Über die Folklorisierung des Islams durch die Linke

Samuel Schirmbek wird vielen nicht mehr bekannt sein: er war lange Hörfunkredakteur beim Hessischen Rundfunk und berichtete danach zehn Jahre lang (von 1991 bis 2001) für die ARD aus Algier. Es war die Zeit der Islamischen Heilsfront (FIS), die mit ungeheurer Grausamkeit aus Algerien einen „Gottesstaat“ machen wollte. Als Schirmbeck dann nach Frankfurt zurückkehrte, wurde er von seinen früheren linken Freunden belehrt, daß dieser Terror überhaupt nichts mit dem Islam zu tun habe (hier nachzulesen):

Die 150.000 Toten, die zahllosen, wegen gemischter Klassen abgebrannten Schulen, die Säureattentate auf unbedeckte Frauenbeine, die Enthauptung von Dampfbad-Betreibern, die Zerstörung von Weinregalen per Kalaschnikow-Salve, die Ermordung von Ordensleuten, Schwestern wie Patres, und die Hinrichtung einiger meiner – muslimischen – Freunde hätten mit dem Islam nichts zu tun, belehrten mich meine linken deutschen Freunde, 68er, Gewerkschafter, Grüne, SPD-Mitglieder.

Man sieht: die Verklärung und Romantisierung des Islams war immer schon Bestandteil der grünlinken Ideologie. Ein Terrorist (und Exporteur der Gewalt!) wie Arafat war für die Linke ein „Freiheitskämpfer“, und das Palästinensertuch gehörte in jeden fortschrittlichen Haushalt. Von dieser Folklore wollte man nicht lassen, auch als die Palästinensertücher schon lange mit Blut getränkt waren.

Und natürlich war am Ende an allen Untaten die „geistige Entwurzelung Algeriens durch den Kolonialismus“ schuld.

Und die Islamverbände hier in Deutschland? Sie waren damals nicht viel anders heute:

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es seitens muslimischer Rechtsgelehrter und religiöser muslimischer Verbände im damals noch sicheren Europa einen Aufschrei angesichts dieser Morde im Namen des Islam gegeben hätte. Der Refrain vom friedlichen, toleranten Islam wurde wiederholt, als sei nichts geschehen. Erst jetzt, wo den Verbänden das Wasser bis zum Hals steht, kommen sie in Bewegung, verschanzen sich aber immer noch hinter der Schutzmauer, die Islam vom Islamismus trennt.

Soviel für heute. Morgen will ich von ein paar klugen, selbstkritischen Muslimen berichten (ja, die gibt es wirklich!), die Schirmbeck in seinem sehr lesenswerten Artikel in der F.A.Z. zitiert.

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