Köstliche Beispiele für gendergerechte Sprache, erdacht und verfaßt von einer Abenteuer mutigen Person

Johanna Usinger nennt ihre Internetseite ganz unbescheiden „Das Genderwörterbuch„. Sie stellt darin von A bis Z den „üblichen Begriffen“ (also denen des herrschenden Patriarchats) ihre „gendergerechten Alternativen“ gegenüber.

Ein paar Beispiele gefällig? Hier sind sie:

Abenteurer: Waghals; Abenteuer liebende Person; Abenteuer mutige Person
Abonnent: Bezugsperson; Medien beziehende Person
Absolventen: Abschluss inhabende Person
Agent: auskundschaftende Person; spionierende Person
Ampelmännchen: Ampelfigürchen; Ampelmenschlein
Anhänger: Fans; Begeisterte; Gleichgesinnte; Unterstützende; Sympathisierende; sich (einer Bewegung, einem Verein) Zuordnende; Zugehörige (einer Bewegung); Mitwirkende; Befürwortende
Anrainer: Person nebenan; Person, die neben an wohnt
Arbeitgeber: Person, die Arbeitsplätze zur Verfügung stellt
Architekten: Architekturschaffende
Arzt: Person im ärztlichen Dienst
Athlet: sporttreibende Person
Autofahrer: Auto fahrende Person; Auto führende Person; Person am Steuer
Autor: bücherschreibende Person
Bäcker: Backwaren produzierende Person; Gebäck herstellende Person
Bauern: Landwirtschaft Betreibende
Bergsteiger: Bergbegeisterte
Besitzer: besitzhabende Person
Bewohnerzimmer: Bewohnendenzimmer.

Und so geht es immer weiter. Ein Chirurg, den man demnächst als „chirurgische Fachkraft“ bezeichnen soll, wird darüber nicht sehr begeistert sein, ebensowenig ein Diplomingenieur, der zu einer „diplomierten technischen Fachkraft“ wird. Was ein Drachenlord ist, weiß ich nicht; jedenfalls wird er zu einer „herrschenden Drachenperson“. Aus dem Fahrgast wird eine „gegen Entgelt transportierte Person“, aus dem Fahrschüler ein „Fahrlernender“, aus dem Fan eine „in besonderem Maße begeisterte Person“. Und der altehrwürdige Gärtner muß es sich gefallen lassen, daß er aus Gründen der Gendergerechtigkeit zu einer „Gartenarbeitskraft“ herabgesetzt wird.

Immer wieder fragt man sich: ist das wirklich ernst gemeint? Oder wollte da jemand den grassierenden Genderwahn mal so richtig durch den Kakao ziehen? Aber nein, die „verfassende Person“ meint das wirklich ernst, todernst. Und während sie echte Wörter durch die absurdesten und albernsten Umschreibungen ersetzt (und gar aus dem Abonnenten eine Bezugsperson macht!), kommt sie sich – da bin ich ziemlich sicher – wie ein/e Frontsoldat*in eines gerechten Feldzugs vor. Dabei zieht sie, ohne es zu merken, in den Krieg gegen das Schönste und Wertvollste, was wir in unserer Kultur besitzen: unsere Sprache.

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Eine Antwort auf Köstliche Beispiele für gendergerechte Sprache, erdacht und verfaßt von einer Abenteuer mutigen Person

  1. Quercus sagt:

    Lieber Lupulus,

    danke auch für diesen Einblick in die Abgründe der sogenannten gendergerechten Sprache! Ihrer Einschätzung, dass die Autorin sich wie „ein/e Frontsoldat*in eines gerechten Feldzugs“ vorkomme, kann ich nur beipflichten. Ich selbst war vor einigen Jahren eine Zeit lang Verfechter der sogenannten gendergerechten Sprache, und ich denke, dass man sich die dahinterstehenden Gedanken als eine Art Hysterie vorstellen kann, der meist das Bild einer vermeintlich durch und durch ungerechten Welt zugrunde liegt, die es auf radikale Weise zu verändern gilt. Bekämpft werden zahlreiche -ismen: Sexismus, Rassismus, Klassismus usw. Grundannahmen wie die, dass Frauen (oder auch trans- und intersexuelle Menschen) durch unsere Sprache systematisch diskriminiert würden, stehen dabei nie zur Diskussion, sondern sind fester Bestandteil des ideologischen Fundaments. Der Gebrauch der sogenannten gendergerechten Sprache zeugt daher nicht, wie oftmals behauptet, von einem kritischen Bewusstsein, sondern im Gegenteil von Konformität und Radikalität des Denkens.

    Mit freundlichen Grüßen
    Quercus

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