Merkur.de und die ALDI-Masche

Wer ab und zu einmal Google News besucht, kennt das: eine reißerische Überschrift, daneben ein „Symbolbild“ von ALDI. Urheber ist fast immer die Internetseite Merkur.de. Die jüngste Überschrift kann man hier nachlesen:

Kinder-Produkt von Aldi enthält überraschende Zutat – Mutter rastet aus

Was war passiert? Die „Kundin Analia V.“, so der Merkur-Schreiber Marc Dimitriu, hatte bei ALDI ein Nuß-Nougat-Hörnchen gekauft und sich dabei natürlich „nichts Böses gedacht“.

Als ich daheim war habe ich gelesen, dass die Hörnchen Alkohol enthalten. Ich war schockiert und entsetzt.

Und was tut eine schockierte und entsetzte Kundin, um aller Welt zu zeigen, wie „schrecklich“ und „unverantwortlich“ und „gewissenlos“

einige Hersteller und Supermärkte mit der Gesundheit der Kinder umgehen?

Sie macht ihrem Herzen auf Facebook Luft. Natürlich läßt sie sich von der freundlichen ALDI-Antwort, daß bei jedem Backen auf natürliche Weise Spuren von Alkohol entstehen, nicht beeindrucken. Analia V. wollte ihre „15 minutes of fame“, und die hat sie bekommen.

Und Merkur.de? Diese Seite nutzt auch noch die dümmsten Meldungen zur gewinnbringenden Zweitverwertung, denn jeder, der durch die Überschrift neugierig geworden ist, weil er treuherzig an einen echten Skandal glaubt, vermehrt durch seinen Klick das Werbeeinkommen des Unternehmens.

Zum Schluß (und zur Demonstration) nur noch ein paar Merkur-Meldungen der letzten Wochen:

Aldi-Produkt um 8.02 Uhr schon vergriffen – dann taucht es woanders  auf

Äußerst gefährliche Bakterien: Rückruf bei Lidl, Aldi und Netto

Aldi will mit modernen Filialen punkten – Kundin beschwert sich trotzdem

Aldi greift vor Silvester zu ungewöhnlicher Maßnahme bei Öffnungszeiten

Heikle Frage an der Kasse bei Aldi Süd: Kundin zieht Konsequenz

Verblüffende Enthüllung bei Aldi: Diese geheime Funktion haben Einkaufswagen

Aldi Nord droht Fiasko – jetzt macht noch eine Sache Hoffnung

Hersteller warnt vor dem Verzehr: Aldi Süd ruft ein Produkt wegen Keimen zurück

Tretroller-Eklat bei Aldi: Empörter Kunde hat das bisher „nirgends sonst erlebt“

„Sollte das drin sein, was drauf steht“: Nächste Kundin empört sich über Aldi-Produkt

Ekel-Schock bei Aldi: Kunde macht Entdeckung – sie verdirbt ihm den Appetit.

Die Liste könnte man beliebig verlängern. Dabei ist es doch so einfach, den Dummenfängern nicht auf den Leim zu gehen: einfach ignorieren, nicht klicken. Es ist fast nie etwas Interessantes hinter diesen reißerischen Überschriften.

Auch hier soll Goethe das letzte Wort haben (nachzulesen im West-Östlichen Divan):

Getretner Quark
Wird breit, nicht stark.

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