Es wird bald ruhig in Syrien

Das glaubt aber wirklich nur – die Arabische Liga.

Drei Mitglieder ihrer Beobachtermission sind bei den Kämpfen verletzt worden, deshalb sollen erst einmal keine neuen Beobachter nach Syrien geschickt werden.

Man wolle abwarten, bis sich die Lage beruhigt habe.

Und wie lange will man jetzt warten? Drei Tage? Einen Monat? Ein Jahr?

Oder einfach nur, bis die Scharfschützen auf den Dächern auch den letzten Oppositionellen abgeknallt haben?

Dann ist die Ruhe eingekehrt, die Assad haben möchte: Friedhofsruhe.

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Wird ein Mormone Präsident der Vereinigten Staaten?

Mitt Romney (64) wird – wie es aussieht – bei der Präsidentschaftswahl in den USA der republikanische Herausforderer von Barack Obama werden.

Romney ist Mormone, und an diese seltsame Religionsgemeinschaft habe ich meine eigenen Kindheitserinnerungen. Damals, das müßte in den wilden 60er Jahren gewesen sein, missionierten sie auch hier in Deutschland – immer zu zweit, immer adrett gekleidet mit Anzug und Krawatte und mit perfekt geschniegelten Haaren. Sie waren so amerikanisch, daß man es kaum ertragen konnte. Und sie waren hartnäckig!

Mein Vater war nicht hartnäckig, er ließ immer alle herein (sogar die Zeugen Jehovas mit ihrem Wachtturm!), und so kam es, daß wir gemeinsam die Bibel gelesen haben – ich durfte ab und zu auch etwas vorlesen, was ich gar nicht verstand. Es war grauenhaft.

Inzwischen kenne ich das „Buch Mormon“, an das die Heiligen der letzten Tage, wie sie sich selbst nennen, glauben, ein bißchen besser, aber sympathischer ist es mir nicht geworden. Es ist im Grunde doch eine Sekte – keine bösartige, die Menschen zerstört und bricht, aber eben doch eine Sekte. Ich brauche kein Buch Mormon, schon gar nicht, um ein leidlicher Christenmensch zu sein. Dazu reicht die Bibel nun wirklich aus.

Aber in den USA ist alles sakrosankt, was sich selbst Kirche nennt – und es scheint einem Präsidentschaftskandidaten nicht zu schaden, daß er Mormone ist. Wenn man das Gruselkabinett der republikanischen Kandidaten betrachtet (Sarah Palin, Michelle Bachmann, Gingrich, Tea Party usw.), wirkt er trotz seiner religiösen Herkunft und seiner ständig wechselnden Standpunkte fast schon wieder seriös.

Als Präsidenten der wichtigsten Großmacht der freien Welt möchte ich ihn aber trotz alledem nicht haben. Aber auch Obama hat ja viel von seinem Glanz verloren. Rhetorik ist eben nicht alles.

Und doch: wenn ich mir so die Herrschenden im restlichen Teil der Welt betrachte – Putin, Chavez, Castro, Erdogan, Zuma, Ahmadineshad, Hu Jintao, Mugabe und wie sie alle heißen, da bin ich eigentlich doch ganz froh, daß die Amerikaner wenigstens noch zwischen Obama und Romney wählen können.

Und selbst um die Skandälchen unseres Bundespräsidenten Christian Wulff werden uns die meisten der Länder der Welt – von Rußland über China bis Kuba, Zimbabwe, Nigeria und Somalia – eher beneiden. Sie haben wirklich andere Sorgen.

Daran sollte man, bei aller Aufregung hierzulande, vielleicht auch einmal denken.

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Wieder eine neue Rankingshow

Die beliebtesten Neue Deutsche Welle-Hits der Nordrhein-Westfalen.

Kann ein Intendant, kann ein Programmdirektor, der noch halbwegs bei Verstand ist, eine solche Sendung (und unter diesem scheußlichen Namen!) ins Programm aufnehmen?

