Das Zitat des Tages – diesmal von der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama

Und so lautet es:

Der Öffentlichkeit fehlt das Fachwissen, um die Arbeit von Firmen wie uns richtig einordnen zu können.

Ach ja?

Die Menschen mögen ja in vieler Hinsicht dumm (oder auch naiv) sein, aber so dumm, daß sie nicht begreifen, was hier gespielt wird, sind sie bestimmt nicht. Es geht, wie fast immer, um die ganz gewöhnliche Geldgier, und die wird offenbar – anders als man denken könnte! – umso größer, je reicher man eh schon ist.

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Wieder mal ein Brief an den Genossen Putin

Ach, lieber Wladimir Wladimirowitsch, was bist du denn so ungeduldig? Wahrscheinlich weil du weißt, daß einige deiner Jugend- und Geschäftsfreunde, Milliardäre allesamt, unter den ertappten Steuerganoven der Panama Connection sind?

Jetzt läßt du also deinen Propaganda-Apparat schon einmal mitteilen, daß alles nur eine Diffamierungskampagne gegen dein lupenreines Regime ist? Ja ja, es ist immer das böse, feindliche Ausland, das dir Übles will.

Aber wer so wie du bei der Eroberung der Krim gelogen und betrogen hat, dem glaubt keiner mehr die geheuchelte Unschuld.

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Das Zitat des Tages – diesmal vom Sultan persönlich

Also sprach gestern Tayyip Erdogan, der Sultan und büyük lider:

In den türkischen Gefängnissen sitzen keine Journalisten, die aufgrund ihres Berufes oder des Rechtes auf Meinungsfreiheit verurteilt wurden.

Natürlich nicht! Und die Erde ist eine Scheibe.

PS: Die Despoten aller Länder sind immer sehr einfallsreich, wenn es um die Beseitigung von Widersachern (und die Begründung dafür) geht. Der russische Oppositionelle Alexei Nawalny etwa wurde wegen „Holzdiebstahls“ angeklagt, die Ukrainerin Julia Timoschenko sollte Auftragskiller angeheuert haben, und Chodorkowkski hatte – vermutlich mit eigenen Händen! –  einen Bürgermeister ermordet.

Und die vielen, vielen Journalisten in den türkischen Gefängnissen sind natürlich allesamt Kriminelle und Landesverräter.

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Der Edelmut des Sultans

Auch der britische Generalkonsul Leigh Turner wollte am Prozeß gegen die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül teilnehmen. Er hat sich damit wie der deutsche Botschafter den Zorn des Sultans zugezogen. Wenn „diese Person“ (so nennt Erdogan in seiner gewohnt höflichen Art den Generalkonsul)

noch immer ihren Dienst in der Türkei fortführen kann, ist das unserem Edelmut und unserer Gastfreundschaft zu verdanken.

Ja, so geht ein büyük lider mit seinen in- und ausländischen Untertanen um. Auch aus England hat man noch keine Reaktion darauf gehört.

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Erdogan und das Schweigen der Ämter

Mein Gott, was für eine Feigheit.

Da verlangt ein Potentat aus dem Morgenland die Abschaffung der Meinungsfreiheit in Deutschland – und alles schweigt. Merkel schweigt, Gabriel schweigt, Steinmeier schweigt. Totenstille im Berliner Regierungsviertel.

Aber dann!

Der SPD-Obmann im Auswärtigen Ausschuß, Niels Annen, setzt ein kraftvolles Zeichen für die Menschrechte in Deutschland. Das Auswärtige Amt, so Annen, habe doch auf Twitter „die eindeutige Haltung der Regierung klargestellt“!

Auf Twitter also. Das ist ja der richtige Ort, um Angriffe auf unsere Demokratie zu verteidigen.

Aber es kommt noch drastischer. Die Regierung sagt kategorisch, die Pressefreiheit sei in Deutschland nicht verhandelbar. Und wer sagt das jetzt genau?

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

Also wieder: nicht Merkel, nicht Gabriel, nicht Steinmeier – nicht einmal der Regierungssprecher Steffen Seibert. Nur eine fast allen unbekannte Sprecherin.

Während also der Potentat aus dem Morgenland in seinem tausendzimmrigen Palast das schwerste diplomatische Geschütz auf unser Land richtet, twittert das Auswärtige Amt an die User im Internet.

