{"id":6383,"date":"2012-08-15T01:12:37","date_gmt":"2012-08-14T23:12:37","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6383"},"modified":"2012-08-15T01:12:37","modified_gmt":"2012-08-14T23:12:37","slug":"nur-die-grose-zahlt-jedenfalls-fur-oettinger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6383","title":{"rendered":"Nur die Gr\u00f6\u00dfe z\u00e4hlt &#8211; jedenfalls f\u00fcr Oettinger"},"content":{"rendered":"<p>Der fr\u00fchere Ministerpr\u00e4sident Oettinger &#8211; heute Energiekommissar der EU &#8211; hat in seinem Leben schon viel dummes Zeug geredet. Man wird sich an seine Prophezeiung erinnern, da\u00df die deutsche Sprache bald nur noch in der Stube gesprochen w\u00fcrde. Sobald man das Haus verlasse, also zum Beispiel in der Arbeitswelt, solle man gef\u00e4lligst englisch miteinander reden.<\/p>\n<p>Und in diesem Stil macht er weiter. In einem Interview mit BILD (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/guenther-oettinger\/oettinger-deutschlands-strompreise-sind-zu-hoch-25639664.bild.html\">hier<\/a> nachzulesen) sagt er jetzt:<\/p>\n<blockquote><p>Die Nationalstaaten in Europa sind alleine viel zu klein.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist ein Satz, \u00fcber den man lange nachdenken kann. Warum alleine? Und zu klein wof\u00fcr? Um zufrieden und gl\u00fccklich zu sein? Das kann man auch in D\u00e4nemark, wahrscheinlich sogar in Andorra oder Liechtenstein.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich denkt ein Oettinger in gr\u00f6\u00dferen Dimensionen. Deshalb f\u00fcgt er eine Erkl\u00e4rung hinzu:<\/p>\n<blockquote><p>Deutschland als gr\u00f6\u00dftes Land der EU stellt in wenigen Jahren nur noch ein Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. Wenn wir in der Weltpolitik noch eine Rolle spielen wollen, brauchen wir eine Gr\u00f6\u00dfe wie die EU.<\/p><\/blockquote>\n<p>Jetzt kommen wir zum Kern der Sache &#8211; die Weltpolitik! Da wollen wir nat\u00fcrlich mitmischen. Und f\u00fcr Oettinger scheint das ein mathematisch fa\u00dfbares Problem zu sein. Ein Prozent der Weltbev\u00f6lkerung? Das geht einfach nicht. Das ist zu wenig f\u00fcr die Weltpolitik. Wir m\u00fcssen uns also einen europ\u00e4ischen Bundesstaat basteln. Und nachdem wir schon die deutsche Sprache aufgegeben haben (jedenfalls nach dem Verlassen des Hauses!), geben wir nun auch unser Grundgesetz auf und opfern es auf dem Altar der Br\u00fcsseler B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p>Denn: <em>big is beautiful!<\/em><\/p>\n<p>Wenn man \u00fcber einfache geistige Strukturen verf\u00fcgt, ist das plausibel. Jetzt nehmen wir aber einmal an (diese Annahme mu\u00df erlaubt sein!), es gebe einen Politiker mit einem gehobenen Denkverm\u00f6gen. Und der k\u00f6nnte jetzt tats\u00e4chlich fragen: mu\u00df das sein? Warum mu\u00df man in der Weltpolitik unbedingt eine Rolle spielen? Uns Deutschen ist es jedenfalls durchweg eher schlecht ergangen, wenn wir in der Weltpolitik <em>eine Rolle gespielt<\/em> haben, das k\u00f6nnte man, glaube ich, sogar mathematisch und statistisch beweisen.<\/p>\n<p>Zum Beispiel: kulturell zehren wir bis heute von der Goethezeit, als sprachlich und literarisch die Grundlagen unserer heutigen Kultur entstanden. Haben wir damals in der Weltpolitik eine Rolle gespielt? Wahrhaftig nicht. Es gab keinen deutschen Nationalstaat, und das Gro\u00dfherzogtum Sachsen-Weimar war &#8211; politisch! &#8211; ein armseliger Spielball der europ\u00e4ischen M\u00e4chte. Und mitten in dieser politischen Armseligkeit sind die Werke von Goethe, Schiller, Herder, Wieland und H\u00f6lderlin entstanden &#8211; von den Komponisten und Malern gar nicht zu reden.<\/p>\n<p>Ein halbwegs vernunftbegabter Mensch mu\u00df sich bei diesem Zusammentreffen von kultureller Bl\u00fcte und politischer Zerr\u00fcttung schon fragen: ist die Weltpolitik wirklich so wichtig? Nein &#8211; sie f\u00f6rdert weder die Kultur, noch macht sie uns zu gl\u00fccklicheren Menschen. Sie f\u00f6rdert die Milit\u00e4rausgaben, sie macht uns immer abh\u00e4ngiger von den Finanzm\u00e4rkten, sie kostet viel, sehr viel Geld, oder &#8211; um ein Wort aus der Jugendsprache zu gebrauchen &#8211; sie macht <em>einfach nur Stre\u00df<\/em>.