Der WDR, das muß man immer wieder sagen, war einmal ein Qualitätssender. Heute sendet er (von der journalistisch guten Aktuellen Stunde einmal abgesehen) immer mehr billigen Schund.

Weniger drastisch kann man es leider nicht ausdrücken.

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Bushidos Bescheidenheit

Eine der herausragenden Eigenschaften von Bushido, das wird bei der Lektüre seiner anspruchsvollen Autobiographie deutlich, ist seine Bescheidenheit.

Nehmen wir nur einmal die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Hier manifestiert sich sein zurückhaltendes Wesen besonders schön:

Ich bin sexuell auf einem sehr hohen Level, und nicht jede Frau ist dafür geeignet, diesen Hunger zu stillen.

Deshalb nimmt Bushido gern professionelle Hilfe in Anspruch:

Ich habe bestimmt schon mit 400 Nutten gevögelt und alles ausprobiert, was man für Geld bekommen kann. Mittlerweile langweilt mich das.

Ach, der arme Bushido! Das klingt ja wirklich nach einem Burnout-Syndrom. Aber wenigstens Mami findet ihren Sohnemann toll:

Mein Sohn kommt jeden Tag mit einer anderen nach Hause. Egal, ob blond, brünett oder schwarzhaarig, bei meinem Bushido ist immer was los.

Und da war schon allerhand los, noch ehe der Rapper überhaupt gerapppt hat. Auch das sagt Bushido in seiner gewohnt bescheidenen Art:

Lange bevor ich ein Mikrofon in der Hand hielt, standen die Mädchen schon Schlange und wollten gevögelt werden.

Ganz schön krass, nicht wahr? Deshalb hat der Verlag diesen Satz noch einmal ganz, ganz groß auf dieselbe Seite gestellt. Damit es die Leser richtig schön gruselt, und damit dann noch ganz, ganz viele andere Leser das Buch kaufen.

Das Schlimme ist: diese Rechnung ist aufgegangen. Das Buch war in kürzester Zeit auf Platz 1 der Bestsellerliste des Spiegel. Und 50 von 80 Kundenrezensionen bei Amazon gaben ihm die Höchstnote (5 Sterne).

Das sei „wirklich der Wahnsinn“, meinte der Autor zu seiner literarischen Karriere.

Und da zumindest muß man ihm recht geben.

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Bushido über den lieben Gott

Über diesen Satz des Rappers (aus seiner Autobiographie) könnte man ganze Proseminare abhalten:

Gott ist weder Mann noch Frau, er ist auch kein DJ.

Jetzt möchte man schon gerne wissen: woher weiß Bushido eigentlich, daß Gott kein DJ ist?

Die Antwort liefert uns der Rapper ein paar Absätze weiter:

Mein Gehirn nimmt Dinge wahr, die von anderen gar nicht erst registriert werden.

Ach, jetzt hätte ich doch beinahe krass gelacht!

Aber dann habe ich zu mir selbst gesagt: ey, Alter, erst mal chillen. Vielleicht ist Gott ja doch ein DJ.

Vielleicht bin ich ja Gott? Voll krass, der Gedanke. Hehe. Werd mal ein Buch darüber schreiben. „Bushido 2.0“ oder so.

Übelst krass!

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Malaysia

Der malaysische Oppositionsführer, so liest man, ist

vom Vorwurf der Homosexualität

freigesprochen worden.

„Vom Vorwurf der Homosexualität“!

Ja, sind wir jetzt auf dem Weg zurück in die Steinzeit?

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Bushido, das reiche Mädchen und die Moral

Es begab sich aber zu der Zeit, als Bushido Rapper in Deutschland war, daß er eines Tages ein reiches Mädchen kennenlernte. Die Eltern des Mädchens waren wirklich sehr, sehr reich:

Ihr Vater hatte einen echten Picasso im Wohnzimmer der Villa hängen, sie besaßen mehrere Häuser auf der ganzen Welt, in der Garage standen Ferraris, Maseratis und Porsches.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was für eine Uhr diesem Mann von seinem Handgelenk entgegenfunkelte! Aber seine Tochter hielt dem hohen moralischen Standard des Rappers leider nicht stand.