Und das mächtige Berlin schweigt weiter: Merkel schweigt, Gabriel schweigt, Steinmeier schweigt. Das Schweigen der Erpreßten.

Was für eine Feigheit.

PS:  Das Lied von Extra 3 ist auf Youtube inzwischen fast 3 Millionen mal angeklickt worden – die Fassungen mit englischen und türkischen Untertiteln nicht mitgerechnet.

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Der Tatort mit Heike Makatsch

Man kann es leider nicht mehr leugnen: die Tatort-Drehbuchautoren haben eine neue Masche. Sie schreiben nur noch Bücher, in denen sich alle Kommissare von Anfang bis Ende angiften und/oder anschreien. Alle sind schlecht gelaunt, und so bleibt es bis zum Abspann.

Und wer ist am Ende noch schlechter gelaunt als die Kommissare? Der Zuschauer.

Vorreiter dieser unseligen Mode waren die letzten Tatortfolgen aus Ludwigshafen: das augenzwinkernde Verhältnis von Odenthal und Kopper mit seinen amüsanten Reibereien zwischen deutscher Art und italienischer Lebensfreude wurden (ohne jede psychologische Begründung) durch bierernsten Streit ersetzt, jetzt schon über mehrere Folgen hinweg. Das will niemand sehen. Wir streichen jedenfalls immer mehr Tatortkommissare aus unseren Programmplanungen.

Auch Heike Makatsch, das wage ich zu prophezeien, wird keine feste Kommissarin werden. Überhaupt ist es mehr als dumm, unbedingt irgendwelche Filmsternchen für den Tatort zu rekrutieren. Das geht, wie man am Beispiel Til Schweiger sieht, fast immer schief.

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Erdogan will jetzt auch in Deutschland die Pressezensur einführen – und Merkel schweigt

Wegen einer harmlosen Satire in der Sendung „extra 3“ des NDR hat der türkische Präsident nicht nur den deutschen Botschafter einbestellt, er hat jetzt auch die Löschung der Sendung verlangt (hier nachzulesen).

In dem ausgestrahlten Lied (auf Youtube abrufbar) kommen solche Zeilen vor:

Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus.

Ein Journalist, der irgendwas verfaßt, was Erdogan nicht paßt, ist morgen schon im Knast.

Die Zeit ist reif für sein großosmanisches Reich.

Das reicht also schon, um einen Botschafter einzubestellen?

Daß Erdogan dünnhäutig und großmannssüchtig ist, weiß man. Daß er aber die Unverfrorenheit hat, die Meinungsfreiheit im demokratischen Deutschland zu beschneiden, allein dieser Versuch zeigt, daß er keine Hemmungen mehr hat – und schon gar nicht jene „Umgangsformen“, die er von anderen einfordert.

Am ärgerlichsten ist aber das dröhnende Schweigen der Regierung Merkel in dieser Sache: es ist nicht nur feige, es ist der Beweis dafür, daß sich Merkel nicht nur erpreßbar gemacht hat, sondern daß sie tatsächlich (und erfolgreich!) von Erdogan erpreßt wird.

Eine Regierung, die noch Anstand hat, würde sich niemals von einem Erdogan so vorführen lassen.

PS:  Ich vermute, daß es gar nicht der harmlose Text des Liedes war, der Erdogan so erzürnt hat, sondern ein Bild: wie nämlich der Sultan wie ein nasser Sack vom Pferd fällt.

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Eine Fleisch fressende Pflanze

In der Smartphone-App „Quizduell“, deren Fragen leider immer öfter zeigen, wie weit es mit dem Sprachgefühl in Deutschland gekommen ist, wird man hin und wieder gefragt, welche von vier genannten Arten

eine Fleisch fressende Pflanze

sei. Eine Furcht erregende Schreibung!

Selbst der Duden, der ja inzwischen jede sprachliche Mode mitmacht, empfiehlt die Zusammenschreibung, also: fleischfressend. Aber der Unfug der Getrenntschreibung ist offenbar nicht mehr auszurotten. Die Alternative heißt schon lange nicht mehr „alte“ oder „neue“ Rechtschreibung, sondern „alte“ oder – gar keine Rechtschreibung. Jeder schreibt inzwischen, wie er will. In Internetforen (auch in durchaus seriösen!) findet man kaum noch einen einzigen fehlerfreien Satz.

