Putin hat mitgeschossen

Natürlich hat Putin keinen Mordauftrag gegeben. Für die schmutzigen Geschäfte hat man Männer fürs Grobe, die in aller Stille erledigen, was von ihnen erwartet wird. Ich sage jetzt schon voraus, daß bald – wie im Fall Politowskaja – ein paar arme Schweine, vielleicht aus dem tschetschenischen Kleinkriminellen-Milieu, verhaftet, „überführt“ und verurteilt werden. Von der gleichgeschalteten russischen Justiz ist man nichts anderes gewöhnt.

Aber der feige Mord (Nemzow wurde in den Rücken geschossen) hat noch einen anderen Aspekt. Putin hat inzwischen, mit Dimitri Konstantinowitsch Kiseljow an der Spitze, einen Propagandaapparat aufgebaut, der es – an Umfang und an Perfidie – durchaus mit dem von Göbbels aufnehmen kann. Hier wird so dreist gelogen, gedroht und diffamiert, hier wird so unverfroren gegen Minderheiten und gegen jeden gehetzt, der von Putins Meinung abweicht, daß es einen geradezu ekelt. Daß sich das russische Volk das bieten läßt, zeigt, wie sehr es nach Zarismus, Stalin und Putin geistig und moralisch darniederliegt.

Nemzow hat sich in den letzten Wochen vor allem um die Aufdeckung des verdeckten russischen Angriffs auf die Ukraine bemüht. Er wollte ein Dossier mit allen Einzelheiten darüber zusammenstellen, dazu ist es nun nicht mehr gekommen.

Aber Putin ist, auch wenn er keinen Mordbefehl gegeben hat, für die Schüsse in Moskau mitverantwortlich. Seit einem Jahr hetzen seine Schergen das Volk mit einer Maßlosigkeit gegen die „Faschisten in Kiew“ auf, wie es sie in einem zivilisierten Land lange nicht mehr gegeben hat. Putin läßt überall auf der Welt seine Lügen und seine Greuelpropaganda verbreiten (bis hinein in die deutschen Internetforen!) und schürt Haß, wo er kann. Es ist die (wie Garri Kasparow es beschreibt) „vergiftete Atmosphäre des Hasses, die rund um die Uhr vom russischen Fernsehen genährt wird“, die einen direkten Mordbefehl fast überflüssig macht.

Auch wenn Putin keinen Auftrag gegeben hat: er ist allein schon durch die schamlosen Hetztiraden seiner Administration für diese Mordtat mitverantwortlich.

Dieser Beitrag wurde unter Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.