Auch mit der FAZ geht’s bergab – sprachlich

Ja, die F.A.Z. ist immer noch eine der besten deutschen Tageszeitungen, aber die Stellen mehren sich, an denen der Putz bröckelt.

Nehmen wir einmal einen Kommentar von Reinhard Müller zum Fall Dieter Wedel (der Beitrag ist hier noch einzusehen). Ein Skandal, schreibt Müller in dem am 24. Juli 2022 aktualisierten Kommentar, sei die Dauer des Verfahrens:

Ganze drei Jahre lang ermittelte die Münchner Staatsanwaltschaft.

„Ganze drei Jahre“! Müller, der seit 1998 Mitglied der F.A.Z.-Redaktion ist, wollte natürlich sagen, daß das Verfahren viel zu lange gedauert hat. Aber er schreibt genau das Gegenteil. „Ganze drei Jahre“ bedeutet im Deutschen „nur drei Jahre“. Wenn man ein Verfahren von zehn Jahren erwartet hätte und es überrraschenderweise schon nach drei Jahren beendet gewesen wäre, dann hätte man von „ganzen drei Jahren“ schreiben können. So aber, wie es da steht, ist es sinnentstellendes, schlechtes Deutsch. Wie soll ein Volontär das lernen, wenn nicht einmal gestandene Redakteure ihre Sprache beherrschen?

Vom Gendern, das langsam aber sicher wie ein Gift auch in die F.A.Z. einsickert, will ich ein andermal reden.

PS: Ich bin den letzten Tagen und Wochen kaum dazu gekommen, hier zu schreiben. Der Grund heißt Corona, die Infektion hat mich außer Gefecht gesetzt – trotz Dreifachimpfung und Maske in der S-Bahn. Aber es geht wieder aufwärts!

Dieser Beitrag wurde unter Fernsehen und Presse, Sprache und Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.