Erst Bio-Fleisch, dann Vegetarier?

Nur ein kleiner Nachtrag zum Thema Vegetarier.

Manche, die bisher um der Tiere willen nur Bio-Fleisch gegessen haben, steigen jetzt um auf vegetarisch. Geht es den Tieren dann besser?

Im Gegenteil. Wer statt Bio-Fleisch jetzt gar kein Fleisch mehr ißt, schadet gerade den Biobauern, die ohnehin schon ums Überleben kämpfen, am meisten. Sie sind es nämlich, die dafür sorgen, daß die Tiere, solange sie leben, ein artgerechtes und gutes Leben haben. Sie werden dabei weder von den Bauernverbänden, für die sie nur die „armen Irren“ sind, noch von der Regierung oder der EU unterstützt. Und sie werden auch  – anders als die Putenqueens und Massentierhalter – nicht reich. Aber sie sind Biobauern aus Überzeugung.

Wer die reine (und damit rücksichtslose, vom praktischen Leben abgekoppelte) Moral hochhält, mag sich als Vegetarier auf der rechten Seite fühlen. Aber die praktische Moral, die immer auch die wirklichen Folgen des eigenen Handelns bedenkt, müßte ihm sagen, daß die Welt so einfach nicht ist.

Veröffentlicht unter Natur, Politik, Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Fleischlos glücklich – oder: Die Zwangsbeglückung im Zeitalter der organisierten Moralität

Ja, Sie haben richtig gelesen: es gibt nicht nur eine organisierte Kriminalität, es gibt auch eine organisierte Moralität, und man sollte sich einmal fragen, welche von beiden mehr Schaden anrichtet (und mehr Lebensfreude zerstört). Die politischen Zwangsbeglücker, die unser gesamtes Leben normieren und auch den kleinsten Schaden von uns fernhalten wollen, sitzen nämlich keineswegs nur in Brüssel. Sie haben zum Beispiel auch in der DDR gesessen, und das ist kein Zufall, denn diese hilflosen Versuche, unser Leben (und es ist unser Leben!) zu regulieren, es in vorgeschriebene Bahnen zu lenken und alles bis in den privaten Alltag (und sogar bis in die Sprache!) hinein zu reglementieren, gehören im Kern zur linken Tradition. Deshalb kommen die Forderungen nach dem verordneten Glück, nach der Ethisierung allen Lebens besonders lautstark und besonders heftig von den Grünen, der SPD und der Linken – bei ihnen sind sie längst Teil ihrer Ideologie geworden. Daß der Hang zum Zwang auch in der Merkelschen CDU um sich greift, muß diese gesichts- und prinzipienlos gewordene Partei mit sich selbst ausmachen. Die Diskussion darüber wird kommen, aber vermutlich erst nach Merkel.

Die Grünen läuten jetzt eine neue Runde ein: der „Veggie Day“ soll gesetzlich eingeführt werden. An einem Tag in der Woche dürfen dann Kantinen und Mensen nichts Tierisches anbieten – oder, wie meine besonderen Freunde, die Veganer, zu sagen pflegen, keine „Leichenteile“. Hören wir, was Renate Künast zur Begründung sagt (hier nachzulesen):

Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren.

Dieses „wunderbare Ausprobieren“ gibt es freilich schon seit vielen, vielen Jahren, und nicht nur an einem Tag in der Woche, sondern täglich. Fast alle Kantinen und Mensen bieten vegetarische Gerichte an, und das ganz ohne staatlichen Zwang. Sie tun es, weil ihre Kunden es verlangt haben. Das ist der richtige Weg.

Ich brauche keine Reglementierung, ich will überzeugt werden. Und vor allem traue ich – mit gutem Grund! – den amtlichen und politischen Begründungen dieser guten Taten nicht. Die Energiewende zum Beispiel ist ein einziger Schwindel und eine große Dummheit dazu: sie zerstört unsere Landschaft, und jedes Windrad braucht ein paar hundert Kilo „Seltene Erden“, die in China unter unsäglichen Bedingungen und mit schlimmen ökologischen Folgen gefördert werden. Die Energiesparlampen, zu deren Gebrauch ich zwangsverpflichtet worden bin, enthalten Gift und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Die Mülltrennung durch den Verbraucher hat nie richtig funktioniert und ist überdies teurer und aufwendiger als eine Trennung und Sortierung durch Fachbetriebe.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Wenn man die triumphierend vorgetragenen moralischen Imperative kritisch untersucht, bleibt vom versprochenen ökologischen Segen selten etwas übrig.