Woher das kommt? Zum Beispiel von absurden Schreiblernmethoden an der Grundschule, wo sich „Reformpädagogen“ ungestraft austoben können. Und natürlich von einer Rechtschreibreform, die niemals hätte zugelassen werden dürfen.

Daß die Sprache eines der wichtigsten Kulturgüter ist, eines, das man hüten und pflegen muß, das scheint nicht einmal mehr die Schulen zu interessieren – von der Schulbürokratie ganz zu schweigen. Wenn dann aus dieser Schülergeneration, die nie ein Sprachgefühl entwickelt hat, auch noch die zukünftigen Deutschlehrer kommen, wird die Entwicklung fast unumkehrbar sein.

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Nur noch eine Woche lang winkt der Winkemann von Berwang!

Ja, es ist wieder so weit: wir müssen uns ganz allmählich von unserem Winkemann verabschieden.

Nur noch bis zum kommenden Sonntag, den 3. April 2016, wird er winken. Dann stellt die Sonnalmbahn ihren Winterbetrieb ein, und das Vergnügen, fast jeden Morgen um 8.33 Uhr im Alpenpanorama von 3sat den Winkemann zu sehen, geht zu Ende.

Dafür werden wir sehen, wie der Schnee langsam schmilzt, wie die Almen ergrünen – und irgendwann kommen die ersten Kühe ins Gebirg.

Und im Dezember winkt er wieder, der neue Winkemann.

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Ein paar Bemerkungen über Erdogan, den hochmögenden Sultan des osmanischen Reiches

Erdogan ist bei streng geheimen Waffenlieferungen an die syrische Opposition – mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an den IS! – ertappt worden, und zwei angesehene Journalisten haben darüber berichtet: Can Dündar und Erdem Gül. Erdogan wollte dafür sorgen, daß die beiden dafür in den Kerker kommen, aber das oberste türkische Gericht hat sie auf freien Fuß gesetzt. Das geht gar nicht! – denkt sich der Sultan. Habe ich da ein paar Richter zu wenig entlassen? Haben meine Drohungen nicht gefruchtet? Und schon stehen die beiden wieder vor Gericht, denn Erdogan, der dünnhäutige alte Mann, der keinen Widerspruch mehr duldet, sagte, er erkenne das Urteil des obersten Gerichts nicht an.

Jetzt hat er den deutschen Botschafter mit unflätigen Worten beschimpft, weil der (wie einige andere westliche Diplomaten) den Prozeß beobachten wollte. Diplomatie verlange „Anstand und Umgangsformen“, meinte Erdogan (ausgerechner er!) und giftete:

Das ist nicht euer Land, das ist die Türkei.

Dazu fällt mir zweierlei ein.

Erstens: wenn Erdogan, der büyük lider, der Große Führer aller Türken, wieder einmal nach Deutschland kommen möchte, um unsere türkischstämmigen Mitbürger gegen das Land aufzuhetzen, in dem sie leben, dann sollten wir ihm – natürlich unter Wahrung von Anstand und Umgangsformen! – sagen, daß er hier nicht willkommen ist:

Das ist nicht dein Land, Tayyip, das ist Deutschland.

Zweitens: ein Sultan kann sich nur dann groß und übermächtig fühlen, wenn man ihm devot und untertänig entgegentritt. Das muß man vor allem der Kanzlerin ankreiden, die in Ankara brav, fast treuherzig neben ihm gestanden und um Hilfe in der Flüchtlingsfrage gebettelt hat.

So macht man sich erpreßbar, und die Folgen sieht man schon jetzt an Erdogans Wutrede über den deutschen Botschafter. Merkel mag ihm ein paar Milliarden in den Rachen werfen, aber nie – wirklich niemals! – darf man einem Regime wie dem türkischen Hoffnung machen, daß es in die EU, den „Christenklub“, wie Erdogan unser Europa abschätzig nennt, aufgenommen wird.

Im übrigen sollte man den türkischen Botschafter einbestellen und ihm klarmachen, daß auch für einen türkischen Präsidenten Anstand und Umgangsformen gelten.

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