{"id":6606,"date":"2012-09-05T00:02:40","date_gmt":"2012-09-04T22:02:40","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6606"},"modified":"2012-09-05T00:02:40","modified_gmt":"2012-09-04T22:02:40","slug":"ein-axtmorder-als-gefeierter-staatsheld","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6606","title":{"rendered":"Ein Axtm\u00f6rder als gefeierter Staatsheld"},"content":{"rendered":"<p>Totschl\u00e4ger, M\u00f6rder und Amokl\u00e4ufer gibt es in allen Gesellschaften der Welt. Normalerweise werden sie gesucht, verhaftet und eingesperrt.<\/p>\n<p>Aber nicht allen widerf\u00e4hrt dieses Schicksal.<\/p>\n<p>Ramil Safarow zum Beispiel ist ein Gl\u00fcckskind. Er nahm 2004 als aserbaidschanischer Offizier an einem Nato-Seminar in Budapest teil. Auch Offiziere aus Armenien, dem alten Feindesland, waren anwesend. Safarow ging also in einen Supermarkt, kaufte eine Axt und t\u00f6tete den friedlich schlafenden armenischen Leutnant Gurgen Margaryan mit 16 Axthieben. Dessen Kopf wurde dabei fast vollst\u00e4ndig abgetrennt. Es hatte keinen Streit gegeben, auch eine Frau war nicht im Spiel. Es gen\u00fcgte, da\u00df das Opfer ein christlicher Armenier war. Schon ein Jahr sp\u00e4ter wurde der feige M\u00f6rder von einer aserbaidschanischen Partei zum &#8222;Mann des\u00a0 Jahres 2005&#8220; gew\u00e4hlt. Der Vorsitzende dieser Partei sagte (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ramil_S%C9%99f%C9%99rov\">hier<\/a> nachzulesen):<\/p>\n<blockquote><p>Es ist mir vollkommen egal, wie er den armenischen Offizier get\u00f6tet hat. Wichtig ist, da\u00df es jetzt einen \u201aGurgen\u2018 [gemeint ist Armenier] weniger gibt, und je mehr Aserbaidschaner Armenier t\u00f6ten werden, desto weniger werden sie.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich wurde der M\u00f6rder von den ungarischen Beh\u00f6rden verhaftet und erst einmal ins Gef\u00e4ngnis gesteckt. Aber dann ereignete sich Wundersames. Trotz des Urteils (lebensl\u00e4nglich mit fr\u00fchestm\u00f6glicher Freilassung im Jahr 2036) wurde er soeben nach nur acht Jahren von Ungarn nach Aserbaidschan \u00fcberstellt. Der ungarische Ministerpr\u00e4sident Orb\u00e1n hatte sich in Verhandlungen mit der Regierung in Baku pers\u00f6nlich daf\u00fcr engagiert, bestand allerdings darauf, da\u00df Aserbaidschan den M\u00f6rder bis 2036 einsitzen l\u00e4\u00dft. Angeblich wurde das auch schriftlich zugesichert.<\/p>\n<p>Nun mu\u00df man wissen, da\u00df es Ungarn wirtschaftlich sehr schlecht geht. Vor einiger Zeit, als China dem Land gro\u00dfz\u00fcgige Hilfe zusagte, hatte Orb\u00e1n schon gro\u00dfm\u00e4ulig den ewigen Wohlstand ausgerufen, aber daraus wurde offenbar nicht viel. Jetzt setzt er seine Hoffnungen auf Aserbaidschan, und die \u00dcberstellung des Axtm\u00f6rders sollte dabei wohl eine Art <em>door opener<\/em> werden. Aserbaidschan ist reich an \u00d6l, und Orb\u00e1ns Hoffnung war wohl, da\u00df die Regierung in Baku ungarische Staatsanleihen kauft.<\/p>\n<p>Also: der Meuchelm\u00f6rder trifft in seiner Heimat ein &#8211; und was geschieht? Wird er gleich ins Gef\u00e4ngnis gesteckt?\u00a0 Weit gefehlt! Er wird von der aserbaidschanischen Regierung als &#8222;Held&#8220; begr\u00fc\u00dft, zum Major bef\u00f6rdert, er erh\u00e4lt dazu noch amtlicherseits eine sch\u00f6ne Wohnung &#8211; und r\u00fcckwirkend seinen Sold f\u00fcr die acht Jahre, die er im ungarischen Gef\u00e4ngnis zugebracht hat. Wer einen armenischen Christen heimt\u00fcckisch im Schlaf abschlachtet, kann ja nur ein guter Mensch sein. Ein guter Muslim auf jeden Fall!<\/p>\n<p>Nur ein Wort noch zu Aserbaidschan und Armenien. Es gibt V\u00f6lker, die durch einen unerforschlichen Ratschlu\u00df der Geschichte immer wieder zu Schlachtopfern werden. Die Juden geh\u00f6ren dazu, sie vor allem &#8211; aber die Armenier auch. Ihre grausame Verfolgung durch die Jungt\u00fcrken w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs pr\u00e4gt sie bis auf den heutigen Tag. Wie in Israel hat sich auch im nun endlich unabh\u00e4ngigen Armenien die geschichtliche \u00dcberzeugung durchgesetzt, da\u00df man nie mehr Schlachtopfer sein will. Die Armenier haben deshalb die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Enklave Bergkarabach, die isoliert mitten im aserbaidschanischen Territorium liegt, erobert und wollen sie trotz verschiedener UN-Resolutionen nicht wieder hergeben.<\/p>\n<p>Ich verstehe das, und die Welt, die dem t\u00fcrkischen V\u00f6lkermord an den Armeniern einfach zugeschaut hat, sollte verstehen, da\u00df dieses Land, das &#8211; wie Israel &#8211; von muslimischen Staaten umgeben ist, das Recht hat, seine Existenz auch milit\u00e4risch zu sichern. Niemand will immerfort Pogromen ausgesetzt sein.<\/p>\n<p>Und Armenien, das wollen wir auch nicht vergessen, ist das erste christliche Land der Welt. Dort wurde 301 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion erkl\u00e4rt. Da war an Mohammed noch nicht zu denken.<\/p>\n<p>PS: Wenn Sie einmal einen guten historischen Roman \u00fcber den V\u00f6lkermord an den Armeniern lesen wollen, dann sollten Sie unbedingt zu Franz Werfels <em>Die vierzig Tage des Musa Dagh<\/em> greifen. Aber was hei\u00dft gut! Es ist einer der besten historischen Romane, die je geschrieben wurden. Und er wurde mit einer so warmen Anteilnahme am Schicksal des armenischen Volkes geschrieben, da\u00df dieses kleine, verfolgte, immer wieder unterdr\u00fcckte und geteilte Volk Werfel bis heute als seinen Landsmann <em>honoris causa<\/em> begreift.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Totschl\u00e4ger, M\u00f6rder und Amokl\u00e4ufer gibt es in allen Gesellschaften der Welt. Normalerweise werden sie gesucht, verhaftet und eingesperrt. Aber nicht allen widerf\u00e4hrt dieses Schicksal. Ramil Safarow zum Beispiel ist ein Gl\u00fcckskind. 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