{"id":9089,"date":"2013-08-10T12:38:09","date_gmt":"2013-08-10T10:38:09","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=9089"},"modified":"2013-08-11T15:24:53","modified_gmt":"2013-08-11T13:24:53","slug":"die-naturwissenschaftler-der-zweck-der-natur-und-ein-zitat-von-goethe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=9089","title":{"rendered":"Die Naturwissenschaftler, der &#8222;Zweck&#8220; der Natur und ein Zitat von Goethe"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Naturwissenschaftler leiden fast alle an einer Art Zwangsst\u00f6rung, die freilich in der Fachliteratur noch keinen Namen hat. Kaum entdecken sie n\u00e4mlich irgendetwas Neues in der Natur, suchen sie nach dessen <em>Zweck<\/em> oder (wie sie es selbst ausdr\u00fccken) nach dessen evolution\u00e4rem Nutzen. Sie k\u00f6nnen einfach nicht anders. Wenn V\u00f6gel singen, dann <em>darf<\/em> das nur einen Zweck haben: Revierverhalten und Anlocken einer Partnerin. Wenn man aber zu bedenken g\u00e4be, da\u00df der Gesang <em>dar\u00fcber hinaus<\/em> doch auch ein Ausdruck von Lebensfreude sein k\u00f6nnte, sch\u00fctteln sie nur mit dem Kopf. Lebensfreude? Bei einem Vogel?<\/p>\n<p>So wie sie die Gef\u00fchlswelt der Tiere untersch\u00e4tzen und auf das Prokrustesbett ihrer theoretischen Modelle spannen, so untersch\u00e4tzen sie auch immer wieder deren Intelligenz. Viele V\u00f6gel haben eine Intelligenz, die es mit der eines kleinen (Menschen-) Kindes ohne weiteres aufnehmen kann. Wenn das dann durch eine Studie best\u00e4tigt wird, stehen unsere Naturwissenschaftler immer von neuem ge\u00f6ffneten Mundes da und wollen es nicht glauben.<\/p>\n<p>Diese Zwangsst\u00f6rung der Naturwissenschaftler, die zur Unterordnung des reichen und letzlich unerforschlichen Lebens der Tiere unter ihre Modelle f\u00fchrt, ist auch ein Zeichen geistiger Armut. Gewi\u00df, die von ihnen erarbeiteten Modelle und Axiome decken einen gro\u00dfen Teil des sichtbaren (also oberfl\u00e4chlichen) tierischen Verhaltens ab, und einige von ihnen, wie etwa Darwins Evolutionstheorie, haben vieles aufgehellt. Aber es sind doch eben nur Modelle, und damit graue Theorie. An die Tiefe und Vielfalt des tierischen Lebens kommen sie nicht heran. Sie zeigen uns nur ein totes Skelett der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Woran liegt es nun, da\u00df die Naturwissenschaften, trotz ihrer gro\u00dfen Fortschritte, so engstirnig wirken? Es liegt auch daran, da\u00df sie alle Philosophie meiden wie der Teufel das Weihwasser. Damit verzichten sie freiwillig und ohne Grund auf die M\u00f6glichkeit, ihren engen Horizont auszuweiten. Sie halten sich an ihre Methoden, und von allem, was dar\u00fcber hinausgeht, wollen sie nichts wissen. Das f\u00fchrt dazu, da\u00df sie zwar im kleinen sehr erfolgreich sind, das gro\u00dfe Ganze aber aus den Augen verlieren. Der faustische Drang zu erkennen, &#8222;was die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt&#8220;, ist ihnen fremd geworden.<\/p>\n<p>In einem Brief an Zelter, den ich eben gelesen habe, schreibt im Januar 1830 der schon \u00fcber 80j\u00e4hrige Goethe:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist ein grenzenloses Verdienst unsres alten Kant um die Welt, und ich darf auch sagen um mich, da\u00df er, in seiner Kritik der Urteilskraft, Kunst und Natur nebeneinander stellt und beiden das Recht zugesteht: aus gro\u00dfen Prinzipien zwecklos zu handeln. Natur und Kunst sind zu gro\u00df, um auf Zwecke auszugehen, und habens auch nicht n\u00f6tig.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie haben also auch nicht den Zweck, sich in ein naturwissenschaftliches Schema pressen zu lassen. \u00c4ltere und k\u00fcgere &#8211; fast h\u00e4tte ich gesagt: weisere! &#8211; Wissenschaftler wissen das.<\/p>\n<p>Letztlich kommt man immer wieder auf den wissenschaftlich kaum fa\u00dfbaren Begriff des Lebens, den Philosophie und Theologie viel besser traktieren und viel tiefer erfassen als die Erbsenz\u00e4hler der naturwissenschaftlichen Disziplinen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Naturwissenschaftler leiden fast alle an einer Art Zwangsst\u00f6rung, die freilich in der Fachliteratur noch keinen Namen hat. 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