Der Umgang der katholischen Kirche mit Geschiedenen und Wiederverheirateten ist ein Skandal

Apostel gibt es auch heute noch genug in der katholischen Kirche: Moralapostel nämlich.

Dabei bin ich ganz und gar nicht der Auffassung, daß sie stromlinienförmig und geschmeidig werden sollte wie die evangelische Kirche, die immer up to date sein will, jedem Trend hinterherläuft und schon zufrieden ist, wenn sie möglichst viele Likes bekommt. Im Gegenteil: ich finde es beruhigend schön, daß es noch eine Kirche gibt, die gründlich und lange (manchmal Jahre und Jahrzehnte!) nachdenkt, ehe sie eine Änderung an ihren Grundsätzen zuläßt.

Aber es gibt auch viel Ärgerliches in dieser Kirche: ihre herablassende, heutzutage völlig inakzeptable Einstellung zu den Tieren etwa, über die ich an dieser Stelle (hier zum Beispiel) schon öfter berichtet habe. Und, mindestens ebenso ärgerlich: wie man mit Menschen umgeht, deren Ehe gescheitert ist.

Ihnen schlägt aus der Amtskirche bis heute eine mitleidlose, jeder Barmherzigkeit und Nächstenliebe hohnsprechende, dogmatische Brutalität entgegen, die nur Entsetzen hervorrufen kann.

Das „Band der Ehe“, heißt es im offiziellen „Katechismus der katholischen Kirche“ (München 1993),

wird von Gott selbst geknüpft, so daß die zwischen Getauften geschlossene und vollzogene Ehe nie aufgelöst werden kann. Dieses Band, das aus dem freien menschlichen Akt der Brautleute und dem Vollzug der Ehe hervorgeht, ist fortan unwiderrufliche Wirklichkeit und stellt einen durch die Treue Gottes gewährleisteten Bund her. Es liegt nicht in der Macht der Kirche, sich gegen diese Verfügung der göttlichen Weisheit auszusprechen.

Nun weiß ich ja als kleines Menschlein nicht, wo genau diese „göttliche Weisheit“ herrührt, und ich weiß erst recht nicht, wie die (doch menschlichen!) Verfasser des Katechismus so genau wissen, was Gott in seiner Weisheit möchte. Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist, daß jedes menschliche Streben, jeder auch noch so gutgemeinte Vorsatz eines Sterblichen scheitern kann.

Muß man denn einem erwachsenen Menschen (einem Pfarrer, einem Bischof zum Beispiel) erst mühsam beibringen, daß eine Ehe – auch wenn sie mit den besten Absichten gegründet wurde – am Ende scheitern kann?

Mir scheint, die Kirche versteckt sich hier hinter einer angeblich „göttlichen Weisheit“, weil sie mit solchen gescheiterten Lebensentwürfen nichts zu zun haben will. Sie stellt ein selbsterzeugtes Dogma über die christlichen Kerntugenden Nächstenliebe und Barmherzigkeit, und sie ist damit wirklich und wahrhaftig unchristlich. Jesus hat sich doch – zum Ärger der Pharisäer und Schriftgelehrten! – nicht mit den frommen, eh schon heiligmäßig lebenden Menschen abgegeben, sondern mit den verlorenen Söhnen, mit den Zöllnern und gar mit den liederlichen Weibspersonen. Es waren gerade die Gescheiterten, mit denen er sich an den Tisch gesetzt hat.

Wer sich auf ihn beruft, sollte zumindest eine Ahnung davon haben, was die christlichen Kerntugenden sind: Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Und daß der Hochmut (superbia) eine der sieben Todsünden ist.

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