Schon wieder Mely Kiyak – diesmal bei Jauch

Viele werden sich daran erinnern: im Mai hatte die Kolumnistin Mely Kiyak in der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung Thilo Sarrazin als „lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ bezeichnet. Entschuldigt hat sie sich dafür nie, erst auf Druck der entsetzten Öffentlichkeit gab sie eine halbherzige Erklärung ab, die alles eigentlich nur noch schlimmer machte. Sie hätte den Satz, wenn ihr die körperliche Behinderung Sarrazins bekannt gewesen wäre, so nicht formuliert. Das heißt ja wohl, daß man einen gesunden Menschen öffentlich nach Herzenslust entmenschlichen darf. Wenn der Gegner kein Mensch mehr ist, sondern nur noch eine „zuckende Menschenkarikatur“, dann kann man ihn vernichten, denn die Vernichtung beginnt immer mit vernichtenden Wörtern. Der Deutsche Presserat sah in dem Artikel einen schwerwiegenden „Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze“ und sprach eine Mißbilligung aus.

Wer heute auf die Seite von Jauch geht, muß lesen, daß Mely Kiyak „eine preisgekrönte Kolumne in der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung“ habe. In Wahrheit ist es so, daß nicht die Kolumne, sondern ein einzelner Artikel innerhalb der Kolumne 2011 den seit 1962 vergebenen Theodor-Wolff-Preis erhalten hat. Die Preiswürdigkeit dieses Artikels kann ich nicht beurteilen, ich kenne ihn nicht. Ich habe aber, weil Mely Kiyak heute abend zu Gast bei Günter Jauch ist, die letzten ihrer veröffentlichten Artikel gelesen und muß leider sagen, daß sie alles andere als preiswürdig sind. Es sind merkwürdig verschrobene Artikel, in denen fast immer eine unterschwellige Feindseligkeit vorherrscht, ein aggressiver Grundton gegenüber allem, was unsere deutsche Identität ausmacht. Mir ist weiß Gott vieles selbst suspekt, was man gern als deutsch bezeichnet, aber in Kiyaks Kolumne wird alles zu einem Brei aus Klischees, die Metaphern geraten ihr außer Rand und Band, und manchmal möchte man sie einfach nur fragen: leben Sie schon – oder giften Sie nur noch?

Nehmen wir einmal ihren Artikel über die Currywurst vom 29. September. Eigentlich ein harmloses Nahrungsmittel, wenn sich daran auch – rein kulinarisch – die Geister scheiden. Für Frau Kiyak knüpfen sich daran mit einem Humor, den außer ihr wohl nur bestimmte Szene-Leser verstehen, lauter – wie sie wahrscheinlich meint – deutsche Accessoires: „Schweinefleisch“, „Deutschlandfahne“, „Nationalhymne“, „Schützenuniform“, „Marschmusik“, „freiwillige Feuerwehr“, „Tennissocken“ und „Klettverschlußsandalen“.

Ich bin ein großer Freund von Satire, auch von (intelligenteren) Kalauern. Aber in Frau Kiyaks Kolumne herrscht immer ein unausgesprochen aggressiver Unterton vor, ein fast blindes Draufhauen, und das ist das Gegenteil von Satire, denn Satire ist immer konkret, sie will verändern, verbessern, und sie schlägt nur zu, um die Zustände zu ändern. Diese Kolumne hat mit Satire nichts zu tun, eher mit Selbstverliebtheit und eitler Selbstdarstellung. Die Frankfurter Rundschau hätte, als sie vor ihrem Niedergang noch eine wirklich gute Zeitung war, so eine Kolumne niemals abgedruckt.

Aber mit Eigenschaften, wie sie Mely Kiyak hat,  ist man bei einer Talkshow wie der von Günter Jauch natürlich gut aufgehoben.

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