{"id":7521,"date":"2012-12-08T09:33:21","date_gmt":"2012-12-08T08:33:21","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7521"},"modified":"2012-12-08T09:33:21","modified_gmt":"2012-12-08T08:33:21","slug":"mo-yan-der-feine-herr-nobelpreistrager","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7521","title":{"rendered":"Mo Yan, der feine Herr Nobelpreistr\u00e4ger"},"content":{"rendered":"<p>Den Entscheidungen der Nobelpreiskomitees &#8211; besonders beim Friedens- und beim Literaturnobelpreis &#8211; wird oft Einseitigkeit vorgeworfen: man w\u00e4hle die Preistr\u00e4ger aus westlicher und politischer Sicht aus. Davon hat man sich jetzt aber endg\u00fcltig emanzipiert. Mit Mo Yan hat ein braver, staatstragender chinesischer Dichter den Nobelpreis f\u00fcr Literatur bekommen.<\/p>\n<p>Vielleicht hat er ihn f\u00fcr seine Dichtungen verdient &#8211; das kann ich nicht beurteilen. Aber da\u00df ein so hoch Geehrter auch nach seinen menschlichen, moralischen und politischen Auffassungen beurteilt wird, versteht sich von selbst, das ist auch allen seinen Vorg\u00e4ngern so ergangen. Es ist ja schlie\u00dflich ein Unterschied, ob einer im warmen Nest, von der Obrigkeit hofiert und besch\u00fctzt, seine Verse schreibt, oder ob er mutig und unter Einsatz seiner Gesundheit und seines Lebens gegen die Ungerechtigkeit k\u00e4mpft.Wenn nun der aus dem warmen Nest, von der Regierung geh\u00e4tschelt und gelobt, kein einziges mitf\u00fchlendes Wort findet f\u00fcr seine Kollegen, die in Gef\u00e4ngnissen und Straflagern sitzen, und zwar nur deshalb, weil sie unliebsame Texte geschrieben haben! &#8211; dann sollte er sich schon fragen, ob er den h\u00f6chsten Preis verdient hat, den ein Schriftsteller bekommen kann.<\/p>\n<p>Schon \u00fcber einen kleinen, zarten Hinweis auf die mit brutaler Rohheit behandelten Kollegen h\u00e4tte man sich gefreut &#8211; aber sie waren Mo Yan nicht zu entlocken. Im Gegenteil! Die Zensur, sagte Mo Yan am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, sei ein &#8222;notwendiges \u00dcbel&#8220; &#8211; und er verglich sie mit den Sicherheitskontrollen auf Flugh\u00e4fen (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/literaturnobelpreistraeger-in-stockholm-mo-yan-relativiert-zensur-1.1543895\">hier<\/a> nachzulesen). Zensur gebe es schlie\u00dflich in jedem Land der Welt &#8211; nur der jeweilige Grad sei unterschiedlich. Auf die Frage, ob er f\u00fcr eine Entlassung seines zu elf Jahren Haft verurteilten Schriftstellerkollegen Liu\u00a0 Xiaobo eintrete, meinte er nur:<\/p>\n<blockquote><p>Lassen wir das die Zeit entscheiden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus solchem Holz ist also der neue Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Literatur geschnitzt. Ai Weiwei, der jeden Tag damit rechnen mu\u00df, da\u00df er wieder verschleppt oder von amtlich bezahlten Schl\u00e4gern halbtot gepr\u00fcgelt wird, sagte nur, Mo solle sich sch\u00e4men.Und Patrick Poon, der das PEN-Zentrum unabh\u00e4ngiger chinesischer Schriftsteller in Hongkong leitet, meinte:<\/p>\n<blockquote><p>Da\u00df ein Nobelpreistr\u00e4ger die Zensur unterst\u00fctzt, kann auf keinen Fall akzeptiert werden. Wir alle sollten uns fragen, ob ein solcher Schriftsteller den h\u00f6chsten Literaturpreis der Welt verdient hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Mo Yan ist ein Zyniker&#8220;, schreibt auch Liao Yiwu, der einer langj\u00e4hrigen Gef\u00e4ngnisstrafe nur durch eine abenteuerliche Flucht nach Berlin entgangen ist. Und Herta M\u00fcller, die den Nobelpreis f\u00fcr Literatur 2009 erhalten hat, nennt die Entscheidung f\u00fcr Mo Yan eine &#8222;Katastrophe&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Das ist eine Ohrfeige f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte einsetzen.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Entscheidungen der Nobelpreiskomitees &#8211; besonders beim Friedens- und beim Literaturnobelpreis &#8211; wird oft Einseitigkeit vorgeworfen: man w\u00e4hle die Preistr\u00e4ger aus westlicher und politischer Sicht aus. Davon hat man sich jetzt aber endg\u00fcltig emanzipiert. 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