Anstatt dazu zu stehen, das Geld von Papi auszugeben, versuchte sie ständig, mir irgendeinen Blödsinn zu verklickern. Zuerst wollte sie einen Club in Berlin eröffnen – wofür ich sie krass auslachte. Dann wollte sie Mediendesign studieren und einen Monat später Medizin. Was für ein Abtörn! Wieso konnte sie nicht einfach sagen: ‚Ich gehe alle drei Tage für 500 Euro zum Friseur, kaufe mir ohne Ende Designer-Klamotten und genieße das Leben.‘

Und jetzt kommt’s:

Das wäre wenigstens ehrlich gewesen, und sie hätte dafür auch meinen Respekt bekommen. Da sie es nicht war, mußte ich sie leider abservieren. Ohne Ehrlichkeit läuft nun mal nichts im Leben.

Dieser zuckersüße moralische Schlenker am Ende Deiner Erzählung, lieber Bushido – was für ein Abtörn!

Du nimmst es mir doch sicher nicht übel, wenn ich Dich dafür jetzt mal krass auslache?

(Die Zitate sind alle der 2008 im riva-Verlag erschienenen Autobiographie des preisgekrönten Rappers entnommen.)

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Philosophisches aus der Feder des Groß-Rappers Bushido

Das heißt – ob es wirklich aus seiner Feder stammt, weiß man nicht so genau, denn seine Autobiographie heißt zwar (in Riesenlettern) „Bushido“, aber darunter steht, sehr klein: „mit Lars Amend“. Amend (32) ist nach Verlagsangaben „Journalist und Buchautor“, er hat für MTV und VIVA – und sogar für den Tagesspiegel – gearbeitet.

Die Textanteile von Amend und Bushido werden natürlich nicht spezifiziert. Das Buch ist 2008 im Münchener riva-Verlag erschienen.

Aber hier ist das schöne Zitat:

Jedes Mal, wenn ich auf meine Uhr sehe und mir meine 6000-Euro-Breitling entgegenfunkelt, werde ich daran erinnert: Alles, was ich habe, kommt von meinen Fans.

Ist das nicht schön? Und so lyrisch – „entgegenfunkelt“! Nach einer eingehenden stilistischen Analyse und einem Vergleich mit Bushidos Original-Raps würde ich mit einiger Sicherheit vermuten: die Breitling kommt von Bushido, die Formulierung von Amend.

Ich werde mir übrigens erlauben, an dieser Stelle – zur Freude und Belehrung meiner Leser – hin und wieder ein paar Perlen aus dem Werk des preisgekrönten Rappers vorzustellen.

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Der Islam und die Toleranz

Es gibt kaum eine Talkshow über den Islam, in dem nicht ein Muslim (oder eine Muslima) ihre Religion als Hort des Friedens und der wahren Toleranz beschwören. Es ist dies freilich – leider! – eine Toleranz der Worte, nicht der Taten, denn da, wo der Islam herrscht, wo er also die Mehrheit und die Macht hat, ist er ganz und gar nicht tolerant.

Wenn dort andere Religionen überhaupt geduldet und nicht, wie in Nigeria und in vielen anderen Länderen der islamischen Welt, mit Mord und Totschlag bedroht werden, dann werden sie eben nur – geduldet. Das war jahrhundertelang auch im Osmanischen Reich so, wo man die „Ungläubigen“ großmütig am Leben ließ, solange sie die Kopfsteuer entrichteten und brave Untertanen waren. Und auch in der heutigen Türkei, die von ihrem Ministerpräsidenten als islamisches Musterland verstanden wird, werden Christen überall nach Kräften kleingehalten und in der Ausübung ihres Menschenrechts auf Religionsfreiheit behindert.

