Über den Protestantismus

Die Stärke des Protestantismus ist zugleich seine größte Schwäche – es ist die Predigt. Durch die Verarmung der Liturgie hängt im evangelischen Gottesdienst buchstäblich alles an der Predigt, am Wort. Hat man es mit einem wortgewaltigen Prediger zu tun, wie Luther selber einer war, ist alles gut. Predigt er bloß, wie er es im Seminar gelernt hat, bleibt vom ganzen Gottesdienst nur ein schaler Geschmack übrig.

Etwas anderes kommt in letzter Zeit noch dazu: ein Hang zum Infantilen, fast Kindischen. Kommt es nur mir so vor, als redeten vor allem die Pfarrerinnen zu der Gemeinde, als hätten sie kleine Kinder vor sich?  Wird bald jeder Gottesdienst zum Kindergottesdienst?

Liebe Pfarrerinnen und Pfarrer, möchte man ihnen in einem fort zurufen: vor Euch sitzen Erwachsene, die im Leben stehen, sie spielen nicht mehr mit Rasseln, sie sind auch noch keine Tattergreise; sie können denken, und sie möchten geistlich und geistig herausgefordert werden. Also fort mit dem kindischen, pastoralen Duktus, der im ganzen Land gleich klingt – gleich langweilig, gleich gekünstelt, gleich einstudiert.

Ich will als Pfarrer einen richtigen Menschen haben, einen, dem man seinen Glauben abnimmt. Wie anders könnte er mich sonst überzeugen? Er muß nicht mit Engelszungen reden, er muß nur meine Sprache sprechen, und er muß mich ernst nehmen – und nicht wie ein kleines Kind behandeln, das er einlullen möchte.

Aber vielleicht ist das schon zu viel verlangt.

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