Der Horst stellt sich „emal janz domm“

So heißt das geflügelte Wort in der „Feuerzangenbowle“.

Seehofer und Orbàn haben vieles gemeinsam: daß sie sich immer dumm stellen, also so tun als ob, gehört bei beiden zum Alltagsgeschäft. Ihr beider Weltbild ist schlicht: Merkel und alle anderen handeln nach Gefühl und Moral, sie selbst sind die Realpolitiker. Sie handeln nach dem Buchstaben des Gesetzes.

Dazu wäre folgendes zu sagen: die Kanzlerin hat den ersten Schub von Flüchtlingen, fast alles syrische Familien mit kleinen Kindern, in unser Land gelassen, weil Orbán sie in grausamer, menschenverachtender Weise behandelt hat. Selbst wenn man Flüchtlinge nicht ins Land läßt, hat man nach allen internationalen Abkommen die Pflicht, sie menschenwürdig zu behandeln. Das hat Orbán nicht getan. Seine schwarzgekleideten Polizisten mit ihren coolen Sonnenbrillen (ganz Herrenmenschen!) haben die Flüchtlinge behandelt wie den letzten Dreck.

Da hat sich die Kanzlerin völlig zurecht über den europäischen „Buchstaben des Gesetzes“ hinweggesetzt, um weiteren Schaden von den gedemütigten Flüchtlingen abzuwenden. Diese Entscheidung war richtig – und ich sage es noch einmal: ich bin zum ersten Mal überhaupt mit einer dramatischen Entscheidung der Kanzlerin völlig einverstanden.

Und jetzt kommt dieser Orbán, der Herr über Mauer und Stacheldraht, und spielt sich als wahrer Gesetzeshüter Europas auf. Nichts könnte absurder sein. Orbán hat, gestützt auf eine anfängliche Zweidrittelmehrheit, aus dem freien, demokratischen Ungarn ein Land gemacht, das nur noch demokratische Kulissen hat. Hier weht kein demokratischer Geist mehr, hier geht es so autoritär zu wie in manchen zentralasiatischen Republiken (die ja auch alle Wert auf demokratische Kulissen legen). Und mit so einem Menschen schäkert der Horst herum, den heißt er herzlich willkommen.

Der luxemburgische Außenminister hat vor ein paar Tagen gesagt, für den Herrn Orbán könne man sich nur noch schämen.

Ich füge hinzu: für den Seehofer auch.

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