Ein Zeichen von Selbstbewußtsein ist das nicht, ganz im Gegenteil: man fürchtet die „freie Konkurrenz“ der Religionen wie der Teufel das Weihwasser, also errichtet man ein ganzes Netz von religiösen und strafrechtlichen Verboten, um den Gläubigen den Abfall vom „wahren“ Glauben so schwer wie möglich zu machen. Das geht in manchen Regionen der islamischen Welt bis hin zur Todesdrohung gegenüber Konvertiten, und selbst in der „modernen“ Türkei muß ein Muslim, der zum Christentum übertritt, ein Leben lang in Angst leben.

Toleranz, das muß man hier einmal deutlich sagen, ist nicht der Verzicht darauf, den Andersgläubigen totzuschlagen. Toleranz ist immer der Respekt vor dem Andersdenkenden – und erst recht vor dem Andersgläubigen. Um den eigenen Glauben einen strafbewehrten Zaun zu errichten, ist mehr als armselig.

Wahre Toleranz – darüber gibt es in Lessings Drama Nathan der Weise eine schöne Geschichte: die Ringparabel. Früher hat man sie in der Oberstufe jedes Gymnasiums gelesen, heute – fürchte ich – ist das nicht mehr so. Deshalb will ich sie hier in den wichtigsten Auszügen vorstellen.

Vor grauen Jahren lebt‘ ein Mann in Osten,
Der einen Ring von unschätzbarem Wert
Aus lieber Hand besaß. Der Stein war ein
Opal, der hundert schöne Farben spielte,
Und hatte die geheime Kraft, vor Gott
Und Menschen angenehm zu machen, wer
In dieser Zuversicht ihn trug. Was Wunder,
Daß ihn der Mann in Osten darum nie
Vom Finger ließ; und die Verfügung traf,
Auf ewig ihn bei seinem Hause zu
Erhalten? Nämlich so. Er ließ den Ring
Von seinen Söhnen dem geliebtesten;
Und setzte fest, daß dieser wiederum
Den Ring von seinen Söhnen dem vermache,
Der ihm der liebste sei; und stets der liebste,
Ohn‘ Ansehn der Geburt, in Kraft allein
Des Rings, das Haupt, der Fürst des Hauses werde.

So kam nun dieser Ring, von Sohn zu Sohn,
Auf einen Vater endlich von drei Söhnen;
Die alle drei ihm gleich gehorsam waren,
Die alle drei er folglich gleich zu lieben
Sich nicht entbrechen konnte. Nur von Zeit
Zu Zeit schien ihm bald der, bald dieser, bald
Der dritte, – sowie jeder sich mit ihm
Allein befand, und sein ergießend Herz
Die andern zwei nicht teilten, – würdiger
Des Ringes; den er denn auch einem jeden
Die fromme Schwachheit hatte, zu versprechen.
Das ging nun so, solang es ging. – Allein
Es kam zum Sterben, und der gute Vater
Kömmt in Verlegenheit. Es schmerzt ihn, zwei
Von seinen Söhnen, die sich auf sein Wort
Verlassen, so zu kränken. – Was zu tun?
Er sendet in geheim zu einem Künstler,
Bei dem er, nach dem Muster seines Ringes,
Zwei andere bestellt, und weder Kosten
Noch Mühe sparen heißt, sie jenem gleich,
Vollkommen gleich zu machen. Das gelingt
Dem Künstler. Da er ihm die Ringe bringt,
Kann selbst der Vater seinen Musterring
Nicht unterscheiden. Froh und freudig ruft
Er seine Söhne, jeden insbesondre;
Gibt jedem insbesondre seinen Segen,
Und seinen Ring, und stirbt.

