{"id":9373,"date":"2013-10-02T00:53:11","date_gmt":"2013-10-01T22:53:11","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=9373"},"modified":"2013-10-02T00:53:11","modified_gmt":"2013-10-01T22:53:11","slug":"hart-vielleicht-aber-fair-die-schmaehkampagne-gegen-die-afd-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=9373","title":{"rendered":"Hart vielleicht, aber fair? Die Schm\u00e4hkampagne gegen die AfD geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Hat Plasberg das n\u00f6tig?<\/p>\n<p>Seine Sendung &#8222;Hart aber fair&#8220; war einmal eine echte Bereicherung der politischen Diskussionskultur. Damals wurde sie noch vom WDR ausgestrahlt und nicht in der ARD, und sie unterschied sich wohltuend von der Hofberichterstattung anderer Sender (wie etwa des von der CSU dominierten Bayerischen Rundfunks). Nach dem Beginn der bundesweiten Ausstrahlung freilich ging es mit der Sendung langsam, aber sicher bergab. Plasberg wurde \u00fcberheblich und geno\u00df immer \u00f6fter die Rolle eines Scharfrichters \u00fcber die eingeladenen Politiker. Immer beliebter wurde bei ihm das Fallenstellen: man brachte einen Politiker zu einer Aussage, die man dann unter dem Applaus des Publikums mit vorbereiteten Einspielfilmen widerlegte (oder doch zu widerlegen glaubte). Ein billiger Triumph, der wohl &#8211; zusammen mit Themen vom Boulevard (Baumarkt, Fu\u00dfball) &#8211; endlich wieder die Quoten erh\u00f6hen sollte. Die Maischbergerisierung bei der Themenauswahl brachte aber bei den Einschaltquoten kaum Erfolge.<\/p>\n<p>Am Montag trieb Plasberg sein altes Leimrutenspiel mit dem Gr\u00fcnder der <em>Alternative f\u00fcr Deutschland<\/em>, Bernd Lucke, dem er kaum verh\u00fcllt eine N\u00e4he zum nationalsozialistischen Vokabular unterstellt. Nat\u00fcrlich h\u00e4lt der Moderator wieder Einspielfilme bereit. Der Grund: Lucke hatte in einer improvisierten Rede in der Wahlnacht von &#8222;Entartungen von Demokratie und Parlamentarismus&#8220; gesprochen. H\u00e4tte er von &#8222;Perversionen&#8220; gesprochen, kein Hahn h\u00e4tte danach gekr\u00e4ht, aber <em>Entartung<\/em>? Da kommt nat\u00fcrlich sofort die Assoziation &#8222;entartete Kunst&#8220; auf, und schon ist man ein Nazi. Ein infames und leicht durchschaubares Spiel, das Plasberg da treibt, und dazu eines, das sprachgeschichtlich ohne jede Grundlage ist.<\/p>\n<p>Die Nazis haben auf breiter (und brauner) Front die deutsche Sprache f\u00fcr ihre Zwecke zurechtgebogen und mi\u00dfbraucht. Sie haben aus ganz allt\u00e4glichen deutschen W\u00f6rtern wie Volk, F\u00fchrer, Heimat, Mutterschaft nationalsozialistische Kampfbegriffe gemacht.<\/p>\n<p>Hei\u00dft das, da\u00df wir diese Begriffe deshalb bis in alle Ewigkeit nicht mehr verwenden d\u00fcrfen? Da\u00df sie tabu sind? Das w\u00e4re der (sprachliche) Sieg der braunen Bande, dann h\u00e4tten sie n\u00e4mlich bis heute Macht \u00fcber uns. Nein, alle diese W\u00f6rter hat es lange vor den Nazis gegeben, und ich denke gar nicht daran, mir W\u00f6rter wie Volk und Heimat nehmen zu lassen, nur weil sie in der Nazizeit mi\u00dfbraucht worden sind.<\/p>\n<p>Genau so verh\u00e4lt es sich mit dem alten Wort &#8222;entartet&#8220;. Schon im Deutschen W\u00f6rterbuch der Br\u00fcder Grimm (in der 3. Lieferung von Band 3 aus dem Jahr 1859!) taucht &#8222;entarten&#8220; auf, mit Beispielen u.a. von Klopstock und Schiller. Auch im Adelungschen W\u00f6rterbuch (1816) ist es vorhanden. Und dieses alte Wort soll ich jetzt nicht mehr im Munde f\u00fchren d\u00fcrfen, weil die Nazis es propagandistisch mi\u00dfbraucht haben?<\/p>\n<p>Das ist geradezu l\u00e4cherlich. Und es ist auch wieder typisch f\u00fcr eine linke Subkultur, die ohne die dauernde Pflege ihres &#8222;Antifaschismus&#8220; offenbar gar nicht mehr leben kann.<\/p>\n<p>Ich verzichte gern sowohl auf den Faschismus als auch auf den Antifaschismus. Aber niemals w\u00fcrde ich auf unsere sch\u00f6ne deutsche Sprache verzichten, die man &#8211; leider! &#8211; immer \u00f6fter gegen politische und ideologische Eingriffe verteidigen mu\u00df. Aber Sprachen sind gottlob von gro\u00dfer Z\u00e4higkeit, selbst Fernsehmoderatoren bekommen das zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen: immer wenn neue kleine Parteien oder Menschen mit unkonventionellen politischen Meinungen auftauchen, setzt bei vielen unserer Journalisten die Schnappatmung ein. Meist werden daraus regelrechte Kampagnen &#8211; so war es bei den Gr\u00fcnen in den 80er Jahren, als gerade unser Hessischer Rundfunk aus dem Geifern und Diffamieren gar nicht herauskam. Die journalistische Kampagne war, wie man wei\u00df, nicht sehr erfolgreich. Genau dasselbe ist viele Jahre sp\u00e4ter Thilo Sarrazin widerfahren. Auch da wurde der erste Auftritt des noch wenig medienerfahrenen Autors in einer Talkshow als Hinrichtung geplant &#8211; von Beckmann und seiner Redaktion. Immerhin, das mu\u00df man zu dessen Ehrenrettung sagen, hat man hinterher im Sender sehr selbstkritisch \u00fcber die Sendung diskutiert.<\/p>\n<p>Jetzt also wieder dasselbe alte Spiel mit einem neuen Opfer, der AfD und Bernd Lucke. Man sieht: nicht alle Journalisten lernen aus ihren Fehlern.<\/p>\n<p>Ein guter Rat an Plasberg und alle anderen &#8211; wie w\u00e4re es denn einmal damit: die Aussagen der AfD in der Sache zu <em>widerlegen<\/em>, statt ihre Gr\u00fcnder und Mitglieder zu\u00a0<em>diffamieren <\/em>und unter Faschismusverdacht zu stellen? Erfahrene, gestandene Journalisten wie ihr m\u00fc\u00dftet doch in der Lage sein, diese &#8222;rechtskonservativen&#8220; und &#8222;rechtspopulistischen&#8220; Ansichten im Nu zu zerpfl\u00fccken, oder?\u00a0<em> <\/em><\/p>\n<p>Dazu braucht man auch keine Taschenspielertricks und keine vorbereiteten Einspielfilme. Einfach in der Sache widerlegen, Herr Plasberg! Mit Argumenten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat Plasberg das n\u00f6tig? Seine Sendung &#8222;Hart aber fair&#8220; war einmal eine echte Bereicherung der politischen Diskussionskultur. 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