auf unser Land richtet, twittert das Auswärtige Amt an die User im Internet.

Und das mächtige Berlin schweigt weiter: Merkel schweigt, Gabriel schweigt, Steinmeier schweigt. Das Schweigen der Erpreßten.

Was für eine Feigheit.

PS:  Das Lied von Extra 3 ist auf Youtube inzwischen fast 3 Millionen mal angeklickt worden – die Fassungen mit englischen und türkischen Untertiteln nicht mitgerechnet.

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Der Tatort mit Heike Makatsch

Man kann es leider nicht mehr leugnen: die Tatort-Drehbuchautoren haben eine neue Masche. Sie schreiben nur noch Bücher, in denen sich alle Kommissare von Anfang bis Ende angiften und/oder anschreien. Alle sind schlecht gelaunt, und so bleibt es bis zum Abspann.

Und wer ist am Ende noch schlechter gelaunt als die Kommissare? Der Zuschauer.

Vorreiter dieser unseligen Mode waren die letzten Tatortfolgen aus Ludwigshafen: das augenzwinkernde Verhältnis von Odenthal und Kopper mit seinen amüsanten Reibereien zwischen deutscher Art und italienischer Lebensfreude wurden (ohne jede psychologische Begründung) durch bierernsten Streit ersetzt, jetzt schon über mehrere Folgen hinweg. Das will niemand sehen. Wir streichen jedenfalls immer mehr Tatortkommissare aus unseren Programmplanungen.

Auch Heike Makatsch, das wage ich zu prophezeien, wird keine feste Kommissarin werden. Überhaupt ist es mehr als dumm, unbedingt irgendwelche Filmsternchen für den Tatort zu rekrutieren. Das geht, wie man am Beispiel Til Schweiger sieht, fast immer schief.

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Erdogan will jetzt auch in Deutschland die Pressezensur einführen – und Merkel schweigt

Wegen einer harmlosen Satire in der Sendung „extra 3“ des NDR hat der türkische Präsident nicht nur den deutschen Botschafter einbestellt, er hat jetzt auch die Löschung der Sendung verlangt (hier nachzulesen).

In dem ausgestrahlten Lied (auf Youtube abrufbar) kommen solche Zeilen vor:

Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus.

Ein Journalist, der irgendwas verfaßt, was Erdogan nicht paßt, ist morgen schon im Knast.

Die Zeit ist reif für sein großosmanisches Reich.

Das reicht also schon, um einen Botschafter einzubestellen?

Daß Erdogan dünnhäutig und großmannssüchtig ist, weiß man. Daß er aber die Unverfrorenheit hat, die Meinungsfreiheit im demokratischen Deutschland zu beschneiden, allein dieser Versuch zeigt, daß er keine Hemmungen mehr hat – und schon gar nicht jene „Umgangsformen“, die er von anderen einfordert.

Am ärgerlichsten ist aber das dröhnende Schweigen der Regierung Merkel in dieser Sache: es ist nicht nur feige, es ist der Beweis dafür, daß sich Merkel nicht nur erpreßbar gemacht hat, sondern daß sie tatsächlich (und erfolgreich!) von Erdogan erpreßt wird.

Eine Regierung, die noch Anstand hat, würde sich niemals von einem Erdogan so vorführen lassen.

PS:  Ich vermute, daß es gar nicht der harmlose Text des Liedes war, der Erdogan so erzürnt hat, sondern ein Bild: wie nämlich der Sultan wie ein nasser Sack vom Pferd fällt.

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Eine Fleisch fressende Pflanze

In der Smartphone-App „Quizduell“, deren Fragen leider immer öfter zeigen, wie weit es mit dem Sprachgefühl in Deutschland gekommen ist, wird man hin und wieder gefragt, welche von vier genannten Arten

eine Fleisch fressende Pflanze

sei. Eine Furcht erregende Schreibung!

Selbst der Duden, der ja inzwischen jede sprachliche Mode mitmacht, empfiehlt die Zusammenschreibung, also: fleischfressend. Aber der Unfug der Getrenntschreibung ist offenbar nicht mehr auszurotten. Die Alternative heißt schon lange nicht mehr „alte“ oder „neue“ Rechtschreibung, sondern „alte“ oder – gar keine Rechtschreibung. Jeder schreibt inzwischen, wie er will. In Internetforen (auch in durchaus seriösen!) findet man kaum noch einen einzigen fehlerfreien Satz.

Woher das kommt? Zum Beispiel von absurden Schreiblernmethoden an der Grundschule, wo sich „Reformpädagogen“ ungestraft austoben können. Und natürlich von einer Rechtschreibreform, die niemals hätte zugelassen werden dürfen.

Daß die Sprache eines der wichtigsten Kulturgüter ist, eines, das man hüten und pflegen muß, das scheint nicht einmal mehr die Schulen zu interessieren – von der Schulbürokratie ganz zu schweigen. Wenn dann aus dieser Schülergeneration, die nie ein Sprachgefühl entwickelt hat, auch noch die zukünftigen Deutschlehrer kommen, wird die Entwicklung fast unumkehrbar sein.

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