Ich bin zu Ende.
Denn was noch folgt, versteht sich ja von selbst.–
Kaum war der Vater tot, so kömmt ein jeder
Mit seinem Ring, und jeder will der Fürst
Des Hauses sein. Man untersucht, man zankt,
Man klagt. Umsonst; der rechte Ring war nicht
Erweislich; fast so unerweislich, als
Uns itzt – der rechte Glaube.

Natürlich ziehen die Söhne vor Gericht – und geraten (das gibt es sogar hin und wieder im wirklichen Leben!) an einen weisen Richter. Der nämlich sagt:

Mein Rat ist aber der: ihr nehmt
Die Sache völlig wie sie liegt. Hat von
Euch jeder seinen Ring von seinem Vater:
So glaube jeder sicher seinen Ring
Den echten. – Möglich; daß der Vater nun
Die Tyrannei des einen Rings nicht länger
In seinem Hause dulden wollen! – Und gewiß;
Daß er euch alle drei geliebt, und gleich
Geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen,
Um einen zu begünstigen. – Wohlan!
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring‘ an Tag
Zu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf‘! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich; und sprechen. Geht! – So sagte der
Bescheidne Richter.

„Es eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach!“ – und zwar „mit Sanftmut, mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun, mit innigster Ergebenheit in Gott“.

Eine schönere Definition von Toleranz wird man nicht leicht finden.

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Die Verhohnepiepelung des Kunden – Eine wahre Geschichte aus der deutschen Servicewüste

Haben Sie schon einmal einen Küchenkalender bestellt? Unser Küchenkalender hängt, wie schon der Name sagt, in der Küche, und da tragen wir alle Termine ein, die für uns wichtig sind: geplante Ausflüge, Arzttermine, Besuche – einfach alles. Und damit der Kalender auch ein bißchen persönlich und individuell ist, lassen wir ihn immer am Ende des Jahres mit unseren eigenen Fotos  drucken. Das machen hundert Firmen, und wir haben den Kalender – wie schon letztes Jahr – bei ALDI Foto bestellt.

ALDI Foto gehört, wie man weiß, zur Medion AG,  und die Medion AG, auch das weiß man, ist inzwischen zu 75 % in chinesischer Hand. Aber das tut eigentlich nichts zur Sache.

Also: am 18. Dezember 2011 haben wir den Kalender bestellt und die zwölf Monatsbilder auf den Medion-Server hochgeladen. Versprochen wurde uns eine Erledigung innerhalb von 5-7 Werktagen. Diese Frist hätte am 27. Dezember geendet. Das war ein Dienstag, und die Post war dieses Jahr erstaunlich schnell, wir haben fast alles – Briefe, Päckchen, Warensendungen – spätestens innerhalb von zwei Tagen bekommen.

Aber nicht unseren Küchenkalender.

Ein Link, den uns die Fa. Medion zur Nachverfolgung der Bestellung geschickt hat, sagte uns klipp und klar: der Kalender wurde am 24. Dezember verschickt.

Wir warteten und warteten, aber was nicht kam war – unser Küchenkalender. Nun sind wir wirklich nicht penibel, es kann ja immer einmal etwas schiefgehen, und wir wären ja schon zufrieden gewesen, wenn der Kalender wenigstens Anfang des neuen Jahres angekommen wäre.

Aber er kam nicht.

Am 2. Januar haben wir freundlich nachgefragt, wo er bleibt. Wir bekamen aber nicht etwa eine Antwort auf unsere Frage, sondern eine ellenlange E-Mail, die so anhub:

