Laßt Julia Timoschenko sterben – aber erst, wenn die Spiele vorbei sind!

Fast zwei Wochen befindet sich die frühere Ministerpräsidentin der Ukraine jetzt schon im Hungerstreik. Sie nimmt nur Wasser zu sich und kann sich, wie ihre Tochter sagt, kaum noch bewegen. Jetzt soll sie von den Schergen des feinen Herrn Janukowitsch zwangsernährt werden.

Der autoritäre Herrscher über die Ukraine hat sie in einem Schauprozeß nach kommunistischen Muster von einem gefügigen Richter zu sieben Jahren Gefängnis verurteilen lassen und dann immer neue absurde Vorwürfe nachgeschoben. Sie soll nie wieder zu einer Gefahr für ihn und seine Seilschaften werden.

Demnächst finden in der Ukraine Spiele der Fußball-Europameisterschaft statt. Die will der Herrscher Janukowitsch um jeden Preis, mit ihnen will er sich schmücken. So sind sie alle, die Diktatoren und Autokraten – sie brauchen ihre circenses, die Aufmärsche und Paraden, den Fußball und die olympischen Spiele. Und wehe, man nimmt sie ihnen weg!

Wenn Julia Timoschenko vor den Spielen stirbt, wäre das eine Katastrophe für ihn. Deshalb hat er schon Anweisungen zu einer Zwangsernährung gegeben. Ein Gefängniswärter, der brav alles macht, was man ihm aufträgt, sagte in einem Interview (hier nachzulesen):

Sobald wir die Anweisung dazu bekommen, werden wir mit der Zwangsernährung beginnen.

Falls nötig, wird der Diktator Julia Timoschenko wie eine lebende Leiche an Schläuchen und Maschinen am Leben erhalten, bis das Endspiel vorbei ist. Dann kann sie in Gottes Namen sterben, damit sie die Kreise des Herrn Janukowitsch nicht mehr stört.

Der Präsident hatte von Anfang an nichts anderes vor. Inzwischen sitzen alle Oppositionspolitiker, die ihm gefährlich werden könnten, im Gefängnis. Muß einem da nicht der Jubel über ein Tor der deutschen Mannschaft im Hals steckenbleiben?

Die Kanzlerin wartet und wartet – sicher aus respektablen Gründen. Sie hofft immer noch, daß Frau Timoschenko zur medizinischen  Behandlung ins Ausland fahren kann.

Aber das ist ein gefährliches Kalkül, denn auf der anderen Seite hat man es mit einem Menschen zu tun, der um keinen Preis seine Macht abgeben will. Ob Julia Timoschenko lebt oder stirbt, ist ihm völlig gleichgültig – wenn er nur für sich und seine Seilschaften die Macht und die Pfründe behält.

Jetzt frage ich einmal ganz ernsthaft: in einem solchen Land wollt Ihr wirklich Fußball spielen? Ich mag den Fußball sehr, aber alles hat seine Grenzen. Ich weiß: die Welt ist voller Diktatoren, wie Janukowitsch einer ist. Ich weiß auch, daß man im Sport immer Kompromisse machen muß. Aber dieser altbackene Bürokrat, ein Relikt wie sein weißrussischer Kollege Lukaschenko, der jetzt auch noch Deutschland verhöhnt und bedroht, statt in sich zu gehen, dem darf kein westlicher Politiker mehr die Hand schütteln.

Und von einem Assoziierungsabkommen sollte er nicht einmal mehr träumen, der feine Herr Janukowitsch.

PS: Angeblich ist es jetzt zu einer Art Agreement gekommen, daß Frau Timoschenko in einer ukrainischen Klinik von deutschen Ärzten behandelt werden soll. Ändert das irgendetwas? Natürlich nicht. Jetzt ist, falls die Meldung stimmt, durchgesetzt worden, was allen Häftlingen auf der Welt nach internationalem Recht ohnehin zusteht. Mit Faustschlägen in die Klinik geprügelt zu werden, das ist der besondere Weg, den das Regime von Janukowitsch eingeschlagen hat.

Wir sollten es nicht vergessen. Und wir sollten auch nicht vergessen, daß der feine Herr Janukowitsch nicht etwa nur Julia Timoschenko, sondern das halbe Kabinett der alten Regierung in den Kerker geworfen hat.

Erst wenn er selbst einmal in einem der Gefängnisse und Straflager einsitzt – dann kann man in der Ukraine auch wieder nach Herzenslust Fußball spielen!

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