{"id":7837,"date":"2013-01-14T13:49:15","date_gmt":"2013-01-14T12:49:15","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7837"},"modified":"2013-01-15T07:34:05","modified_gmt":"2013-01-15T06:34:05","slug":"bose-kolonialherren-armes-afrika","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7837","title":{"rendered":"B\u00f6se Kolonialherren, armes Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Als die afrikanischen Kolonien in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen wurden, war ich ungef\u00e4hr zehn Jahre alt. Mit Ghana hatte es 1957 angefangen &#8211; ich habe damals, wie die meisten Kinder, Briefmarken gesammelt, und noch heute erinnere ich mich an die ersten bunten Marken des von der Kolonialherrschaft befreiten Ghana. Sogar Fu\u00dfballspieler waren darauf abgebildet &#8211; v\u00f6llig unvorstellbar im guten alten Europa. Drei Jahre sp\u00e4ter erhielten auf einen Schlag gleich 17 afrikanische L\u00e4nder ihre Unabh\u00e4ngigkeit, in den Jahren bis 1968 kamen 15 weitere dazu. Fast der ganze Kontinent war jetzt von den b\u00f6sen Kolonialherren befreit, der Aufbau einer neuen Welt konnte beginnen.<\/p>\n<p>Was ist daraus geworden? Heute bestimmen in gro\u00dfen Teilen des Kontinents korrupte (farbige!) Eliten den Kontinent, die ihre L\u00e4nder aussaugen und ein halbes Jahrhundert lang nichts f\u00fcr den Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft getan haben. Mugabe ist so einer, der ein bl\u00fchendes Land in wenigen Jahren in den Abgrund getrieben hat. Immer wieder hat es Lichtblicke gegeben &#8211; nat\u00fcrlich. Der leuchtendste und wirkungsvollste von ihnen war Nelson Mandela, aber schon sein Nachfolger Zuma ist nur noch eine peinliche Karikatur seines Vorg\u00e4ngers. Mandela war &#8211; buchst\u00e4blich &#8211; ein Gl\u00fccksfall, ein Mann wie er war nicht zu erwarten, und einen Nachfolger wird er nicht haben.<\/p>\n<p>Fast \u00fcberall sonst in Afrika herrschen deprimierende Zust\u00e4nde. F\u00fcrchterliche Despoten, Warlords oder ganz gew\u00f6hnliche und unauff\u00e4llige Blutsauger beherrschen den Kontinent. Vor allem Zentralfrika kommt nicht zur Ruhe &#8211; Milizen, Kindersoldaten, marodierende Banden und &#8222;Befreiungsarmeen&#8220; geben keine Ruhe. Jeder Regierungschef, jeder Pr\u00e4sident, der <em>nicht ganz<\/em> so habgierig, <em>nicht ganz<\/em> so brutal ist wie seine Kollegen, wird von der ganzen Welt bejubelt und ermuntert.<\/p>\n<p>ABER &#8230;<\/p>\n<p>Jetzt stelle ich mir vor, da\u00df mir eben beim Schreiben Renate K\u00fcnast mit kritisch zerfurchter Stirn \u00fcber die Schulter blickt. Die Kolonialherren sind doch schuld an allem! Sie haben die L\u00e4nder ausgepl\u00fcndert, ihre Rohstoffe gestohlen und dann auch noch ohne jede R\u00fccksicht auf die Ethnien (das Wort &#8222;St\u00e4mme&#8220; ist ja inzwischen auch tabu) Nationalstaaten gegr\u00fcndet. Ohne diese Kolonialherren w\u00e4re Afrika heute ein bl\u00fchender Kontinent, ein Paradies auf Erden.<\/p>\n<p>Ja, so oder \u00e4hnlich w\u00fcrde Renate K\u00fcnast reden, und Trittin, Str\u00f6bele und wie sie alle hei\u00dfen auch. Gr\u00fcne und Linke, das mu\u00df man ihnen zugutehalten, leben in ihrer ganz eigenen Welt. So wie es bei manchen Computerprogrammen eigene Ebenen oder <em>Layers <\/em>gibt, die man z.B. \u00fcber Landkarten oder Fotografien legt, so legen sie schon seit langer Zeit ihre gr\u00fcnen und linken Layers \u00fcber die normale Welt. Und das Wunder geschieht &#8211; die normale Welt ist nicht wiederzuerkennen, sie wird durch gr\u00fcne und rote Brillen bis zur Unkenntlichkeit gefiltert.<\/p>\n<p>Da\u00df das Verkehrssystem in manchen afrikanischen L\u00e4ndern noch heute ohne die Schienen, Lokomotiven und Dampfschiffe aus der Kolonialzeit zusammenbrechen w\u00fcrde, ist nat\u00fcrlich eine glatte L\u00fcge. Da\u00df die einheimischen Blutsauger, die ihre L\u00e4nder auspl\u00fcndern, mit der kolonialen Vergangenheit nichts, aber auch gar nichts zu tun haben, ist auch gelogen. Alles, was nicht in dieses doch eher primitive Weltbild fortschrittlicher Frauen und M\u00e4nner pa\u00dft, ist gelogen. Der Kolonialismus mu\u00df gef\u00e4lligst an allem schuld sein, heute, morgen und auch noch in tausend Jahren. Basta!<\/p>\n<p>Wenn man aber den fortschrittlichen Layer entfernt und den Blick auf die Wirklichkeit richtet, erschrickt man. Denn dieser wundersch\u00f6ne Kontinent, der heute \u00fcbrigens vor allem von den v\u00f6llig hemmungslosen <em>chinesischen<\/em> Kolonialherren ausgebeutet wird, hat es nicht verdient, nach dem v\u00f6lligen Versagen der heimischen Eliten ausgerechnet von gr\u00fcnen und linken Ideologen so billig exkulpiert zu werden. Statt die Schuld in wohlfeiler Art auf uns zu nehmen, sollten wir den afrikanischen Staaten helfen, ihre postkolonialen &#8222;Eliten&#8220; m\u00f6glichst schnell loszuwerden. Das wird aber &#8211; so wie die Dinge heute liegen &#8211; ein in jeder Hinsicht langer und schmerzhafter Proze\u00df werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als die afrikanischen Kolonien in die Unabh\u00e4ngigkeit entlassen wurden, war ich ungef\u00e4hr zehn Jahre alt. 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