{"id":9362,"date":"2013-09-30T00:18:00","date_gmt":"2013-09-29T22:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=9362"},"modified":"2013-09-30T00:18:00","modified_gmt":"2013-09-29T22:18:00","slug":"benedikt-meldet-sich-zu-wort-und-antwortet-dem-atheismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=9362","title":{"rendered":"Benedikt meldet sich zu Wort &#8211; und antwortet dem Atheismus"},"content":{"rendered":"<p>Der zur\u00fcckgetretene Papst Benedikt hat sich zum ersten Mal wieder \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfert. In einem Brief antwortet er dem Mathematiker und Wissenschaftshistoriker Piergiorgio Odifreddi, der ein bekennender und &#8211; wie die Zeitungen schreiben &#8211; &#8222;namhafter&#8220; Atheist ist.<\/p>\n<p>War das n\u00f6tig? Ich h\u00e4tte ihm abgeraten, sich auf eine solche Diskussion einzulassen, denn der heutige Atheismus \u00e0 la Dawkins ist von einer so schlichten, ja geradezu primitiven Geistesart, da\u00df eine Auseinandersetzung mit dem Florett ganz und gar unm\u00f6glich ist. Wie will man geistreich mit einem Gegner fechten, der nur den Holzpr\u00fcgel kennt?<\/p>\n<p>Zugleich verstehe ich gut, warum Benedikt noch einmal das Wort ergreift. Die Vers\u00f6hnung von Glauben und Vernunft war von Anfang an der rote Faden durch sein Pontifikat. Das ist ja gerade die historische Ironie, da\u00df heute in der Theologie die Vernunft (und ich sage Vernunft, nicht platte Erbsenz\u00e4hlerei!) h\u00f6her geachtet und tiefer verstanden wird als in den Naturwissenschaften. Bei den Naturwissenschaftlern herrscht heute weitgehend eine v\u00f6llige Unkenntnis \u00fcber die philosophischen Grundlagen des Erkenntnisverm\u00f6gens vor. Was die abendl\u00e4ndischen Philosophen von den Vorsokratikern \u00fcber Plato und Aristoteles bis hin zu Kant und Schopenhauer dar\u00fcber geschrieben haben, interessiert sie nicht.<\/p>\n<p>Als habe das alles gar nichts mit ihnen zu tun!<\/p>\n<p>Sie leben und arbeiten in ihrem naturwissenschaftlichen Schneckenhaus, und ob ein Philosoph die Grundlagen ihrer geistigen Existenz in Frage stellt oder nicht, ist ihnen v\u00f6llig wurscht. Da\u00df auch die Wissenschaft ihrerseits auf einer philosophischen Grundlage stehen mu\u00df, wenn sie nicht zur blo\u00dfen Erbsenz\u00e4hlerei ausarten soll, ist den meisten Wissenschaftlern &#8211; jedenfalls den Naturwissenschaftlern! &#8211; nicht mehr begreiflich zu machen. Sie usurpieren den Begriff der Vernunft, ja sie m\u00f6chten ihn f\u00fcr ihre Zunft monopolisieren, obwohl sie doch in der Regel \u00fcber die einfache fachspezifische Methodologie nie hinauskommen.<\/p>\n<p>Deshalb fechten sie K\u00e4mpfe mit einer Theologie aus, die es gar nicht mehr gibt, statt sich der Philosophie und der spannenden, klugen und aufregenden Theologie unserer Zeit zuzuwenden. Noch viel plumper als einst Haeckel st\u00fcrmen sie gegen einen l\u00e4ngst untergegangenen Gegner los &#8211; weil sie ihn als Popanz brauchen, weil sie selbst nicht mehr die geistigen Kr\u00e4fte und das philosophische Wissen haben, um sich mit der <em>heutigen<\/em> Theologie auf Augenh\u00f6he auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Der Atheismus ist heute in einem erbarmungsw\u00fcrdigen Zustand &#8211; und ich sage das durchaus ohne jede Schadenfreude. Im Gegenteil: es macht einfach keinen Spa\u00df, sich mit einem lautstarken und l\u00e4rmenden, aber argumentativ schwachen Gegner zu messen. Und, noch wichtiger: eine dergestalt asymmetrische Diskussion bringt, ganz anders als die gro\u00dfen Atheismusdiskussionen des 19. Jahrhunderts, keinerlei Erkenntnisfortschritt.<\/p>\n<p>Daran wird leider auch Benedikts Brief nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>PS: Ich habe den vollen Wortlaut des Briefes noch nicht gefunden, und auf die Zitate, wie sie in <em>Stern<\/em> und <em>Spiegel<\/em> stehen, m\u00f6chte ich mich nicht verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der zur\u00fcckgetretene Papst Benedikt hat sich zum ersten Mal wieder \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dfert. In einem Brief antwortet er dem Mathematiker und Wissenschaftshistoriker Piergiorgio Odifreddi, der ein bekennender und &#8211; wie die Zeitungen schreiben &#8211; &#8222;namhafter&#8220; Atheist ist. War das n\u00f6tig? 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