„Ganze 17 Mal“ einbestellt – schlechtes Deutsch im SPIEGEL

Matthias Gebauer, „Chefreporter von SPIEGEL ONLINE“, hat sein Abitur 1994 gemacht und erst einmal als Polizeireporter bei „Bild“ in Berlin gearbeitet.

Das merkt man.

Beides.

Der deutsche Botschafter in der Türkei, Martin Erdmann, so formuliert es Gebauer heute, sei „ganze 17 Mal“ ins türkische Außenministerium einbestellt worden. Er will damit ausdrücken, daß Erdmann sehr oft oder ungewöhnlich oft einbestellt wurde, jedenfalls viel öfter als üblich.

Aber er schreibt das Gegenteil. Offenbar hat ihm da auch der Lehrgang der Henri-Nannen-Journalistenschule nicht geholfen. Dabei hätte schon ein schneller Blick in den DUDEN genügt.

Das umgangssprachliche „ganze“ bedeutet, wenn ihm eine Zahl folgt, soviel wie nur oder nicht mehr als. Es drückt also, wenn man so will, ein Erstaunen aus, wie klein die Zahl ist, die auf das Wörtchen „ganze“ folgt.

So, und jetzt noch einmal ganz konkret, damit es auch ein Chefreporter versteht: wenn Herr Erdmann im vergangenen Jahr 394 Einladungen zum Tee im türkischen Außenministerium erhalten hätte, dann dürfte er, Matthias Gebauer, sich völlig zurecht darüber wundern, daß es dieses Jahr erst 17 Einbestellungen waren. Es ist aber gerade umgekehrt: er will uns damit ja sagen, daß Erdmann ungewöhnlich oft einbestellt wurde!

Der falsche Gebrauch des Wortes „ganze“ ist einer der häufigsten Sprachfehler – und leider fast unausrottbar.

PS:  Haben Sie auch schon beobachtet, daß in den Online-Ausgaben sprachlich viel mehr geschludert wird als in den gedruckten Ausgaben der Zeitungen? Ein weiteres und starkes Argument gegen den Digitalisierungswahn.

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