{"id":639,"date":"2011-05-20T14:06:31","date_gmt":"2011-05-20T12:06:31","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=639"},"modified":"2011-05-20T14:27:43","modified_gmt":"2011-05-20T12:27:43","slug":"amerika-und-das-alte-europa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=639","title":{"rendered":"Amerika und das alte Europa"},"content":{"rendered":"<p>Der Fall Strauss-Kahn wird diesseits und jenseits des Atlantiks mit einer Sch\u00e4rfe diskutiert, die \u00fcberrascht. Sind Europa und die USA denn nicht gerade durch ihre gemeinsamen Werte, zu deren innerstem Kern die Rechtstaatlichkeit geh\u00f6rt, eng verbunden?<\/p>\n<p>Bei Maybrit Illner war gestern abend auch die US-Journalistin Heather DeLisle zu Gast. Sie ist in Deutschland geboren, arbeitet als Korrespondentin u.a. f\u00fcr ABC und bekennt sich zur Republikanischen Partei (was in unserem Fall aber weniger wichtig ist). Schon viel interessanter war, wie aggressiv sie ohne eine Spur von Nachdenklichkeit das amerikanische Rechtssystem vertreten hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich ihre deutschen Kollegen eher differenziert und durchaus auch selbstkritisch \u00fcber den Zustand der Dinge in Europa \u00e4u\u00dfern, feuert sie nur Breitseiten gegen Europa ab. Nat\u00fcrlich werden in den USA alle Mensch gleich behandelt, vom IWF-Chef bis zum Zimmerm\u00e4dchen, dagegen herrschen im alten Europa (so klingen jedenfalls ihre Einlassungen) noch immer Geld, Macht und Adel. Die Unschuldsvermutung hat bei ihr fast keinen Stellenwert. Da\u00df Strauss-Kahn der &#8222;T\u00e4ter&#8220;, das Zimmerm\u00e4dchen das &#8222;Opfer&#8220; ist, wird vorausgesetzt. Ein Mann, der doch zun\u00e4chst eines Verbrechens nur beschuldigt wird, aber keineswegs \u00fcberf\u00fchrt ist, wird in Handschellen vorgef\u00fchrt, und Frau DeLisle macht aus diesem \u00fcblen Spektakel einen Triumph der <em>democracy<\/em>. Sie instrumentalisiert damit nicht nur den (vermeintlichen) T\u00e4ter, sondern auch das (vermeintliche) Opfer.<\/p>\n<p>Maureen Dowd schreibt in ihrer Kolumne in der\u00a0<em>New York Times<\/em> von einer &#8222;begeisternden Geschichte&#8220;, weil &#8222;selbst einem Zimmerm\u00e4dchen&#8220; (!) W\u00fcrde zugestanden wird, wenn es &#8222;einen der m\u00e4chtigsten M\u00e4nner der Welt bezichtigt, ein Raubtier zu sein&#8220;. Mu\u00df man bei einer solchen Wortwahl noch etwas \u00fcber Vorverurteilung und Unschuldsvermutung sagen?<\/p>\n<p>Ja, Frau DeLisle, ich lebe im &#8222;alten Europa&#8220; (wie es der in jeder Hinsicht uns\u00e4gliche US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einmal ausgedr\u00fcckt hat). Und ich danke Gott daf\u00fcr, da\u00df ich hier lebe! Ich wei\u00df, da\u00df auch unser Rechtssystem seine Schw\u00e4chen hat, aber wer auch immer bei uns in die M\u00fchlen der Justiz ger\u00e4t (und das kann manchmal ganz schnell gehen), ist so lange unschuldig, bis ihn ein Richter verurteilt hat. Der Pranger hat bei uns (anders als in den Vereinigten Staaten) ausgedient &#8211; und wir wollen ihn auch nicht wiederhaben.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen sollte ein Land, das seine Landsleute mit bestialischen Methoden &#8222;hinrichtet&#8220; (inzwischen sind es an die f\u00fcnfzig Vollstreckungen pro Jahr), besser einmal \u00fcber das eigene Rechtssystem nachdenken. Frau DeLisle freilich, die seltsamerweise auch f\u00fcr die Deutsche Welle arbeitet, wird das wohl nicht tun. F\u00fcr sie geh\u00f6rt die Todesstrafe zu den &#8222;amerikanischen Werten&#8220;, f\u00fcr die sie k\u00e4mpft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fall Strauss-Kahn wird diesseits und jenseits des Atlantiks mit einer Sch\u00e4rfe diskutiert, die \u00fcberrascht. Sind Europa und die USA denn nicht gerade durch ihre gemeinsamen Werte, zu deren innerstem Kern die Rechtstaatlichkeit geh\u00f6rt, eng verbunden? 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