{"id":7205,"date":"2012-11-10T00:53:35","date_gmt":"2012-11-09T23:53:35","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7205"},"modified":"2012-11-10T12:20:36","modified_gmt":"2012-11-10T11:20:36","slug":"peer-steinbruck-das-betreuungsgeld-und-die-nackte-not-von-frauen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=7205","title":{"rendered":"Peer Steinbr\u00fcck, das Betreuungsgeld und die &#8222;nackte Not von Frauen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6nnte es sein, da\u00df man Peer Steinbr\u00fcck die ganze Zeit \u00fcbersch\u00e4tzt hat? Gut, er hat einen angenehm trockenen Humor, wie er in der Politik selten geworden ist. Und er hat (was bei den Deutschen schwer wiegt) den Segen des Altbundeskanzlers Helmut Schmidt. Aber wenn man h\u00f6rt, was er gestern im Bundestag etwa \u00fcber das Betreuungsgeld gesagt hat, dann schrumpft er intellektuell doch auf ein sehr durchschnittliches Ma\u00df. Er teilt n\u00e4mlich die dumpfen, ideologischen Ressentiments, wie sie zur Zeit \u00fcberall in voller Bl\u00fcte stehen.<\/p>\n<p>Das Betreuungsgeld &#8211; das ist sein Kernsatz &#8211; sei nicht nur &#8222;bildungs-, finanz-, gesellschafts- und arbeitsmarktpolitisch falsch&#8220;, sondern &#8222;schwachsinnig&#8220;.<\/p>\n<p>Warum, um alles in der Welt, ist das Betreuungsgeld &#8222;bildungspolitisch falsch&#8220;? Sollen Einj\u00e4hrige jetzt in der Kinderkrippe schon das kleine Einmaleins lernen, statt zuhause, wie immer suggeriert wird, geistig zu verk\u00fcmmern? Oder wie meint er das sonst? In Wirklichkeit ist es gerade umgekehrt: das Betreuungsgeld ist bildungspolitisch <em>richtig<\/em>, denn ein Kind, das in den ersten Jahren durch die liebevolle Erziehung durch Vater und Mutter ein Urvertrauen aufbaut, hat es sp\u00e4ter auch in der Schule viel leichter. Sozialkontakte werden erst dann wichtig, wenn dieses Vertrauen da ist, also im eigentlichen Kindergartenalter. Deshalb sind Kindergartenpl\u00e4tze f\u00fcr die vier- und f\u00fcnfj\u00e4hrigen Kinder enorm wichtig. Man sollte sogar \u00fcberlegen, ob man neben der Schulpflicht nicht auch eine Kindergartenpflicht einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Krippenpl\u00e4tze sind auch wichtig, aber nicht f\u00fcr das Kind, sondern nur f\u00fcr die M\u00fctter und V\u00e4ter, weil die Arbeitgeber, die jetzt gro\u00dfm\u00e4ulig gegen das Betreuungsgeld argumentieren, zwar von ihren Mitarbeitern eine permanente Flexibilit\u00e4t verlangen, selbst aber so flexibel sind wie eine eingerostete Schraube.<\/p>\n<p>Und warum ist das Betreuungsgeld &#8222;gesellschaftspolitisch falsch&#8220;? Betet Steinbr\u00fcck da das dumme Argument aller fortschrittlichen Menschen nach, da\u00df man nur durch die Krippen die Kinder des Prekariats aus den Klauen der h\u00e4uslichen Vernachl\u00e4ssigung befreien kann? Das ist eine Argumentation am Rande des Schwachsinns, denn man sagt damit: wenn die Eltern, die dem Prekariat angeh\u00f6ren, kein Betreuungsgeld bekommen, werden sie ihre Kinder ohne Verlierung einer Minute in die Kinderkrippe schicken. Dieses Argument ist so schwach, da\u00df man es nicht einmal Cornelia Pieper zutrauen w\u00fcrde! Hier versucht Steinbr\u00fcck, dem aus seiner Partei viel Widerstand entgegenschl\u00e4gt, sich dem linken und feministischen Fl\u00fcgel der SPD anzubiedern. Deshalb redet er von der &#8222;nackten Not von Frauen&#8220; und von einer &#8222;biedermeierlichen Idylle&#8220;. Eine Idylle, lieber Herr Steinbr\u00fcck, ist nichts Garstiges, Schlimmes &#8211; eine Idylle ist etwas Sch\u00f6nes, etwas, das wir uns alle w\u00fcnschen. Oder sollen wir jetzt nur noch das Prek\u00e4re, das Patchwork, das Alleinerziehen herbeiw\u00fcnschen? Ist es schon so weit, da\u00df uns mi\u00dflungene Beziehungen, mi\u00dflungene Familiengr\u00fcndungen mehr am Herzen liegen sollen als die gelungenen, die es doch auch \u00fcber all im Land gibt?<\/p>\n<p>Das einzige der Steinbr\u00fcckschen Argumente, das klar und eindeutig ist: das Betreuungsgeld sei &#8222;arbeitsmarktpolitisch falsch&#8220;.\u00a0 Da werden sich die Reinigungsunternehmen, die Discounter und die Zeitarbeitsfirmen aber freuen, da\u00df der SPD-Kandidat die jungen M\u00fctter so schnell wie m\u00f6glich wieder ins Arbeitsleben zwingen will! Da geh\u00f6ren sie ja auch hin &#8211; und nicht etwa zu ihren neugeborenen Kindern, nicht wahr? Auf die Arbeitsmarktpolitik l\u00e4uft es am Ende, wenn alle Argumente widerlegt sind, immer hinaus.<\/p>\n<p>Nun habe ich ja volles Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, da\u00df die Firmen selbst auf die jungen Frauen, denen sie oft nur Hungerl\u00f6hne zahlen, nicht verzichten wollen. Da w\u00e4ren sie ja sch\u00f6n bl\u00f6d. Aber was bringt einen Spitzenkandidaten der SPD, was bringt gar den Deutschen Gewerkschaftsbund dazu, denselben Schmarrn zu erz\u00e4hlen? Es ist nichts anderes als der ideologische Verzicht aufs selbst\u00e4ndige Denken. Nicht umsonst hatten es Staaten mit kommunistischer Ideologie besonders eilig, schon die kleinsten Kinder in die \u00f6ffentlichen Betreuungseinrichtungen zu verfrachten.<\/p>\n<p>Das Betreuungsgeld ist also nicht &#8222;schwachsinnig&#8220;, ganz im Gegenteil. Es ist allerdings, so wie es geplant ist, viel zu niedrig.<\/p>\n<p>Aber die gr\u00fcn-links-feministischen Ideologen haben es offenbar auch bei uns geschafft, den Frauen einzureden, es sei irgendwie pervers, die eigenen Kinder selbst zu erziehen. Nein, es ist pervers, ein Kind, kaum da\u00df es auf der Welt ist, in eine Kinderkrippe zu stecken.<\/p>\n<p>Basta!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6nnte es sein, da\u00df man Peer Steinbr\u00fcck die ganze Zeit \u00fcbersch\u00e4tzt hat? 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