Aber die Tiere! Der Veggie Day und die vegetarische Ernährung überhaupt trügen „zu artgerechter Tierhaltung bei“. Sagt Frau Künast, die unter Schröder vier Jahre lang Landwirtschaftsministerin war. Was hat sie denn getan, um die Massentierhaltung in ihre Grenzen zu weisen? Ein paar kosmetische Veränderungen, einige Quadratzentimeter mehr, ein neuer Name („Kleingruppenhaltung“) – das war’s schon. An die großen Massentierhalter haben sich die Grünen, die lange genug im Bund, in den Ländern und in Städten und Gemeinden an der Macht waren, nie wirklich herangewagt.

Ich habe nun wirklich nichts gegen eine vegetarische Ernährung, es gibt gute Gründe dafür. Wir essen seit Jahrzehnten drei bis viermal in der Woche fleischlos, und auch an den übrigen Tagen ist Fleisch nur in kleinen Mengen auf dem Teller. Das halte ich übrigens, ohne jetzt in eine dieser fruchtlosen Grundsatzdiskussionen einzutreten, für die bessere Lösung. Wenn immer mehr Menschen wenig Fleisch essen, dann ist das effektiver, als wenn eine kleine Minderheit (eine ansehnlich gewordene, aber doch kleine Minderheit) gar kein Fleisch ißt. Das ist eben der Unterschied, ob man in dieser Frage sein Leben nach der reinen oder nach der praktischen Vernunft ausrichtet.

Aber wie auch immer: Druck und Zwang, wie milde sie auch sein mögen, werden nur Widerstand erzeugen, denn die Menschen wollen nicht beglückt, sie wollen – wie mündige Bürger – überzeugt werden. Der Veggie Day (muß man eigentlich alles immer englisch ausdrücken?) ist, wenn er denn kommen sollte, kein großes Malheur, aber er ist eben eingebettet in eine ganze Serie von Versuchen, uns auf gesetzlichem oder zumindest administrativem Wege zu bemuttern und wie die Schafe zu hüten. Aber wir sind keine Schafe, und das Leben, liebe Moralisten, ist viel, viel mehr als das einfache moralische Korsett, in das ihr uns einschnüren möchtet.

Veröffentlicht unter Die grüne Bewegung, Philosophie, Politik, Windkraftanlagen | Schreib einen Kommentar

Ich fechte an, du fechtest an, er/sie/es fechtet an …

Folgendes kann man heute als fette Überschrift auf der Seite der Deutschen Welle lesen:

Opposition fechtet Mugabes Wahlsieg an.

Daß freilich „anfechten“ ein starkes Verb ist, das dann auch so konjugiert werden muß,

das ficht die Journalisten von der Deutschen Welle nicht an.

Mal sehen, wie lange der Fehler unkorrigiert bleibt.

PS: Auf der Internetseite der Deutschen Welle werden übrigens auch Deutschkurse angeboten – aber offenbar nicht für die eigenen Journalisten.

Veröffentlicht unter Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Pöbelndes Publikum im Theater? Eine Antwort auf eine ganz, ganz dumme Kolumne von Sibylle Berg im „Spiegel“

„Wenig ist widerwärtiger als Buhrufe“, schreibt – in schlechtem Deutsch – Sibylle Berg im Spiegel (hier nachzulesen). Am Ende einer Aufführung, die alle Teilnehmer mit viel Herzblut geschaffen hätten, stehe „die Verhöhnung durch das Publikum“. Man weiß nicht so recht, worauf sie sich genau bezieht, davon redet sie nicht, also ist es wohl allgemein und pauschal gemeint.

Frau Berg, die selbst Dramatikerin ist, malt eine Art Genrebild, das unser Herz anrühren will:

War es eine kleine Produktion, haben 20 Menschen zwei Monate an dieser Inszenierung gearbeitet, oft sind es 50. Die meisten sieht man nicht, sie sind in der Technik, im Bühnenbau, in der Tonabteilung, in der Schneiderei. Die Requisite fieberte an diesem Abend genauso mit wie die Maskenabteilung. Zwei Monate Angst, Spaß, Verwirrung und harte Arbeit.

Ja, und was will uns Frau Berg damit sagen? Daß wir schon deshalb, weil harte Arbeit vorhergegangen ist, zum Applaus verpflichtet sind? Sollen wir auch bei schlechten Inszenierungen applaudieren (und das sind dank des staatlich subventionierten Regietheaters die meisten)? Sollen wir uns freuen, wenn uns pubertäre Regisseure, die mit 50 oder 60 Jahren noch immer pubertieren,mit Kot, Blut und Sperma „provozieren“ wollen – und das immer wieder, und von Jahr zu Jahr mehr? Sollen wir applaudieren, wenn auf der Bühne immer und immer wieder die alten Griechen in den Stücken von Sophokles, Euripides und Aischylos auf der Bühne in T-Shirts oder Nadelstreifen herumlaufen?

