Der Brandenburger „Polizeiruf“ vom Sonntag

Nichts war psychologisch nachvollziehbar oder sehenswert an diesem schrecklichen „Polizeiruf“ aus Brandenburg – es war wieder einmal von vorn bis hinten ein einziger Schmarrn. Schade um die Zeit.  Wie können Schauspieler wie Jürgen Vogel und Maria Simon solche Rollen spielen?

Bin ich eigentlich der einzige, der sich ärgert, daß immer mehr Fernsehkrimis den Mainstream und alle „normalen“ Kriminalfälle meiden und nur noch Gekünsteltes vorführen?

Da werden in einem fort aktuelle politische oder soziale Themen mehr oder weniger plakativ abgehandelt – jahrelang war es der Kindesmißbrauch, auch von Grund auf böse Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche waren schon immer beliebt (gern im Doppelpack mit radikalen Umweltaktivisten), und seit ein, zwei Jahren sind es Flüchtlinge aus Syrien oder Afrika, die zwar oft verdächtig sind, die sich aber am Ende immer als unschuldig erweisen.

Und weil das Feuilleton die „Verletzlichkeit“ der Olga Lenski so betont: auf mich jedenfalls hat gerade das outriert und völlig unrealistisch gewirkt. Da bricht also eine erfahrene Kommissarin körperlich und seelisch zusammen, weil jemand nachts in ihre Wohnung eingebrochen ist? Weil sie, wie immer wieder gesagt wird, „nicht einmal ihr Kind hat schützen können“?

Keine Person in diesem Film handelt, redet und denkt, wie über 90 % der Menschen handeln, denken und reden würden. Wer erleben will, wie im Krimi „Verletzlichkeit“ großartig und ganz ohne übertriebene Gesten  dargestellt werden kann, der sollte sich einmal die britische Reihe „Vera“ im ZDF ansehen, wo Brenda Blethyn (übrigens auch hervorragend synchronisiert!) das alles mit einem kleinen Abgleiten ihrer Mimik ausdrücken kann, ohne sich auf dem Boden zu wälzen.

Dieser „Polizeiruf“, meint die Süddeutsche Zeitung, sei ein „angenehm ungewöhnlicher Krimi“ gewesen. Jetzt weiß ich, warum ich die „gewöhnlichen“ Krimis“ so mag.

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