Junge Aktivistinnen und alte Säcke

Thea Ehlich vom NABU ist meine Lieblings-Campaignerin. Bevor ich sie kennenlernte, wußte ich nicht einmal, was eine Campaignerin ist. Jetzt weiß ich es. Ehlich bezeichnet sich auf Twitter als „Global Citizen, nature advocate, online campaigner“, und wer ihre berufliche Kompetenz noch genauer betrachten will, findet an dieser Stelle eine endlose Liste, die vom „Communications Officer“ über den „Sales Support Specialist“ bis zum „Deputy Digital Director“ reicht. Sehr beeindruckend – vor allem, wenn man wüßte, was sich hinter all diesen Berufsbezeichnungen verbirgt.

Aber die Campaignerin fordert mich im Newsletter – kaum verklausuliert – in einem fort auf, die Grünen zu wählen und damit die Welt zu retten. Die Welt retten, das können nämlich nur die Grünen. Ich sollte dem NABU sogar das feierliche Versprechen (pledge) geben, am Sonntag nur eine Partei zu wählen, die das Klima und damit die Welt rettet. Das habe ich mehrfach abgelehnt, aber die Campaignerin läßt nicht locker.

Es gehe doch, schreibt sie im neuesten NABU-Newsletter, „letztlich auch um die Gerechtigkeit zwischen den Generationen“:

Sind ältere Generationen bereit für Veränderungen, die ihren Kindern ,und Enkelkindern den Erhalt der Lebensgrundlagen ermöglichen? Ungefähr 40 Prozent der Wahlberechtigten sind über 60 Jahre alt – und nach ihnen richtet sich die Politik der Parteien stark aus.

Ach, wie unterschiedlich man die Welt sehen kann! Die Parteien richten ihre Politik an den über 60jährigen aus? Schön wär’s, aber leider ist das Gegenteil der Fall. In den über 70 Jahren meines Lebens habe ich noch keine Zeit erlebt, die so berauscht war vom Jugendkult, vor allem in der Kombination jung und weiblich. Ein Kind wie Greta Thunberg wird fast angebetet, und selbst gestandene Journalisten zitieren ehrfürchtig jeden seiner Sätze. Junge Ministerinnen in den Ländern schießen wie Pilze aus dem Boden, und wenn eine von ihnen wegen fehlender Kompetenz entlassen werden muß, folgt ihr mit Sicherheit – eine andere junge Ministerin. Wenn eine Fraktion ein zu hohes Durchschnittsalter hat, wird sie als überaltert beschimpft. Man lese im übrigen nur einmal nach, wie die Medien beim jüngsten Triell betont haben, wie frisch und angriffslustig Annalena Baerbock zwischen den alten Männern Scholz und Laschet gewirkt habe.

Man sollte der Campaignerin im übrigen einmal erzählen, wieviele ehrenamtlich aktive NABU-Mitglieder zur älteren Generation gehören. Ohne sie wäre heute auch beim NABU keine Naturschutzarbeit mehr möglich. Sie treten nicht in den Klimastreik, sie machen ihre Arbeit. Die Chefetage des NABU macht nur noch Politik – und eine schlechte dazu.

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