{"id":6472,"date":"2012-08-22T15:00:32","date_gmt":"2012-08-22T13:00:32","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6472"},"modified":"2012-08-22T15:16:01","modified_gmt":"2012-08-22T13:16:01","slug":"die-walsersche-unscharfe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6472","title":{"rendered":"Die Walsersche Unsch\u00e4rfe"},"content":{"rendered":"<p>Um es gleich zu sagen: ich bin kein gro\u00dfer Freund von Martin Walser. Das mag ungerecht sein gegen\u00fcber einem gro\u00dfen Schriftsteller, aber hier geht es eben um ein M\u00f6gen oder Nicht-M\u00f6gen. Da spielt vieles hinein an Zuneigung, Abneigung, Chemie &#8211; aber auch an seiner Verwendung der Sprache. Und das ist vielleicht der Hauptgrund f\u00fcr meine Abneigung. Wenn ich einen seiner Aufs\u00e4tze lese, frage ich mich am Ende oft: was wollte der Dichter eigentlich damit sagen? Und es ist genau das, was ich bei einem Schriftsteller ebenso unertr\u00e4glich finde wie im ganz normalen Feuilleton. Ich will doch wenigstens wissen, was mir in dem Artikel gesagt werden soll! Einen Text, zu dessen Verst\u00e4ndnis ich Entschl\u00fcsselungslogarithmen brauche, tue ich mir nicht an. Das alles beziehe ich wohlgemerkt nur auf Sachartikel. In der Literatur verh\u00e4lt es sich anders: sie haben, wenn sie echte Literatur sind, immer Tiefe, also Ebenen, Schichten, sie sind durch einmaliges Lesen nicht vollst\u00e4ndig zu erfassen.<\/p>\n<p>Martin Walser hat in der F.A.Z. vom 20. August (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/europas-zukunft\/martin-walser-das-richtige-europa-11862185.html\">hier<\/a> nachzulesen) eine Lanze f\u00fcr Europa gebrochen, und zwar f\u00fcr das <em>geistige Europa<\/em>, das ohne die Griechen nicht einmal denkbar ist. Wo w\u00e4ren wir heute &#8211; selbst im 21. Jahrhundert &#8211; ohne die Griechen? K\u00fcmmerlich ginge es zu bei uns ohne Aischylos, Sophokles und Euripides, ohne Sokrates und Plato und Aristoteles, ohne Hippokrates und die Vorsokratiker der ionischen K\u00fcste. Mit Walsers Artikel, der auch die griechischen Sp\u00e4tfolgen bis H\u00f6lderlin und Nietzsche beschreibt, bin ich vollst\u00e4ndig einverstanden.<\/p>\n<p>ABER &#8230;<\/p>\n<p>Aber da ist wieder diese unbegreifliche Walsersche Unsch\u00e4rfe, die alles miteinander vermengt, was gar nicht zusammengeh\u00f6rt. Denn auch Walser bindet in einer fast irrationalen Weise den europ\u00e4ischen Geist an die europ\u00e4ische W\u00e4hrung.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir ihn selbst:<\/p>\n<blockquote><p>Meine Zustimmung hat nur der, der die europ\u00e4ische Union auch als W\u00e4hrungseinheit will. Es gibt den Euro. Er ist mehr als eine W\u00e4hrung. Er ist ein Medium der Kommunikation beziehungsweise eine Sprache, die in Europa jeder versteht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Niemand wird leugnen, da\u00df die gemeinsame europ\u00e4ische W\u00e4hrung sch\u00f6n und bequem ist. Aber die Frage ist doch: ist sie notwendig? F\u00fcr das geistige Europa, \u00fcber das Walser im Fortgang seiner Gedanken dann redet, sicher nicht. Nirgends in seinem Artikel begr\u00fcndet er den notwendigen Zusammenhang von gemeinsamer W\u00e4hrung und gemeinsamer Kultur. Er sagt einfach: es ist so! Auch das ist so eine Walsersche Unsch\u00e4rfe, wie ich sie nicht mag. Was, um Himmels willen, haben Sch\u00e4uble und der Euro mit H\u00f6lderlin und Nietzsche zu tun? Ich habe es selbst nach mehrmaligem Lesen nicht verstanden.<\/p>\n<p>Wir sollten uns, finde ich, die so ungeheure Wichtigkeit des Euro weder von den Finanzm\u00e4rkten noch von den jungen Abg\u00e4ngern der wirtschaftlichen &#8222;Elite&#8220;-Hochschulen einreden lassen. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn man den Euro erhalten k\u00f6nnte, schon aus purer Bequemlichkeit beim Reisen, aber mit dem geistigen Europa, mit der Kultur und Geschichte unseres alten Kontinents hat er wenig zu tun.<\/p>\n<p>Martin Walser zum Trotz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um es gleich zu sagen: ich bin kein gro\u00dfer Freund von Martin Walser. Das mag ungerecht sein gegen\u00fcber einem gro\u00dfen Schriftsteller, aber hier geht es eben um ein M\u00f6gen oder Nicht-M\u00f6gen. 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