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich will man nicht wie damals Sachsen-Weimar hilfloser Spielball der M\u00e4chte sein. Aber es gibt doch noch Graut\u00f6ne zwischen Schwarz und Wei\u00df. Wir haben immer noch genug flei\u00dfige, gewissenhafte Menschen, um wirtschaftlich gut dazustehen, weil wir anders als China mit Qualit\u00e4t punkten k\u00f6nnen. Massenhaften, billigen Schrott m\u00f6gen andere produzieren.<\/p>\n<p>Auch wenn jetzt vielleicht mancher skeptisch dreinblickt: in einer Nische lebt es sich letztlich besser als im internationalen Kampfget\u00fcmmel. Da geht es menschlicher zu, das hei\u00dft: dem Menschen gem\u00e4\u00dfer. Das ist ja auch der gro\u00dfe Vorteil der Provinz gegen\u00fcber den Metropolen. Im <em>schlechten<\/em> Sinne provinziell ist eher die d\u00fcmmliche Anbetung der &#8222;Weltpolitik&#8220; und der englischen Sprache durch einen Politiker, der so durch und durch provinziell ist wie Herr Oettinger.<\/p>\n<p>Aber es hilft nichts: statt der gem\u00fctlichen <em>Bonner Republik<\/em> haben wir jetzt die <em>Berliner Republik<\/em>, wir sind wieder wer, wir mischen mit in der Weltpolitik, wir wollen gro\u00df hinaus.<\/p>\n<p>Aber was macht das mit uns?<\/p>\n<p>Wir sollen eingeschmolzen werden in einen europ\u00e4ischen <em>melting pot<\/em>, wir sollen unsere Seele verkaufen. Nein, das ist keine \u00dcbertreibung, und jeder Vergleich mit den Vereinigten Staaten ist hier v\u00f6llig fehl am Platz. Die USA haben sozusagen in einem Niemandsland bei Stunde Null begonnen, wir haben &#8211; jedes Land f\u00fcr sich &#8211; eine lange, lange Geschichte hinter uns. Das l\u00e4\u00dft sich nicht einebnen. Und das <em>darf<\/em> nicht eingeebnet werden. Warum auch?<\/p>\n<p>Ich liebe dieses Land, in dem ich aufgewachsen bin. Ich liebe vor allem seine wunderbare Sprache, seine Literatur, ich liebe seine sch\u00f6nen W\u00e4lder. Und ich habe gro\u00dfe Hochachtung vor der demokratischen Tradition meines Landes, deren H\u00f6hepunkt unser Grundgesetz ist. F\u00fcr all das sollten wir k\u00e4mpfen, denn nichts haben wir geschenkt bekommen, und alles ist immer gef\u00e4hrdet &#8211; sogar die W\u00e4lder, die davon bedroht sind, nur noch als Standort der Merkelschen Windkraftanlagen mi\u00dfbraucht zu werden.<\/p>\n<p>Das alles zusammen ist <em>mein Land<\/em>, ganz im Sinne des sch\u00f6nen Folksongs von Woody Guthrie: <em>This land is your land, this land is my land<\/em>. Dieses Land geh\u00f6rt nicht G\u00fcnther Oettinger, es geh\u00f6rt nicht Schwarz-Gelb, es geh\u00f6rt nicht Renate K\u00fcnast, es geh\u00f6rt schon gar nicht der Deutschen Bank oder dem Dax.<\/p>\n<p>Dieses Land geh\u00f6rt &#8211; <em>dir und mir.<\/em><\/p>\n<p>Darum lohnt es sich auch, daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen. Nichts davon m\u00f6chte ich aufgeben f\u00fcr den Moloch Br\u00fcssel, gar nichts &#8211; schon gar nicht unser Grundgesetz, unser Parlament oder unser Bundesverfassungsgericht. Nein &#8211; ich bin f\u00fcr eine enge Zusammenarbeit in Europa, und f\u00fcr freundschaftliche Beziehungen mit allen L\u00e4ndern, die guten Willens sind. Aber ich bin strikt dagegen, da\u00df wir unsere Souver\u00e4nit\u00e4t aufgeben. In diesem Punkt m\u00f6chte ich auch Helmut Schmidt energisch widersprechen.<\/p>\n<p>Wir haben nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang friedlich und am Ende auch freundschaftlich mit unseren europ\u00e4ischen Nachbarn zusammengearbeitet. Warum brauchen wir daf\u00fcr auf einmal eine aufgebl\u00e4hte B\u00fcrokratie und immer mehr zentrale Instanzen?<\/p>\n<p>Wir brauchen sie nicht. Und ich\u00a0<em>will<\/em> sie auch nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr\u00fchere Ministerpr\u00e4sident Oettinger &#8211; heute Energiekommissar der EU &#8211; hat in seinem Leben schon viel dummes Zeug geredet. Man wird sich an seine Prophezeiung erinnern, da\u00df die deutsche Sprache bald nur noch in der Stube gesprochen w\u00fcrde. 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