Weselsky – ein böser alter Mann?

Männer wie ihn gibt es viele. Sie haben etwas Steinzeitliches an sich: sie sind rechthaberisch bis zum Exzeß und unfähig, Kompromisse einzugehen. Schuld haben immer die anderen, nie sie selbst. Wie gesagt: solche Männer gibt es wie Sand am Meer, aber nur wenige sitzen – wie Weselsky – an einer Schaltstelle der Macht.

Ein Mensch mit einer solchen Einstellung schadet nicht nur dem Unternehmen, das er ohne Rücksicht auf Verluste bestreikt, er schadet auch nicht nur den Bahnkunden. Er schadet vor allem den Gewerkschaften, deren umsichtigem Verhalten wir (seit dem Bestehen der Bundesrepublik!) viele soziale Errungenschaften und einen beispiellosen sozialen Frieden zu verdanken haben. Hart verhandeln, aber dann irgendwo in der Mitte zwischen den Positionen zusammenkommen: das war bis vor einigen Jahren die Erfolgsgeschichte der deutschen Gewerkschaften – und damit auch der deutschen Gesellschaft. Möglich war das, weil die „Partner“ (wenn man so will: die „Gegner“) immer klar und eindeutig waren: ein Unternehmen, eine Gewerkschaft. Man kannte sich aus vielen vorherigen Tarifverhandlungen und Arbeitskämpfen, und am Ende fand man immer zu einem Kompromiß zusammen.

Dem Herrn Weselsky, noch in der alten DDR sozialisiert, hat das offenbar niemand beigebracht. Er weiß, wie man einen Krieg führt, aber er weiß nicht, wie man ihn beendet. Er kennt kein Maß mehr, und man kann nur hoffen, daß seine Kollegen, die ihn im Schutz der Anonymität immer noch unterstützen, endlich ein Machtwort über ihn sprechen.

Hier handelt es sich ganz offensichtlich nicht mehr um die Ausübung des (vom Grundgesetz geschützten) Rechts auf Streik, sondern um den Machtmißbrauch einer kleinen Gruppe, die um jeden Preis und gegen die Interessen der Gemeinschaft ihre Partikularforderungen durchsetzen will. Wenn so etwas nicht nur einmal, sondern immer wieder geschieht, sollte man rechtliche Möglichkeiten schaffen, um dem Einhalt zu gebieten.

Eine Zwangsschlichtung wäre ein guter Anfang. Langfristig sollte man zu der guten alten Regel „ein Unternehmen, eine Gewerkschaft“ zurückkehren.

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