Seehofer – oder: Ein Provinzpolitiker bläht sich auf

Man sehe immer darauf, in welcher Gesellschaft ein Mensch sich wohlfühlt. Das sagt mehr über ihn aus als ein ganzer Stapel Biographien.

Nehmen wir Seehofer, der – endlich, endlich! – die Achillesferse der Kanzlerin entdeckt hat. Im übergroßen Schatten Merkels muß sich der ehrgeizige Bayer viele Jahre klein und unbedeutend vorgekommen sein.

Aber jetzt!

Jetzt bläht er sich auf, daß man um seine Gesundheit fürchten muß. Körperlich (und nur körperlich!) ohnehin von großer Statur, nutzt er den Parteitag der CSU, um Angela Merkel klein – ganz klein! – aussehen zu lassen. Wie ein Schulmädchen (so schreibt es unisono die Presse) hat er sie hingestellt und ihr oberlehrerhaft die Leviten gelesen. Sie hat es geduldig und viel zu lange ertragen, bevor sie am Ende grußlos die Halle verlassen hat.

Ich bin nun wirklich kein kritikloser Anhänger der Kanzlerin (man kann es schwarz auf weiß in meinem Tagebuch nachlesen), aber ich sage es immer wieder: ihre Entscheidung, die von Orbán gedemütigten und wie Tiere behandelten Flüchtlinge bei uns aufzunehmen, war die beste Tat Merkels in ihrer ganzen Kanzlerschaft. Vieles andere, etwa die dumme Energiewende, wird noch katastrophale Folgen für die kommenden Generationen haben, anderes wieder, wie die Bewältigung der Euro-Krise, war nur ein ein Dahinwurschteln ohne Konzept.

Aber die Entscheidung in der Flüchtlingsfrage war richtig – und mutig.

Seehofer dagegen hat erst den unsäglichen Orbán ins Kloster Banz eingeladen, und er will demnächst (wie hier nachzulesen ist) beim Genossen Putin seine Aufwartung machen. Das ist offenbar die Gesellschaft, in der er sich wohlfühlt.

Da fehlt nur noch der feine Herr Erdogan.

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