Sündenbock Griechenland

Der Haß auf Griechenland, der zur Zeit überall – gerade auch in fast allen Internetforen – zu spüren ist, ist eigentlich gar kein Haß auf die Griechen. Er ist ein Haß auf einen Sündenbock. Wäre er mehr, müßte man ja einen ähnlichen Haß auch auf Italien, Spanien, Portugal, Irland haben. Sie alle haben jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt, sie alle sind schon lange auf der Liste der Ratingagenturen. Ihnen allen winkt das gleiche Schicksal.

Aber man prügelt nur auf die Griechen ein.

Sie sollen die Parias von Europa werden, Unberührbare, auf die man nur noch mit dem Finger zeigt. Schau doch nur, ein Grieche! sagt man. Er ist schuld an allem! Gäbe es die Griechen nicht und ihren Hang zum Schwindeln und Schummeln – ach, wir könnten guter Dinge sein bis ans Ende unseres Lebens.

Lieber Leser! Wenn du das wirklich glaubst, genügt es nicht, einen Taler zu zahlen. Du solltest einmal einen Blick auf die Finanzwelt werfen, denn dort findest du die wirklich Schuldigen. Die Griechen sind keine Engelein, aber gegen die kriminelle Energie dieser halbseidenen Börsen-, Finanz- und Anlagewelt mit ihren Luftgeschäften – geben wir es doch einfach zu! – sind selbst die Griechen nur ganz, ganz arme kleine Würstchen.

Zu diesen Betrügern im großen Stil höre ich von unserer Regierung nichts. Nicht ein Wort!

Schäuble, Merkel, Kauder, und natürlich der neue Riesenstaatsmann Rösler – sie alle wünschen den Griechen die Pest an den Hals, immer offener, immer lauter, immer unverfrorener. Aber die eigentlich Schuldigen sitzen nicht in Athen, sie sitzen in den feinsten Büros der Wall Street, und sie planen ihre Coups mit einer Kaltblütigkeit, die einem Griechen völlig fremd ist.

Ja, ihr könnt die Griechen in die Knie zwingen, ihr könnt sie in den Ruin treiben. Ihr könnt einem ganzen Volk die wirtschaftliche Existenz nehmen. Das ist nicht einmal schwer. Aber glaubt ihr wirklich, daß damit irgendein Problem gelöst ist? Die Finanzhaie sind dadurch doch nicht weniger gefräßig geworden! Sie nehmen sich das nächste Land vor – Italien? Spanien? Portugal?

Nein, nichts wird sich ändern, wenn ihr Griechenland in den Abgrund stürzt, denn die nächsten Kandidaten stehen schon fest. Die Spekulanten, die mit dem Schicksal ganzer Völker und Kontinente spielen, hören nicht einfach damit auf – warum sollten sie auch? Solange Sündenböcke die Prügel einstecken müssen, sind sie fein raus.

Die Haie muß man angreifen, nicht die kleinen Fische!

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