{"id":651,"date":"2011-05-21T20:02:46","date_gmt":"2011-05-21T18:02:46","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=651"},"modified":"2011-05-21T20:02:46","modified_gmt":"2011-05-21T18:02:46","slug":"der-fluch-der-ol-palme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=651","title":{"rendered":"Der Fluch der (\u00d6l-) Palme"},"content":{"rendered":"<p>Zur Palme haben die meisten Menschen ein ganz besonderes Verh\u00e4ltnis: mit ihr assoziiert man Urlaub, tropische W\u00e4rme, S\u00fcdsee, Oasen in der W\u00fcste, Sandstr\u00e4nde. Aber nat\u00fcrlich waren verschiedene Palmenarten auch schon immer von wirtschaftlichem Interesse: die Kokospalme, die \u00fcberall in den Tropen angebaut wird, ist so ein Fall. Fast alles an ihr wird genutzt, die Kokosnu\u00df selbst nat\u00fcrlich mit Fruchtfleisch und Kokoswasser, es gibt Kokosmilch, Kokosfasern, Palmenherzen (als Salat), Palmwein, Palmhonig. Aus dem Stamm der Kokospalme hat man Boote, H\u00fctten und M\u00f6bel gebaut, aus den Palmwedeln D\u00e4cher.<\/p>\n<p>Dieser nachhaltige Umgang mit einer so segensreichen Pflanze n\u00e4hert sich in unserer globalisierten Welt langsam dem Ende. Jetzt scheint eine andere Palme einen viel gef\u00e4hrlicheren Siegeszug anzutreten: die <strong>\u00d6lpalme <\/strong>(Elaeis guineensis).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/\u00d6lpalme1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-653 aligncenter\" title=\"\u00d6lpalme\" src=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/\u00d6lpalme1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/\u00d6lpalme1-300x225.jpg 300w, http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/\u00d6lpalme1.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Diese Palme (das Bild habe ich der Wikipedia entnommen) wird nun ganz und gar nicht mehr von den einheimischen V\u00f6lkern f\u00fcr ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse angebaut, ganz im Gegenteil. Die gro\u00dfen \u00d6lpalm-Plantagen arbeiten schon lange vor allem f\u00fcr die internationalen Lebensmittel- und Kosmetikkonzerne. Palm\u00f6l ist ein Grundstoff f\u00fcr Margarine, Schokolade, Fritierfette, Glasuren und S\u00fc\u00dfwaren, es findet sich in Waschmitteln und Kosmetika, neuerdings wird es auch (auf immer gr\u00f6\u00dferen Anbaufl\u00e4chen) als &#8222;Biodiesel&#8220; in unseren Autos verbrannt.<\/p>\n<p>An dem dummen Geschw\u00e4tz von &#8222;nachhaltigen Energiepflanzen&#8220; waren die ihren gr\u00fcnen Wurzeln l\u00e4ngst entfremdeten, mehr und mehr technologisch denkenden Gr\u00fcnen von Anfang an schuldhaft beteiligt. Da\u00df sie sich in letzter Zeit, auch gedr\u00e4ngt von der eigenen Basis, kritischer \u00e4u\u00dfern, ist begr\u00fc\u00dfenswert, kann aber die Folgen nicht mehr verhindern. Jetzt werden Regenw\u00e4lder gerodet, damit an ihrer Stelle gigantische Monokulturen aus \u00d6lpalmen f\u00fcr den Export gepflanzt werden k\u00f6nnen. In Indonesien zum Beispiel, das ohnehin kaum Hemmungen hat, seine Natur meistbietend an die internationalen Konzerne zu verkaufen, sind allein bis 2005 neue Palm\u00f6lplantagen auf einer Fl\u00e4che von drei Millionen Hektar entstanden, in Malaysia sind es fast zwei Millionen Hektar. Durch Brandrodungen wird der Regenwald zerst\u00f6rt, dann entstehen auf den gerodeten Fl\u00e4chen \u00d6lpalm-Monokulturen bis zum Horizont, die nur unter gewaltigem Einsatz von Bew\u00e4sserung und Pestiziden am Leben gehalten werden k\u00f6nnen. Das Aussterben des Orang-Utans, dessen letzte Refugien dadurch immer mehr schrumpfen, ist wahrscheinlich nicht mehr zu verhindern.<\/p>\n<p>Inzwischen hat auch in S\u00fcdamerika der Fl\u00e4chenverbrauch f\u00fcr die \u00d6lpalme riesige Ausma\u00dfe angenommen. In Ecuador, Kolumbien und Brasilien werden daf\u00fcr immer mehr Fl\u00e4chen vernichtet, vor allem das Amazonasgebiet weckt die Begehrlichkeit von Regierung und Wirtschaft. &#8222;Das Palm\u00f6l ist unser gr\u00fcnes Erd\u00f6l&#8220;, meinte der brasilianische Senator Flexa Ribeiro. Unter den Abnehmerl\u00e4ndern r\u00fcckt das energiehungrige und \u00f6kologisch ohnehin v\u00f6llig hemmungslose China immer weiter nach oben. Aber auch Indien und Pakistan sind ganz vorn dabei &#8211; und die EU.<\/p>\n<p>Der st\u00e4ndige anwachsende Protest von Umweltverb\u00e4nden wie <em>WWF <\/em>oder <em>Rettet den Regenwald<\/em> gegen diese Entwicklung hat dazu gef\u00fchrt, da\u00df sich die betroffenen Regierungen und Konzerne zu beschwichtigenden Ma\u00dfnahmen herablassen: man setzt sich an runde Tische, redet von der Zertifizierung der Nachhaltigkeit und verspricht, \u00d6lpalmen nur noch auf Brachland anzubauen. Nichts davon sollte man glauben.<\/p>\n<p>Die einzige ernstzunehmende Gegenma\u00dfnahme w\u00e4re ein vollst\u00e4ndiges Importverbot f\u00fcr Palm\u00f6l. Aber selbst wenn das in Deutschland oder der EU durchzusetzen w\u00e4re &#8211; China, Indien, Pakistan und die anderen (in letzter Zeit hochgelobten) &#8222;Schwellenl\u00e4nder&#8220; w\u00fcrden sofort in die Bresche springen.<\/p>\n<p>Fast w\u00e4re man geneigt, hier von einer &#8222;Achse des (\u00f6kologisch) B\u00f6sen&#8220; zu reden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Palme haben die meisten Menschen ein ganz besonderes Verh\u00e4ltnis: mit ihr assoziiert man Urlaub, tropische W\u00e4rme, S\u00fcdsee, Oasen in der W\u00fcste, Sandstr\u00e4nde. 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