„Das wird man doch noch sagen dürfen!“

So tönt es aus rauhen Kehlen in Dresden und anderswo, und auf unschuldige Tastaturen wird der Satz viele Male am Tag eingehämmert. Die Internetforen sind voll davon, die Urheber sind fast immer Wähler und Anhänger der AfD.

Woher ich das weiß? Dazu gehört wirklich nicht viel Spürsinn – nur ein bißchen Sprachkenntnis. Ihr Vokabular verrät sie schnell, auch der hämische Unterton, dazu das Gift, mit dem alle diese dummen, immergleichen Kommentare durchsetzt sind: Haß.

Daß die AfD-Anhänger ständig behaupten, man dürfe in Deutschland „die Wahrheit“ nicht aussprechen, weil die „Systemparteien“ und die „Lügenpresse“ das verhinderten, ist eine der infamsten Legenden dieses Haufens. Man gehe doch einmal in ein beliebiges Forum im Internet, etwa von Tageszeitungen, die so unklug sind, die Kommentarfunktion nicht zu schließen. Da bewegt sich der Anteil der offensichtlichen, z.T. bekennenden Anhänger der AfD durchschnittlich zwischen geschätzten 70 und 80 Prozent.

Dann versuchen Sie einmal, ganz höflich – sine ira et studio – eine Gegenposition zu formulieren. Sie werden mit Haß und Häme überschüttet, und wenn Sie diese Erfahrung fünf oder zehn Mal gemacht haben, ist Ihnen die Lust am Schreiben vergangen. In der Anonymität des Internets kommt der Mensch eben ungefiltert zu Wort, so wie er im Rohzustand wirklich ist, ohne das antrainierte bißchen Kultur und Höflichkeit. Für alle Wissenschaften, die sich mit dem Menschen beschäftigen, müßte das Internet eigentlich eine wahre Fundgrube sein.

Für uns aber, die wir die Hoffnung auf Bildung, Kultur und Höflichkeit noch nicht aufgegeben haben, ist jede Berührung mit diesen dumpf-analphabetischen Rettern des Abendlands eine Qual – auch weil wir wissen: das sind genau die Töne, es ist genau dieses Vokabular aus Haß und Häme, das zum Untergang der Weimarer Republik geführt hat.

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