{"id":7624,"date":"2012-12-20T00:04:21","date_gmt":"2012-12-19T23:04:21","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7624"},"modified":"2012-12-21T18:36:39","modified_gmt":"2012-12-21T17:36:39","slug":"rekorde-ranking-serienmorder-oder-die-sucht-nach-immer-mehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7624","title":{"rendered":"Rekorde, Ranking, Serienm\u00f6rder &#8211; oder: Die Sucht nach immer mehr"},"content":{"rendered":"<p>Schneller, h\u00f6her, weiter, aber vor allem <strong>mehr:<\/strong>\u00a0 das olympische Motto, das dem Sport angemessen ist, hat sich inzwischen wie ein wucherndes Krebsgeschw\u00fcr in alle Teile der Gesellschaft und vor allem in unsere K\u00f6pfe gefressen.<\/p>\n<p>Nehmen wir den furchtbaren Amoklauf in Newtown. Fast jeder Bericht stellte ans Ende eine Art <em>ranking list\u00a0<\/em>der bisherigen Massaker: welches waren die mit den bisher meisten Opfern, welches liegt auf dem zweiten, welches auf dem dritten Platz usw. Es wird ein journalistisches Siegertreppchen f\u00fcr Massaker aufgestellt. Da fehlen nur noch die Medaillen. Bei Bus- und Zugungl\u00fccken ist es nicht anders, da geht nat\u00fcrlich Eschede als klarer Sieger hervor. Und bei den B\u00fcrgerkriegen hat Syrien gute Chancen, zumindest aufs Treppchen zu kommen. Ungl\u00fccke, Kriege, Massenmorde &#8211; das sehen wir heute alles <em>sportlich<\/em>.<\/p>\n<p>Mit dem abstrusen und oft unfreiwillig komischen <em>Guinness Book of Records<\/em> (1955) hat es zwar nicht angefangen, aber der Erfolg dieses Buches \u00fcberall auf der Welt war ein Menetekel. Heute will jeder, wenn er schon nicht Superstar werden kann, wenigstens ins Guinness-Buch der Rekorde. Die Rekorde selbst werden immer kindischer (\u00e0 la &#8222;Der l\u00e4ngste Hefezopf der Welt&#8220;), aber sie werden mit einem Ernst angestrebt, als ob es um den Endlauf \u00fcber 100 m bei den Olympischen Spielen ginge.<\/p>\n<p>Das Prinzip der Steigerung gilt fast \u00fcberall. Nehmen wir nur die Fernsehkrimis: in den 50er und den beginnenden 60er Jahren ging es um Diebstahl und kleine Raubdelikte, sp\u00e4ter auch um bewaffnete Bankr\u00e4uber. Dann kamen die ersten Morde (meist nur angedeutet durch den Schrei des Opfers, nie war Blut zu sehen). Das \u00e4nderte sich bald: schon im <em>Tatort<\/em> war von Anfang an ein Mord pro Film Pflicht. Und wieder ein paar Jahre sp\u00e4ter kamen die ersten Serienm\u00f6rder: hochintelligente Verbrecher, die raffinierte Spuren legten und sich mit dem Kommissar ein Katz- und Mausspiel lieferten. In schwedischen Kriminalfilmen geht es heute kaum noch ohne Serienkiller. Ein Mord ist nicht genug!<\/p>\n<p>Auch sonst mu\u00df es immer mehr sein. Wer will zum Beispiel noch l\u00e4nger als ein paar Jahre am selben Arbeitsplatz verweilen? Das wird bei der n\u00e4chsten Bewerbung nur negativ bewertet. Man will aufsteigen auf der nach oben unendlichen Karriereleiter: immer mehr Geld, mehr Einflu\u00df, mehr Macht im Unternehmen. Fr\u00fcher ist man f\u00fcr seine Unternehmenstreue belohnt worden, heute wird man daf\u00fcr bestraft.<\/p>\n<p>Von den drei grammatischen Steigerungsformen &#8211; Positiv, Komparativ und Superlativ &#8211; sind (so scheint es) in unserer Gesellschaft nur noch Komparativ und Superlativ \u00fcbriggeblieben. Und das ist sehr schade.<\/p>\n<p>Es tut dem Menschen n\u00e4mlich nicht gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schneller, h\u00f6her, weiter, aber vor allem mehr:\u00a0 das olympische Motto, das dem Sport angemessen ist, hat sich inzwischen wie ein wucherndes Krebsgeschw\u00fcr in alle Teile der Gesellschaft und vor allem in unsere K\u00f6pfe gefressen. 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