Mein Gott, wie provozierend! Und wie originell!

Nein, ein lebendiges Theater hat zu allen Zeiten, und gerade dann, wenn es am lebendigsten und vitalsten war, von den heftigen (und natürlich nicht immer gerechten!) Reaktionen des Publikums gelebt. Lachen und Toben, Bravo- und Buhrufe – das alles gehört zum echten, authentischen Theater. Erst da, wo es zum reinen Bildungstheater erstarrt ist, steht am Ende der obligatorische und höfliche Applaus. Ist der denn so erstrebenswert für die Schauspieler? Wirklich nicht. Wer mit Herzblut Theater spielt, will doch nicht diesen in Deutschland üblichen Pflichtapplaus, der am Ende bloß der Form halber und ohne innere Beteiligung gespendet wird. Man will Emotionen beim Publikum sehen, und da ist ein Buhen, das aus dem Herzen kommt, allemal erfreulicher als der förmliche Applaus der Zuschauer, bevor sie ins Parkhaus eilen. Frau Berg freilich dramatisiert dieses von alters her übliche Wechselspiel von Schauspielern und Zuschauern auf eine unerhörte Weise:

Mir stellt sich die Frage, ob Menschen, die sich bei Premieren so entäußern, wissen, was sie da tun. Gibt ihnen der Erwerb einer Eintrittskarte wirklich das Recht, Künstler zu traumatisieren? Ich habe von Sängern gehört, die ihre Laufbahn wegen Buhrufern beenden mussten. Regisseure, die zu trinken begannen.

Ach, liebe Frau Berg, ich habe von Schauspielern gehört, die nicht vom Publikum, sondern von ihren Regisseuren traumatisiert worden sind. Die nicht etwa zu trinken beginnen, weil am Ende ein paar Buhrufe kommen, sondern weil sie es nicht mehr ertragen, ihre schauspielerischen Fähigkeiten in plumpen, oberflächlichen, den Verstand beschämenden Inszenierungen zu vergeuden. Sehen Sie sich doch einmal die Lumpazivagabundus-Aufführung bei den Salzburger Festspielen an. Gerhard Stadelmaier hat sie gestern in der F.A.Z. in seiner unnachahmlichen Art beschrieben (hier nachzulesen). Natürlich ist der böse Geist Lumpazivagabundus nackt (ohne Nacktheit läuft nun einmal gar nichts  im heutigen Theater!), und natürlich ist er „mit Sperma und Blut besudelt“. Aber Moment! – ich merke eben, daß der Urin fehlt! Hat ihn der Herr Regisseur vergessen? Oder hat Stadelmaier ihn nicht bemerkt? Jedenfalls wird ein Theaterstück erst künstlerisch bedeutend, wenn alle drei Körpersäfte, also Blut, Urin und Sperma, vorhanden sind. Damit kann der Herr Regisseur nämlich zeigen, wie vital seine Inszenierung ist – und wie provozierend! 

In einem aber, Frau Berg, gebe ich Ihnen recht: wir sollten nicht brav im Saal sitzenbleiben und erst nach zwei oder drei Stunden buhen.

Nein, wir sollten bei diesen staatlich subventionierten Körpersaftorgien einfach aufstehen und gehen. Oder – noch besser – solche Theater meiden wie die Pest, denn irgendwann (ich weiß nicht, ob ich es noch erleben werde) wird man an solche Inszenierungen zurückdenken wie an einen peinlichen Traum.

Das Publikum verhöhnt die Schauspieler nicht, Frau Berg, das ist eine böswillige Unterstellung, und schon gar nicht verhöhnt es die vielen fleißigen Helfer hinter den Kulissen. Nein, es ist umgekehrt: das Publikum selbst wird von den Regisseuren mit ihren unsäglichen Inszenierungen verhöhnt.

Es ist höchste Zeit, daß es sich dagegen wehrt!

Veröffentlicht unter Sprache und Literatur | Kommentare deaktiviert für Pöbelndes Publikum im Theater? Eine Antwort auf eine ganz, ganz dumme Kolumne von Sibylle Berg im „Spiegel“

Obama vs. Snowdon

Ja, man kann leider nicht alle Probleme mit einer Drohne lösen, nicht wahr, Mr. President?

