Thomas Mann über den süßen Schlaf

„Süßer Schlaf“ – so heißt ein kleiner Essay von Thomas Mann aus dem Jahr 1909, den ich im 12. Band seiner Gesammelten Werke (Berlin 1955) entdeckt habe. Er zeigt in nuce die sprachliche Virtuosität dieses Schriftstellers:

Daß täglich die Nacht sinkt, daß über Qual und Drangsal, Leiden und Bangen sich allabendlich stillend und löschend die Gnade des Schlafes breitet, daß stets aufs neue dieser Labe- und Lethetrank unseren verdorrten Lippen bereit ist, aufs neue stets, nach dem Kampf, dies milde Bad unseren zitternden Leib umfängt, damit er, gereinigt von Schweiß, Staub und Blut, gestärkt, erneuert, verjüngt, fast unwissend wieder, fast mit der ursprünglichen Tapferkeit und Lust daraus hervorgehe – Freund! ich habe das immer als die gütigste und rührendste der großen Tatsachen anerkannt.

Dieser Beitrag wurde unter Sprache und Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert