Der US-Journalist James Kirchick darf in der F.A.Z. schreiben – ach, hätte er nur geschwiegen!

Journalisten sind keine Lichtgestalten – niemand verlangt das von ihnen. Umgekehrt gilt aber auch: manche Journalisten argumentieren mit einer geistigen Schlichtheit, daß einem angst und bange wird.

Zu ihnen gehört offenbar James Kirchick.

Sein Artikel trägt die Überschrift „Warum wir die Deutschen ausspionieren müssen“ (hier kann man den Text nachlesen). Das klingt nach Ironie oder nach einem transatlantischen Nadelstich, ist aber ernst – todernst! – gemeint. Kirchick kämpft nicht mit dem Florett (jedenfalls nicht in diesem Artikel), sondern mit der Axt. Ich habe den Artikel jetzt zweimal von vorn bis hinten gelesen und habe als Grund für die US-Spionage gegen die verbündeten Deutschen nur diese „Argumente“ gefunden:

Deutschland treibt Handel mit Rußland, obwohl dort Homosexuelle verfolgt werden.

In Berlin tummeln sich seit dem Kalten Krieg Spione aus aller Herren Länder, es ist ein „Durchstoßpunkt für russische Spione“.

Deutschland ist ein „weniger vertrauenswürdiger Partner“, weil es auf „Rußlands unverschämtes Verhalten“ kaum reagiert.

Die Mehrheit der Deutschen sympathisiert mit Putin und akzeptiert die Annektierung der Krim.

Ströbele hat „unter großer Aufmerksamkeit der Medien“ Snowden besucht.

Gerhard Schröder bekam zu seinem Geburtstag eine „dicke Umarmung“ von Putin.

Und natürlich:

Die 9/11-Attentäter sind aus Deutschland gekommen.

Nun könnte man – gerade zum letzten Punkt – süffisant anmerken, daß die Terroristen ihre fliegerische Ausbildung ja nicht bei uns, sondern in den USA erhalten haben, aber eine inhaltliche Erwiderung wäre für einen Beitrag dieses Niveaus schon zuviel der Ehre.

Daß ausgerechnet ein solcher Journalist, der übrigens den „Whistleblower“ Manning am liebsten auf dem elektrischen Stuhl gesehen hätte und Snowden ein ähnliches Schicksal wünscht, seinen Artikel in der F.A.Z. veröffentlichen darf, sollte eine Ausnahme bleiben.

Aber vielleicht war es ja gerade die Absicht der Zeitung, uns hier im alten Europa die Illusionen über die journalistische Kompetenz in den USA zu nehmen. Nicht jeder Journalist jenseits des Atlantiks ist ein Bob Woodward oder ein Carl Bernstein – das immerhin wissen wir jetzt.

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