Eine geheimnisvolle E-Mail

Der „Herr Frank“ (so unterschreibt er wirklich!) meint es gut mit mir – und mit der deutschen Sprache. Die folgende freundliche Aufforderung hat er mit gestern per E-Mail geschickt:

Willkommen Sie bei Eva schnelles Darlehen.

Ein rätselhafter, fast poetischer Satz. Wenn nämlich das Enigmatische, Unscharfe wirklich ein Kennzeichen der Poesie ist, dann haben wir es hier mit echter Dichtung zu tun. Dafür spricht auch der sehr freie Umgang mit der deutschen Syntax, etwa einem Objekt („schnelles Darlehen“) zum wohl als Verb interpretierten Wort „willkommen“.

Und wer ist Eva?

Wie ein Findling steht dieser Frauenname mitten in der Zeile, ohne daß wir ihn auch nur einem einzigen anderen Satzglied sinnhaft zuordnen können. Daß „bei Eva“ eine Kneipe oder ein kleines Restaurant mit gutbürgerlicher Küche ist, kann man an dieser Stelle getrost ausschließen. Darlehen bekommt man nicht in Kneipen – und doch: schon die Stellung des präpositionalen Ausdrucks „bei Eva“ genau in der Mitte des Verses weckt die Erwartung des Lesers, daß nur von hier aus das Rätsel dieses kleinen poetischen Meisterwerks gelöst werden kann.

Meine Leser sind hiermit aufgerufen, an der Lösung mitzuarbeiten!

PS: Beim ominösen Autor – „Herr Frank“ – dürfte es sich um ein Pseudonym handeln. (Walser? Grass? Oder gar Handke?)

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