„Frau und Mutter“? Weg damit!

Die „Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands“ (kfd) hat ihre Mitgliederzeitschrift umbenannt. Hieß sie seit ihrer Gründung im Jahr 1909 als Zeitschrift der christlichen Müttervereine „Die Mutter“ und von 2031 an „Frau und Mutter“, so soll sie vom Januar 2021 an „Junia“ heißen.

Junia war – sagen wir es einmal ganz vorsichtig – eine in der Bibel genannte Person. In der revidierten Lutherbibel von 2017 heißt die Stelle im Römerbrief 16,7 so:

Grüßt den Andronikus und die Junia, meine Stammverwandten und Mitgefangenen, die berühmt sind unter den Aposteln und vor mir in Christus gewesen sind.

In der Lutherbibel von 1912 hieß es noch:

Grüßet den Andronikus und den Junias, meine Gefreundeten und meine Mitgefangenen, welche sind berühmte Apostel und vor mir gewesen in Christo.

Sehen Sie den Unterschied? Paulus läßt einmal „die Junia“, ein andermal „den Junias“ grüßen. Die Textkritik beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dieser Stelle, ohne daß sie mit Gewißheit sagen kann, ob die gegrüßte Person nun ein Mann oder eine Frau war. Vieles spricht dafür, daß eine Frau gemeint war: etwa, daß Junia als weiblicher Vorname nachgewiesen ist, der männliche Vorname Junias aber nicht. In den Textausgaben des Neuen Testaments hat man lange geschwankt, inzwischen findet sich aber immer öfter die weibliche Form. Einer der Gründe dafür, der denn doch wieder zu denken gibt, findet sich im „Wissenschaftlichen Bibellexikon im Internet“ (hier nachzulesen):

Feministische Exegese und theologische Frauenforschung in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts … hatten den Boden für diese Entwicklung bereitet.

Wenn man sieht, wie bedenkenlos die „feministische Exegese“ in der „Bibel in gerechter Sprache“ mit dem Bibeltext umgegangen ist, sollte man auch in diesem Fall etwas vorsichtiger urteilen. Die ideologische Absicht trübt oft den Blick für die Wirklichkeit.

Aber mir geht es weniger um den neuen als um den alten, nun entsorgten Namen der Zeitschrift: „Frau und Mutter“. Auch da scheint ein neuer, feministischer Wind zu wehen. Und zu diesem Wind, der (mit politischem und medialem Beistand) inzwischen die kleinste Redaktion und den letzten Dorfbürgermeister erreicht hat, gehört es, daß man zwar das Wort „Frau“ noch aussprechen darf (wenn auch mit Bauchgrimmen, denn eigentlich soll man ja neuerdings „Person, die menstruiert“ sagen), aber „Mutter“ – das geht gar nicht. „Mutter“ ist ein Unwort. Daß eine Frau Mutter wird, haftet wie ein Makel an ihr, denn sie erfüllt damit ein „altes, überholtes Rollenbild“. Mutter zu sein – und das womöglich auch noch gern und mit Freude an der Sache! – ist die Fortsetzung der Unterjochung der Frau durch den Mann. Statt sich selbst zu verwirklichen und die Aufzucht der Kinder professionellen Erzieherinnen zu überlassen, stellt sie sich als Heimchen an den Herd und bemüht sich (man höre und staune!), ihre Kinder zu klugen und friedlichen Gliedern der Gesellschaft zu machen.

Ob Junia Mutter war, weiß man nicht – man weiß ja nicht einmal mit Sicherheit, ob sie Mann oder Frau war. Aber das ist ja wurscht in einer Zeit, wo schon Kindern erzählt wird, daß sie über ihr Geschlecht frei entscheiden können.

Das glauben Sie nicht? Es ist ja auch unglaublich. Aber in den USA ist es fast schon Realität. Ich werde demnächst darüber berichten.

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