Vielen Dank für Ihre Anfrage.
Wir haben festgestellt, dass einige Anfragen wiederholt bei uns eingehen und daher für Sie eine FAQ zusammengestellt. Wir bitten Sie höflichst, einen Blick in unten stehende Antwortsammlung zu werfen und nachzusehen, ob Ihre Anfrage vielleicht bereits beantwortet wird.
Sollte dies nicht der Fall sein, antworten Sie bitte auf diese Mail, damit Ihr Anliegen an die zuständige Fachabteilung weitergeleitet werden kann. Bitte lassen Sie den Betreff der Mail unverändert.
Am Ende dieser FAQ finden Sie Ihre Originalmail, so dass Sie Ihr Anliegen nicht erneut zu schildern brauchen.
1. Wie kann ich feststellen, ob mein Auftrag eingegangen ist?
2. Warum erhalte ich keine Bestätigungsmail?
3. Warum kann ich meinen CD Auftrag nicht online finden?
4. Warum sind meine Aufträge noch in meinen Benutzerdaten aufgeführt,
obwohl ich diese schon bezahlt habe?
5. Kann ich meinen Auftrag/meine Aufträge nachträglich ändern/stornieren
oder zusammenfassen?
6. Kann ich meinen bereits ausgeführten Auftrag nachbestellen?
7. Warum funktioniert der Login mit meinem Benutzernamen/Passwort  bzw.
E-Mail Adresse/Passwort nicht?
8. Warum sind meine Bilder kleiner als das bestellte Maß?
9. Warum sind auf meiner Rechnung falsche Bankdaten vermerkt, obwohl ich
meine richtigen Daten für das Lastschriftverfahren angegeben habe?
10. Warum habe ich keine Rechnung erhalten?

Das ist, wie gesagt, nur der Anfang dieser Mail – den Rest erspare ich meinen Lesern. Wir haben also brav geschrieben, daß unser Anliegen mit dieser Automatenpost keineswegs erledigt ist, und haben auf der ganz einfachen Frage beharrt:

WO IST UNSER KÜCHENKALENDER?

Die Hoffnung, daß irgendwo im Universum der Medion AG vielleicht doch ein Mensch sitzt (oder wenigstens eine Lebensform, die noch etwas Menschenähnliches hat) war leider vergebens. Einen Tag später kam eine E-Mail von einem anderen Stern.

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
vielen Dank für Ihr Interesse an unserem ALDI Foto Service.
Um Ihnen zukünftig einen verbesserten Service bieten zu können, haben wir unser E-Mail-System auf einen neueren Stand gebracht. Bedauerlicherweise ist dabei der Inhalt Ihrer Mail verlorengegangen.
Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir in aller Form um Entschuldigung und übersenden Ihnen mit dieser E-Mail einen Gutschein im Wert von 5 Euro.
Der Gutscheincode lautet: xxxxxxxx.
Dieser kann bis zum 22.12.2012 für ein Produkt Ihrer Wahl eingelöst werden
Sollte der Grund Ihrer Anfrage weiterhin bestehen, möchten wir Sie höflichst bitten, sich erneut über das Kontaktformular www.aldifotos.de/kontakt an unseren Service zu wenden. Gerne werden wir Ihre Anfrage schnellstmöglich bearbeiten.
Wir bitten um Ihr Verständnis und wünschen Ihnen ein frohes neues Jahr.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ALDI Foto Service Team

Prost Neujahr – kann man da nur sagen. Auf eine einfache Frage, die man innerhalb von Sekunden beantworten könnte – ich wiederhole sie noch einmal: WO IST UNSER KÜCHENKALENDER? – haben wir erst einen langen Fragenkatalog bekommen, um dann zu erfahren, daß unsere Mail leider verlorengegangen sei. Daß aber der Kalender laut Nachverfolgung schon lange zu uns unterwegs war, hatte man wohl inzwischen vergessen, wahrscheinlich war es nur ein fiktives Datum zur Beruhigung der Kunden.

Der Versuch, jetzt durch den Antwortknopf von Outlook bei Medion doch noch einen lebenden Menschen zu erreichen, war natürlich vergebens. In einer Mail vom 3. Januar wurden wir folgendermaßen belehrt:

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
wir haben unseren Support umstrukturiert und neu organisiert, um Ihre Anfragen so präzise und zeitnah wie möglich zu beantworten. Ab sofort steht ein Support-Formular als Medium zur Übermittlung von Anfragen zur Verfügung.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Supportmeldungen, die direkt per E-Mail eingehen, nicht bearbeitet werden.
Sie gelangen über den nachfolgenden Link zu dem Support Formular. (xxx)
Mit unserer neuen Plattform vermeiden wir Übertragungsfehler aus externen Dokumenten und zusätzlichen Pflegeaufwand. So können wir auf effiziente Weise sofort die von Ihnen beschriebenen Support-Themen bearbeiten.
Natürlich können Sie uns zusätzlich zur schriftlichen Problembeschreibung auch externe Anhänge in den gängigen Dokumenten- und Grafikformaten zusenden.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ALDI Fotoservice Team

Man sieht: da sitzen bei Medion eine Menge Leute, die nur eine Aufgabe haben – auf die Fragen der Kunden nicht zu antworten! Daß uns die Marketingfloskeln „präzise“, „zeitnah“ und „effizient“ besonders erfreut haben, kann sich wohl jeder vorstellen. Also schreiben wir der Fa. Medion (nachdem wir unsere Kundendaten zum dritten Mal, glaube ich, eingegeben haben!), daß wir keinen Gutschein wollen und keine Marketingfloskeln, sondern nur eines: UNSEREN KÜCHENKALENDER!

Jetzt gibt es endlich Post von einem richtigen Menschen! Er heißt David P. und schreibt uns im Auftrag des FOTO-Service-Teams von Medion folgendes:

Wir bitten die Verzögerung in der Beantwortung Ihrer Anfrage zu entschuldigen.
Bedingt durch das erhöhte Arbeitsaufkommen in der Weihnachtszeit kann es hier zu Verzögerungen in der Produktion kommen. Bitte seien Sie jedoch versichert, dass wir bemüht sind, diese schnellstmöglich fertigzustellen. Ein genauer Termin kann leider nicht genannt werden. Nach Fertigstellung wird Ihnen eine Mail zugesendet.
Aufgrund der Unannehmlichkeiten wird Ihrer Sendung ein Gutschein für Ihre nächste Bestellung beiliegen.
Wir bedauern Ihnen keine andere Auskunft geben zu können und stehen für weitere Fragen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ALDI-Fotoservice Team

Jetzt greifen wir – jeder Leser wird es nachempfinden können – zu einer drastischeren Wortwahl, und was schickt uns die Fa. Medion? Schon wieder, jetzt zum dritten Mal, die bekannte Antwortsammlung, auf die wir – so wörtlich – „höflichst einen Blick“ werfen sollen. Wir kennen sie inzwischen auswendig.

Und wieder schreiben wir: nein – wir wissen alles, wir kennen alles, alle faulen Ausreden, alle Textbausteine, alle Kontaktformulare, wir wollen doch – um Himmels willen! – nur eines noch, bevor wir diese Firma des Grauens verlassen, um nie wieder, wirklich nie wieder dort etwas zu bestellen, wir wollen nur

UNSEREN KÜCHENKALENDER!

Gestern nun, am 5. Januar, und das ist der letzte Stand der Dinge, kommt eine nicht namentlich unterschriebene Mail von Medion mit der lakonischen Nachricht:

Ihre Bestellung ist fertiggestellt und bereits auf dem Wege zu Ihnen nach Hause.

Wir haben bei der Fa. Medion inzwischen:

eine Kundennummer
eine Rechnungsnummer und
eine Supportnummer.

Was wir aber immer noch nicht haben, ist unser Küchenkalender.

Und was wir auch jetzt noch immer nicht wissen: haben wir da überhaupt mit lebenden menschlichen Wesen kommuniziert – oder mit Lebensformen aus der Tiefe des Weltalls? Ist unser Planet etwa schon mit Klonen infiltriert, die nur so tun, als seien sie Menschen? Ist dieser David P., der uns immerfort neue Kontaktformulare schickt, statt uns zu antworten, wirklich ein Mensch aus Fleisch und Blut?

Man mag es nicht glauben.

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