Landfrau, Landsfrau, Landsmännin, Landsmann, Landmann

Heute glaubt ja jeder, er könne die Sprache nach seinem Gusto verändern. Und selbst die dümmsten Eingriffe in die Sprache werden heutzutage von der DUDEN-Redaktion brav übernommen. Aber sehen wir uns diese fünf Wörter einmal näher an.

Der Landmann ist schlicht und einfach ein Bauer.

Die Landfrau ist eine Bäuerin oder die Frau eines Bauern. Auch da gibt es keine Verwechslungen.

Auch was ein Landsmann ist, dürfte klar sein: ein Mann, der aus demselben Land kommt wie ich. Wenn ich also im Urlaub im Ausland bin und dort einen Deutschen treffe, dann ist der mein Landsmann.

Und wenn es eine Frau ist? Dann ist es meine Landsmännin. Das ist ein altes deutsches Wort, das schon in der frühen Neuzeit belegt ist (man vergleiche das Grimmsche Deutsche Wörterbuch – da wird Landsmännin definiert als „eingeborene des gleichen landes“). In einem gewissen feministischen Milieu freilich, das sich das Recht anmaßt, die Sprache je nach Ethik oder politischer Korrektheit umzumodeln, mag der Wortteil „Männin“ Anstoß erregen, aber wir sollten unsere Sprache, die in hunderten von Jahren entstanden ist, nicht dieser Art von political correctness ausliefern. Daß sich die Sprache im Lauf der Zeit verändert, ist klar – aber das ist ein fast organischer Prozeß, ein allmähliches Wachstum, auf das wir kaum einen Einfluß haben. Ein gezielter Eingriff, noch dazu aus politisch-ideologischen Gründen, verbietet sich eigentlich von selbst.

Die Sprache selbst ist nämlich per se völlig amoralisch und schert sich auch nicht um Ausgewogenheit und Gerechtigkeit. Wer von „gerechter Sprache“ spricht oder sie gar verordnen möchte, hat vom Wesen der Sprache nichts verstanden. Wer versuchen möchte, die Sprache zu reinigen, „gerecht“ zu machen, der käme vom Hundertsten ins Tausendste. Was wäre zum Beispiel mit den vielen saftigen Schimpfwörtern, die oft beleidigend und so gar nicht gender-gerecht sind? Sollen wir sie alle aus den Wörterbüchern tilgen? Es wäre ein Gang nach Absurdistan.

Umso bedauerlicher ist es, daß solche politisch und gender-motivierten Auswüchse seit Jahren immer öfter den Weg in die Wörterbücher finden. Der Große Wahrig immerhin, das sei zur Ehre der deutschen Lexikographie gesagt, kennt – völlig korrekt – nur die „Landsmännin“ (zumindest in der von mir benutzten Buchausgabe von 2006 und der elektronischen Ausgabe von 2007), während das Duden-Universalwörterbuch des gleichen Jahres „Landsfrau“ schon gleichberechtigt neben die „Landsmännin“ stellt“.

Muß man denn so eilfertig sein und jedem Trend hinterherhecheln?

Wenn man kritisch dagegen angeht, kommt immer das Argument, die Redaktion bilde doch nur den tatsächlichen Sprachgebrauch ab, sie greife ja gar nicht regelnd ein. Aber das ist ein scheinheiliges Argument: sie greift nicht normierend ein, aber dadurch, daß sie ein Wort aufnimmt, das bestimmte gesellschaftlich-ideologische Gruppen künstlich gebildet haben, gibt sie ihm den allerhöchsten Segen.

Sie normiert also doch, denn jeder Journalist – gestern während der Olympia-Berichterstattung habe ich das Wort „Landsfrau“ ständig gehört! – kann sich darauf berufen: es steht doch im Duden!

Kurz und bündig: es gibt nur das Wort „Landsmännin“. Die Form „Landsfrau“ ist eine künstliche Bildung aus der Gender-Ecke und sollte so schnell wie möglich wieder verschwinden.

Dieser Beitrag wurde unter Politik, Sprache und Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Landfrau, Landsfrau, Landsmännin, Landsmann, Landmann

  1. hanns-peter hartmann sagt:

    Sie haben mir so aus der Seele gesprochen.Ich (Jahrgang 1943) lasse mir nicht einreden,dass Worte mit denen ich groß geworden bin,die in meinem ganzen Umfeld nicht als Schimpfworte benutzt wurden (z.B.Neger,Eskimo,Zigeuner usw.) auf einmal Schimpfworte sein sollen.Andererseits widerstrebt es mir Worte zu benutzen,die zu meiner Zeit Schimpfworte waren (z.B. Hure,Schwule,vögeln usw.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.