Obwohl ich mir denken könnte, daß mancher secret agent davon träumt und – wie es so schön heißt – seine klammheimliche Freude daran hätte.

Auch ich habe übrigens einen Traum: daß man Obama seinen Friedensnobelpreis, den er nun wirklich durch nichts gerechtfertigt hat, aberkennt und ihn an Edward Snowdon weiterreicht.

Und – um noch deutlicher zu werden: wer seinen Feind ausspäht, handelt vernünftig, wer aber seine Freunde ausspioniert und deren Verfassung bricht, ist einfach nur – ein Schurke.

Veröffentlicht unter Politik | Schreib einen Kommentar

Und wer denkt an die Kinder, bitteschön?

„Wie kommen Eltern zu ihrem Recht?“

Das fragt, im Zusammenhang mit dem seit heute geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinstkinder, tagesschau.de.

Ich aber frage:

Wie kommen Kinder zu ihrem Recht?

Kinder haben nämlich ein selbstverständliches Recht darauf, erst einmal Geborgenheit zu erfahren und eine feste Bindung zu Mutter und Vater aufzubauen, bevor man sie in sog. „Betreuungseinrichtungen“ steckt. Dieses Recht der Kinder muß nicht in einem Gesetzestext kodifiziert sein – es ist ein Naturrecht und zugleich eine jahrtausendalte Praxis.  Nur totalitäre Staaten wie die DDR haben daran gerüttelt, und es ist kein Zufall, daß „Ministerinnen und Minister“ der ostdeutschen Bundesländer strahlend mitteilen, daß sie die Vorgaben des Gesetzes sogar übererfüllen. Sie haben die alte DDR immer noch in ihren Köpfen. Uns hat es doch auch nicht geschadet, sagen sie. Und in einer DDR-Enzyklopädie liest man zum Beispiel:

In der Tageskrippe ist die Bindung des Kindes an seine Familie durch die tägliche Rückkehr ins Elternhaus voll erhalten.

Und sogar die „Ausnutzung der Sonnenstrahlen“ in der Krippe wird gelobt.

Nein, der tiefere Sinn der Krippen-Euphorie – damals wie heute – ist nur, die Mütter möglichst schnell wieder ins Arbeitsleben zurückzuführen. Sie sollen gar nicht erst auf die Idee kommen, daß es unendlich viel schöner (und für die Gesellschaft unendlich viel nützlicher!) ist, sich um die Erziehung seines Kindes zu kümmern, als an der Lidl-Kasse zu sitzen oder die Chefetage mit Excel-Tabellen zu versorgen.

Wir leben in einem Land, das Eltern keine Wahl mehr läßt. Der gesellschaftliche und vor allem der finanzielle Druck auf die Familien ist so groß, daß es sich kaum jemand mehr leisten kann, die Kinder zuhause zu betreuen. Wer es dennoch wagt, erntet von den fortschrittlichen Parteien nur Spott und Hohn („Heimchen am Herd“, „Herdprämie“ usw.)

Es ist der letzte Sieg der schlechten (nicht guten!) alten DDR über den Westen. Deshalb sage ich noch einmal: nicht, wie die Eltern zu ihrem Recht kommen, ist hier die Frage. Sondern: wie kommen die Kinder zu ihrem Recht?

PS: Viele alte Männer sind nicht gerade eine intellektuelle Zierde ihres Geschlechts – aber es gibt Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist Norbert Blüm. Er geht den dümmlichen Fortschrittsideologen à la Künast, Ströbele, Nahles usw. nicht mehr auf den Leim. Er nutzt die Narrenfreiheit, die man als alter Mensch hat (das tun leider nur wenige). Lesen Sie unbedingt seinen Gastbeitrag „Falsches Glück“ in der letzten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – er ist hier erfreulicherweise auch online einzusehen.

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Der Todesstoß für das Great Barrier Reef?

Die australische Bergbauindustrie will im Norden des Kontinents die größte Kohlebergbau-Anlage der Welt bauen. Und der Schiffahrtsweg zum Hafen soll quer durch das ohnehin schwer gefährdete Great Barrier Reef verlaufen!

Hier können Sie eine Protestmail an den australischen Premierminister schicken.

Veröffentlicht unter Natur, Politik | Schreib einen Kommentar

Warum der Mensch zwei Hände hat

Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, genügt ab und zu ein Blick auf benachbarte Balkone: die eine Hand ist für das Handy da, die andere für die Zigarette. Es kann vorkommen, daß hie und da einmal eine der beiden Hände frei bleibt, aber das ist selten.

