Was ist mit dem großen Tayip Erdogan los? Hält er schon seinen Winterschlaf?

Frisch ins Amt des Präsidenten gewählt, scheint der sonst so großmäulige Erdogan von einer fast klösterlichen Schweigsamkeit ergriffen. Da kann die Welt um ihn herum aus den Fugen geraten – er schweigt beharrlich. Aber es gibt Dinge, die man nicht aussitzen kann. Dazu gehört der Vormarsch jener ruchlosen Verbrecherbande, die sich IS nennt. Papst Franziskus hat es so formuliert:

Niemand soll meinen, er könne sich hinter Gott verstecken, während er Gewalttaten und Übergriffe plant und ausführt. Niemand darf die Religion zum Vorwand für Taten nehmen, die der Würde des Menschen und seinen Grundrechten entgegenstehen.

Diese Banditen, die sich und ihre Mordlust tatsächlich hinter Allah und seinem Propheten verstecken, stehen jetzt an der türkischen Grenze. Sie treiben die syrischen Kurden vor sich her wie eine Herde, die zum Schlachten getrieben wird. Die Türkei hat schon über eine Million Flüchtlinge aufgenommen, am vergangenen Wochenende sind noch einmal 100.000 dazugekommen. Das ist zwar großherzig, und man sollte die Türkei bei der Versorgung der Flüchtlinge kräftig unterstützen, aber das Problem selbst läßt sich dadurch natürlich nicht beheben.

Und die arabischen Länder? Sie verhalten sich wieder einmal so, als hätten sie mit diesem Konflikt nichts zu tun. Die Golfstaaten und Saudi-Arabien, die in Geld förmlich schwimmen und über die modernsten Waffen der Welt verfügen, handeln auch jetzt so schäbig, wie man es von ihnen gewöhnt ist: sie handeln nämlich – gar nicht.

Sollen sich doch die westlichen Länder darum kümmern! Das hat dann auch den Kollateralnutzen, daß man sie hinterher der „Einmischung“ und der „Islamfeindlichkeit“ bezichtigen kann.

Und auch Erdogan trägt offenbar lieber die Last der Flüchtlingsbetreuung, als seine hochgerüstete Armee zugunsten von Kurden und Jesiden ins Feld zu schicken. Von den Christen gar nicht zu reden, die auch im säkularen Deutschland kaum einen Fürsprecher haben.

Nur ein kleiner Exkurs dazu: als die Regierung vor einem guten Jahr feststellte, daß „ein besonderer Verfolgungsdruck auf Christen aus Syrien lastet“, nannte Claudia Roth von den Grünen diese Bemerkung gegenüber der taz „unverantwortlich“:

Es wäre ein fatales Signal an Muslime in der Region, aber auch in Deutschland, wenn die Bundesregierung den Eindruck erweckt, das Schicksal der christlichen Flüchtlinge sei ihnen wichtiger.

Na ja, man hat sich daran gewöhnt, daß die Grünen und Linken (von ganz wenigen „Quotenchristen“ in ihren Reihen abgesehen) mit dem christlichen Glauben nicht viel am Hut haben. Dafür ist die Sorge, die sie den Muslimen in Deutschland angedeihen lassen, um ein Vielfaches größer: kein Moscheebau, der nicht von ihnen kräftig unterstützt wird. Zur Verfolgung der Christen in den muslimischen Ländern hört man dagegen – außer ein paar dürren und allgemeinen Worten –  so gut wie nichts.

Aber zurück zu Erdogan. Er hat die Banditen von der IS lange unterstützt (was er natürlich leugnet), es gibt sogar Anzeichen dafür, daß er sie bewaffnet hat. Er wollte eben Assad schaden, und da war ihm jedes Mittel recht (so wie einst die USA die Taliban ausgerüstet haben, damit sie die Sowjets aus Afghanistan vertreiben, mit den bekannten Folgen). Inzwischen hat der IS die modernsten Waffen von der irakischen Armee erbeutet und braucht keine Almosen mehr von Erdogan.

Glaubt Erdogan, glaubt irgendein Mensch auf der Welt, daß diese Banditen vor einer Grenze haltmachen werden? Sie folgen genau derselben aggressiven Logik wie die mohammedanischen Eroberer, die seit dem 7. Jahrhundert immer größere Teile des damals bekannten Erdkreises mit Feuer und Schwert erobert haben. Insofern sind diese „Gotteskrieger“ dem ursprünglichen Islam näher als der friedlichere Teil ihrer Glaubensbrüder.

Wir hier in Europa können von Glück sagen, daß man das osmanische Heer damals „vor Wien“ gestoppt hat. So hat sich wenigstens Mitteleuropa weiterentwickeln können. Die von den Türken eroberten Balkanländer wurden um Jahrhunderte zurückgeworfen. 

Eines aber können wir aus der Geschichte lernen: anders als militärisch kann man solchen Banden wie dem IS nicht begegnen.

Dieser Beitrag wurde unter Christentum, Islam, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert