Brief an die Sprachpolizei – Betr.: Hermann Hesse

An die
Zentralabteilung der Sprachpolizei
– Literarische Altlasten –
Berlin

Betr.: Hesse, Hermann (1877-1962)

Sehr geehrte Damen und Herren,

unter Bezugnahme auf § 14 des Gesetzes zur Säuberung der deutschen Literatur (SdLG) möchte ich folgenden Text zur Anzeige bringen:

Hesse, Hermann, Der Europäer, in: Gesichtete Zeit – Deutsche Geschichten, hg. Marcel Reich-Ranicki, München (dtv) 1986.

Begründung:
Die Erzählung „Der Europäer“, die gleich mehrfach in eklatanter Weise gegen die in §3 SdLG aufgeführten Kriterien, vor allem §3b („Rassismus“) und §3c („Sexismus“), verstößt, ist dem heutigen Leser nicht mehr zuzumuten. Die folgenden wörtlichen Zitate mögen das belegen:

Ein gigantischer Neger fischte den Dahintreibenden auf, er lebte und kam bald wieder zu sich.

Der Neger rieb am Herde Feuer aus trockenen Hölzern und schlug vor Freude seiner fetten Frau in rhythmischen Taktfolgen auf die klatschenden Schenkel.

Wie der große Neger leicht und mühelos am Balken in die Höhe lief, das war des Zuschauens wert.

Der Indianer traf mit leichtem Pfeil das kleinste Ziel.

„Vorzeigen!“ rief der Neger, und alle drängten näher herzu.

Der Neger lachte munter und zeigte schneeweiße Zähne.

Der Neger aber, begleitet vom Eskimo, vom Indianer und dem Malaien, kam gegen Abend zu dem Patriarchen.

Ihr alle, du Neger und du Eskimo, habet für das neue Erdenleben, das wir bald zu beginnen hoffen, eure lieben Weiber mit, du deine Negerin, du deine Indianerin, du dein Eskimoweib.

Die Erzählung ist in zahlreichen anderen Sammelwerken vertreten, die zum Schutze der Allgemeinheit vor traumatisierenden Erlebnissen allesamt vernichtet werden sollten.

Ich hoffe, mit meinem Hinweis einen Beitrag zur geistigen Gesundheit des deutschen Volkes geleistet zu haben und verbleibe hochachtungsvoll

IM Lupulus.

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