Ja, greift denn jetzt jeder gleich zum Telefon?

Jede Enthüllung – das ist so in einer Mediengesellschaft – zieht andere Enthüllungen nach sich. Jetzt kommt heraus, daß auch beim Bayerischen Rundfunk schon angerufen wurde – mit mehr Erfolg, als dem armen Dr. Strepp vergönnt war. Die Rundschau des Bayerischen Fernsehens sendete im März einen Beitrag über den damaligen Umweltminister Markus Söder. Darin wurden seine Aussagen vor Fukushima („alle AKWs in Bayern sicher!“) und nach Fukushima („vielleicht doch nicht“) gegenübergestellt. Söders Pressesprecherin rief, äußerst ungehalten, in der Redaktion an und wollte wissen, ob der unvorteilhafte Beitrag in den anderen Rundschau-Ausgaben wiederholt würde. Da man ihr das dort nicht sagen konnte, wandte sie sich telefonisch an den Redaktionschef Peter Marder, der gerade in seinem Wohnzimmer saß (er hatte einen Tag freigenommen). Wie immer dieses Gespräch verlief, der Beitrag über Söder wurde nie wieder gesendet.

Die ganze Geschichte können Sie auf der Seite der Süddeutschen Zeitung nachlesen.

Bevor jetzt alle über den Bayerischen Rundfunk herziehen – man kann die Sache auch aus einem anderen Blickwinkel sehen. Früher, so vor 20 oder 30 Jahren, wäre es zu solchen Telefonaten niemals gekommen, aber nicht etwa, weil man damals mehr Respekt vor der Pressefreiheit gehabt hätte, sondern weil kritische Beiträge über die CSU gar nicht erst gelaufen wären. Nicht umsonst hat man den Bayerischen Rundfunk als „CSU-Funk“ bezeichnet. Seine Nachrichtensendungen waren so staatstragend und unkritisch, daß wir sie irgendwann nicht mehr ertragen haben.

Wenn jetzt also die Sprecherinnen und Sprecher der mächtigen CSU-Politiker zum Telefon greifen müssen, dann zeigt das auch, daß sich der Bayerische Rundfunk – wenigstens ein bißchen! – gewandelt hat. Die (zumindest theoretische) Möglichkeit, daß die CSU einmal auf den Oppositionsbänken sitzen könnte, mag dabei eine Rolle gespielt haben.

Ein kleiner Nachtrag noch zu meinem Telefonat mit dem ZDF. Es kursieren Gerüchte, ich hätte am Donnerstag auch bei Peter Frey zuhause angerufen, um eine Berichterstattung über mein giftgrünes Tagebuch zu erzwingen. Das entspricht nicht der Wahrheit, und ich werde mit allen juristischen Mitteln gegen die Urheber dieser Gerüchte vorgehen.

Allen meinen Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende!

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