Corona, Corona, Corona …

Obwohl ich mir redlich Mühe gebe, es zu vermeiden – auch mein Tagebuch kommt an dem Thema „Coronavirus“ nicht vorbei.

Heute abend sollte in der ARD endlich der dritte Teil der Dokumentarfilm-Reihe „Im Reich der Wolga“ laufen. Nach zwei Sendungen mit unglaublich schönen Bildern von einem Fluß, den viele von uns nur dem Namen nach kennen, hat man sich schon auf die dritte gefreut – auch heute wieder vergebens. Dreimal ist er (wenn ich richtig gezählt habe), verschoben worden, auch heute abend wird ihn niemand sehen können. Und warum?

Weil man genau wie am letzten Montag Frank Plasberg für seine Talkshow zwei Stunden am Stück (!) zur besten Sendezeit (20.15-22.15) zugeschanzt hat. Man hat so langsam das Gefühl, daß 90% des Programms nur noch ein Thema haben: Corona. Das ist inzwischen so ausgeufert, daß man von der (natürlich wichtigen!) Informationspflicht der Sender gar nicht mehr sprechen mag. Es ist ein täglicher Corona-Overkill ohne jedes Maß geworden, die Sender wetteifern anscheinend darum, wer es schafft, pro Tag mehr Sendestunden damit zu füllen als alle anderen.

Liebe Programmacher! Stellt euch einmal folgendes vor, nur so zum Spaß. Ein Mann liegt im Krankenhaus, sagen wir: mit einem Beinbruch. Er ist natürlich bettlägerig und sieht durch das Fenster des Krankenzimmers allenfalls ein Stück blauen Himmel. Sein kranker Zimmerkollege heitert ihn ihn auch nicht gerade auf. Also schaltet er den Fernseher ein. Und was sieht er da? Von morgens bis abends nur medizinische Sendungen über Knochenbrüche: er sieht einfache und komplizierte Frakturen und ihre Behandlung, mögliche Komplikationen, sogar Livebilder aus dem OP, Reportagen aus der Reha und Interviews mit den führenden deutschen Orthopäden. Wenn der arme Mann das nicht länger erträgt und auf andere Sender umschaltet, nützt es ihm nichts: es ist überall das gleiche Programm.

Habt ihr verstanden, was ich damit sagen will, liebe Programmacher?

Wir sind doch alle ein bißchen eingesperrt in diesen Zeiten – und ihr gönnt uns nicht einmal etwas Schönes und Gutes, über das wir uns freuen können.

PS: Die uralten Dokumentationen (teilweise bis 2008 zurückreichend!), die ihr aus den verstaubten Archiven hervorholt – selbst auf 3sat gibt es seit Monaten nichts anderes mehr! -, die, liebe Programmacher, könnt ihr euch, mit Verlaub, an den Hut stecken.

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