Stell dir vor, es gibt einen Shitstorm – und keinen interessiert’s!

Es ist mehr als ärgerlich, daß selbst seriöse Journalisten in Presse, Funk und Fernsehen immer öfter irgendwelche „User“ im Internet zitieren oder in ihre Artikel einflechten, daß ein Ereignis „einen Shitstorm im Netz“ hervorgerufen habe.

„Die wütenden Reaktionen der Zuschauer ließen im Netz nicht lange auf sich warten“, heißt es dann etwa, oder „So reagiert das Netz!“ Gestandene Journalisten machen auf diese Weise einen Kotau vor einer kleinen Minderheit, die fast nur noch Haß und Häme verbreitet und keinen einzigen fehlerfreien Satz schreiben kann.

Liebe (seriöse) Journalisten! Habt ihr das nötig? Laßt diese „User“ doch im eigenen Saft schmoren und gebt ihnen nicht auch noch die journalistischen Weihen, indem ihr sie ernst nehmt und zitiert. Kaum einer von denen hat etwas Vernünftiges zu den Themen unserer Zeit beizutragen, im Gegenteil: ihre geistige Schlichtheit, mit Großmäuligkeit und viel Haß gepaart, müßte eigentlich jedem, der noch an die menschliche Vernunft glaubt, zu denken geben.

Wenn man sieht, wie sich Menschen äußern, wenn sie völlig ungefiltert, anonym und ohne Strafandrohung reden dürfen, fühlt man sich fast genötigt, das optimistische, noch von der Aufklärung herrührende Menschenbild zu überdenken.

Viele von denen, die da vor aller Augen „liken“ und „haten“, haben jedenfalls bis zur Menschwerdung noch einen weiten Weg vor sich.

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