{"id":954,"date":"2011-06-16T19:51:01","date_gmt":"2011-06-16T17:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=954"},"modified":"2011-06-18T12:34:37","modified_gmt":"2011-06-18T10:34:37","slug":"immer-feste-druff-auf-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=954","title":{"rendered":"Immer feste druff &#8211; auf Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>Nennt man das nicht <em>bashing<\/em>? Man haut einfach drauf, ohne Einschaltung des Gehirns. So haben Horden von &#8211; na: sagen wir: geistig weniger gut ausgestatteten Jugendlichen damals nach der Wende im Osten Jagd auf Fremde gemacht: &#8222;Neger&#8220;, Vietnamesen usw.<\/p>\n<p>Kein Tier macht so etwas. Nur der Mensch.<\/p>\n<p>Zur Zeit erleben wir eine infame Haudrauf-Kampagne gegen eines der sch\u00f6nsten L\u00e4nder der Welt &#8211; sch\u00f6n nicht nur wegen seiner Landschaft, seines Klimas, seines Lichts, seiner Geschichte, seiner Kultur, seiner Musik, sondern sch\u00f6n gerade auch wegen seiner Menschen: Griechenland.<\/p>\n<p>\u00dcber Jahrhunderte hinweg war Griechenland f\u00fcr die Europ\u00e4er (und vor allem f\u00fcr die Deutschen!) eine Art Sehnsuchtsland &#8211; am Anfang mit groben Idealisierungen, die der Wirklichkeit nicht standhielten, dann aber mehr und mehr auf einer solideren Grundlage, n\u00e4mlich der pers\u00f6nlichen Kenntnis. Seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts reisten immer mehr Deutsche aus allen Schichten nach Griechenland &#8211; und das war, anders als heute, tats\u00e4chlich noch ein &#8222;Reisen&#8220;, und kein Aufenthalt im Ghetto eines <em>all inclusive<\/em>-Hotels.<\/p>\n<p>Ich war 1973 als Student das erste Mal in Griechenland &#8211; eigentlich nur auf der Durchfahrt. Ich hatte mit meinem klapprigen Ford Taunus eine Kurzreise nach Istanbul gewagt, und nachdem ich auf der Hinfahrt die Route durch Bulgarien genommen hatte, wollte ich auf der R\u00fcckreise Griechenland kennenlernen. Da sa\u00df ich dann &#8211; alle Hotels waren ausgebucht, nur ein paar Privatzimmer waren noch frei &#8211; in Kavalla unversehens mitten in einer griechischen Familie auf dem Balkon ihres Hauses, a\u00df mit ihnen und blickte, w\u00e4hrend die Nacht hereinbrach, auf das Meer und das gesch\u00e4ftige Treiben am Hafen.<\/p>\n<p>Es war der Beginn einer lebenslangen Zuneigung zu diesem Land und seinen Menschen. Und keine Ratingagentur der Welt wird daran etwas \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Ich bin deshalb nicht unkritisch, ich sehe durchaus auch die schwachen Seiten der Griechen. Die meisten teilen sie mit den anderen Kulturen am Mittelmeer, etwa die oft grausame oder gleichg\u00fcltige Behandlung der Tiere oder den <em>machismo <\/em>der jungen M\u00e4nner. Und sie haben auch hin und wieder die Neigung, andere in gesch\u00e4ftlichen Dingen \u00fcbers Ohr zu hauen. W\u00e4ren sie sonst die Nachfahren des listenreichen Odysseus? Aber der Liebe tut das keinen Abbruch.<\/p>\n<p>Es ist wahr: seit Griechenland in der EU ist, hat es manches von seinem alten Charme verloren. Und vielleicht war ja auch der Beitritt zur EU einer der gr\u00f6\u00dften Fehler, den das Land in seiner neueren Geschichte gemacht hat. Aber jetzt auf Griechenland einzudreschen, als sei es an allen \u00dcbeln der Welt (oder doch wenigstens den europ\u00e4ischen) schuld, das ist mehr als unfair. Denn die Griechen leiden unter dem Euro ja selbst am meisten, und zwar nicht erst heute, sondern schon seit seiner Einf\u00fchrung.\u00a0 Die Preise sind f\u00f6rmlich explodiert und liegen heute auf einem h\u00f6herem Niveau als in Deutschland &#8211; bei gleichzeitig viel niedrigeren Einkommen. Sicher gibt es auch Nutznie\u00dfer der Euro-Einf\u00fchrung, Profiteure, die einen Reibach gemacht haben. Aber die gro\u00dfe Masse der Bev\u00f6lkerung, die kaum wei\u00df, wie sie bei diesen Preisen \u00fcberleben soll, hatte davon nur Nachteile und mu\u00df jetzt durch die &#8222;Strafma\u00dfnahmen&#8220; ein zweites Mal b\u00fc\u00dfen. Da ist es doch verst\u00e4ndlich, da\u00df der Zorn w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Und es w\u00e4chst in der Bev\u00f6lkerung auch der Zorn \u00fcber die Art und Weise, wie die europ\u00e4ischen Regierungen mit Griechenland umspringen. Zurecht! So arrogant, so \u00fcberheblich kann man vielleicht mit Wei\u00dfru\u00dfland und Tadschikistan umgehen, aber ein Land, das schon eine philosophische und politische Hochkultur hatte, als die Germanen noch &#8211; na, sagen wir es zur\u00fcckhaltend: nicht ganz dasselbe Niveau erreicht hatten, mu\u00df sich nicht auf diese Weise behandeln lassen. Die Griechen sollten viel offensiver mit den Problemen umgehen. Sie haben in ihrer gro\u00dfen Mehrheit durch die EU viel mehr verloren als die reichen L\u00e4nder, die auch jetzt noch gut an den Krediten f\u00fcr Griechenland verdienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nennt man das nicht bashing? Man haut einfach drauf, ohne Einschaltung des Gehirns. So haben Horden von &#8211; na: sagen wir: geistig weniger gut ausgestatteten Jugendlichen damals nach der Wende im Osten Jagd auf Fremde gemacht: &#8222;Neger&#8220;, Vietnamesen usw. 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