Veröffentlicht unter Sonstiges | Schreib einen Kommentar

Der Anfang vom Ende des Springer-Verlags

Ein Verlag richtet sich zugrunde – und wir können sagen, wir sind dabeigewesen.

Springer verscherbelt sein Tafelsilber, darunter Blätter wie die Hörzu, das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost – ein Paket von fast einer Milliarde Euro. Damit hat sich der Verlag „publizistisch selbst entkernt“, wie der Spiegel zurecht schreibt. Die Witwe des Verlegers, Friede Springer, die als Mehrheitsaktionärin im Verlag das Sagen hat, hat diesem geschäftlichen Harakiri offenbar zugestimmt. „Das Alte ist vergangen, wirklich vergangen“, sagt sie.

So einfach ist das.

In Wirklichkeit ist es so, daß man im Vorstand des Springer-Verlags offenbar von einer Art Cyber-Imperium ohne gedrucktes Wort träumt, einem deutschen Google oder Amazon vielleicht, auf jeden Fall aber von einem Online-Imperium ohne das, was das Herz eines Zeitungsverlags ausmacht: gute Journalisten.

Es ist dies ein Irrweg, den der Springer-Verlag, der jetzt nur noch Bild und die schwächelnde Welt hält, teuer bezahlen wird.

Alles nämlich, was journalistisch gut ist im Internet, stammt von den Journalisten der gedruckten Blätter. Ohne sie kann man kein gutes Blatt, ohne sie kann man auch keine Gewinne machen. Wer Traditionsblätter mitsamt ihren Journalisten ausgerechnet an einen Konzern verkauft, der selbst Mitarbeiter entlassen muß, zeigt damit nur, wie wichtig ihm seine Journalisten sind.

Das Alte ist vergangen? Nein – man hat es verscherbelt.

Jetzt könnte man Vergleiche zu einem der bedeutendsten deutschen Buchverlage ziehen, der auch von einer Witwe geführt wird. Aber das verkneife ich mir. Es wäre frauenfeindlich, männlich-chauvinistisch und überhaupt politisch völlig unkorrekt.

Veröffentlicht unter Sonstiges, Sprache und Literatur | Schreib einen Kommentar

Er will Snowdon gar nicht foltern, der US-Justizminister, und grillen will er ihn auch nicht!

Der herzensgute Justizminister der Vereinigten Staaten, Eric Holder, hat in einem Brief an seinen russischen Amtskollegen geschrieben, der „Verräter“ Snowdon müsse „nicht mit der Todesstrafe rechnen“. Und – man höre und staune! – er „würde auch nicht gefoltert“.

Das ist aber jetzt wirklich lieb vom Justizminister der mächtigsten Nation der freien Welt. Es stärkt mein Vertrauen in die USA ungemein, wenn sie nicht einmal einen so bösen Menschen wie Snowdon foltern will.

Apropos Snowdon: wir haben so viele hochdotierte Preise für fast alles – Literaturpreise, Kunstpreise, einen Karlspreis, einen Friedenspreis usw. Da müßte sich doch einer finden lassen, den man Snowdon (möglichst bald!) verleihen könnte. Und dann aber nicht nur freies Geleit zusichern, sondern politisches Asyl auf Lebenszeit für einen Menschen, der unter Einsatz seines Lebens die kriminellen Machenschaften des US-Geheimdienstes aufgedeckt hat.

Oder soll Snowdon etwa für den Rest seines Lebens in einem dieser dubiosen südamerikanischen Staaten leben?

Wir geben fast jedem Armutsflüchtling Asyl (oder wenigstens eine Duldung), der nur von unserem Sozialsystem profitieren will – und Snowdon weisen wir zurück? Das ist erbärmlich. Auch der Bundespräsident, der erst jetzt Snowdon ein bißchen „Respekt“ zollt, hat sich in dieser Sache nicht so verhalten, wie man es von ihm erwartet hätte.

Wir sollten diese peinliche Haltung, dieses devote Kuschen vor dem American friend, endlich aufgeben. Ja, mehr noch: die europäischen Staaten müßten eigentlich darin wetteifern, wer von ihnen Snowdon eine sichere Heimstatt gewähren soll.

Das ist – auch – eine Sache der Ehre.

Hier geht es darum, unsere Verfassung und die Bürgerrechte gegen einen hochgradig kriminellen Angriff eines Geheimdienstes zu verteidigen.

Auf die Kanzlerin, das hat man wieder einmal gesehen, wird man sich dabei nicht verlassen können. Sie will sich, wie immer, einfach nur durchmogeln.

Veröffentlicht unter Politik, Sonstiges | Schreib einen Kommentar