Erdogan – der alte Mann am Bosporus

Was macht einen großen Staatsmann aus? Daß er kein engherziger Parteipolitiker ist und nicht an sein eigenes, sondern an das Wohl seines Landes denkt.

Ein großer Staatsmann polarisiert nicht, er versöhnt. 

Erdogan gehört zu jener Schar alter (und kalter) Männer, die sich immer mehr an ihrer Macht berauschen, je älter sie werden. Sie können nicht mehr von ihr lassen, selbst wenn ihr Land dabei zugrundegeht. Robert Mugabe gehört zu diesem Typus von Herrscher, auch Stalin oder Mao Tsetung waren so. Sie wurden mit jedem Lebensjahr starrer, hemmungsloser.

Und warum können sie sich das leisten? Weil man sie läßt.

Solche Menschen haben obendrein ein feines Gespür dafür, wer ihnen gefährlich werden könnte. Wer ihre Macht gefährdet, wird entfernt.

So einer ist auch Erdogan. Großmäulig war er schon immer. Jetzt duldet er keine Opposition mehr – nicht auf der Straße, erst recht nicht in seiner Partei. Sein Denken kreist nur noch um die eigene Macht. Immer öfter und immer gründlicher säubert er, nur um an der Macht zu bleiben, alle gesellschaftlichen Gruppen: Militär, Polizei, Rechtswesen, Presse und Fernsehen betrachtet er als sein persönliches Eigentum.

Was er über die angebliche Einmischung des Auslands sagt, trägt – wenn er es denn selbst glaubt – paranoide Züge. Sein undankbares Volk, das nicht mehr wie einst an seinen Lippen hängt, will er mit Wasserwerfern und Gummigeschossen zur Raison bringen.

Nein, das Endstadium hat er natürlich noch nicht erreicht, die demokratische Fassade ist noch da. Aber wenn man ihn läßt, wie er möchte, wird es mit der Türkei kein gutes Ende nehmen.

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