Der „Treueschwur“ der Taliban

Die Rohheit von Menschen spiegelt sich immer auch in ihrer Sprache wider. Gerade hat eine Gruppe von Taliban in Afghanistan 20 Dorfbewohner entführt und ermordet. Aus Rache, heißt es – und: weil die Gruppe „dem IS die Treue geschworen hat“.

Die Treue?

Da wird das schöne Wort „Treue“ in einen Kontext gestellt, in dem es nun wirklich nichts zu suchen hat. Kann man einer Mörderbande „treu“ sein? Ich kann meiner Frau treu sein, ich kann einem guten Freund die Treue halten – aber Mördern und Halsabschneidern?

Aber das ist ja das Problem mit dem Islam: er verwendet oft dieselben Begriffe wie wir, aber mit einer völlig anderen Bedeutung. Über die perverse Umdeutung des Wortes „Märtyrer“ habe ich an dieser Stelle schon einige Male geschrieben. Im christlichen Glauben ist der Märtyrer ein Mensch, der um seines Glaubens willen leidet, im Islam kann es durchaus ein Mörder sein, der vor seinem Tod möglichst viele Ungläubige tötet. Auch die Begriffe „Gebet“ und „Predigt“ haben oft wenig mit der islamischen Realität zu tun, etwa beim „Freitagsgebet“, das immer wieder zur politischen Hetzrede wird und zum Hasß aufstachelt. Und die Moschee als „Gotteshaus“? Schön wär’s. Ähnlich ist es mit dem Wort „Ungläubiger“: das ist bei uns (wenn das Wort Wort überhaupt noch gebraucht wird!) ein nicht religiöser Mensch, ein Atheist. Kein Christ käme auf die Idee, einen Muslim, einen Buddhisten oder einen Hindu als „Ungläubigen“ zu bezeichnen. Für Muslime freilich ist jeder ein Ungläubiger, der kein Muslim ist.

Ich wehre mich mit aller Kraft dagegen, daß so schöne Wörter wie Treue, Gebet oder Predigt, die für uns einen besonderen Klang und eine ganz eigene Bedeutung haben, von einer uns völlig fremden Kultur übernommen und pervertiert werden. Das sollte man vor allem den Redakteuren unserer Medien sagen, die solche sprachlichen Perversionen oft einfach übernehmen – und zwar ohne Anführungszeichen.

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