{"id":6236,"date":"2012-07-29T13:09:38","date_gmt":"2012-07-29T11:09:38","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6236"},"modified":"2012-07-29T13:14:23","modified_gmt":"2012-07-29T11:14:23","slug":"landfrau-landsfrau-landsmannin-landsmann-landmann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=6236","title":{"rendered":"Landfrau, Landsfrau, Landsm\u00e4nnin, Landsmann, Landmann"},"content":{"rendered":"<p>Heute glaubt ja jeder, er k\u00f6nne die Sprache nach seinem Gusto ver\u00e4ndern. Und selbst die d\u00fcmmsten Eingriffe in die Sprache werden heutzutage von der DUDEN-Redaktion brav \u00fcbernommen. Aber sehen wir uns diese f\u00fcnf W\u00f6rter einmal n\u00e4her an.<\/p>\n<p>Der <strong>Landmann <\/strong>ist schlicht und einfach ein Bauer.<\/p>\n<p>Die <strong>Landfrau <\/strong>ist<strong> <\/strong>eine B\u00e4uerin oder die Frau eines Bauern. Auch da gibt es keine Verwechslungen.<\/p>\n<p>Auch was ein <strong>Landsmann<\/strong> ist, d\u00fcrfte klar sein: ein Mann, der aus demselben Land kommt wie ich. Wenn ich also im Urlaub im Ausland bin und dort einen Deutschen treffe, dann ist der mein Landsmann.<\/p>\n<p>Und wenn es eine Frau ist? Dann ist es meine <strong>Landsm\u00e4nnin<\/strong>. Das ist ein altes deutsches Wort, das schon in der fr\u00fchen Neuzeit belegt ist (man vergleiche das Grimmsche <em>Deutsche W\u00f6rterbuch<\/em> &#8211; da wird Landsm\u00e4nnin definiert als &#8222;eingeborene des gleichen landes&#8220;). In einem gewissen feministischen Milieu freilich, das sich das Recht anma\u00dft, die Sprache je nach Ethik oder politischer Korrektheit umzumodeln, mag der Wortteil &#8222;M\u00e4nnin&#8220; Ansto\u00df erregen, aber wir sollten unsere Sprache, die in hunderten von Jahren entstanden ist, nicht dieser Art von <em>political correctness<\/em> ausliefern. Da\u00df sich die Sprache im Lauf der Zeit ver\u00e4ndert, ist klar &#8211; aber das ist ein fast organischer Proze\u00df, ein allm\u00e4hliches Wachstum, auf das wir kaum einen Einflu\u00df haben. Ein gezielter Eingriff, noch dazu aus politisch-ideologischen Gr\u00fcnden, verbietet sich eigentlich von selbst.<\/p>\n<p>Die Sprache selbst ist n\u00e4mlich <em>per se<\/em> v\u00f6llig amoralisch und schert sich auch nicht um Ausgewogenheit und Gerechtigkeit. Wer von &#8222;gerechter Sprache&#8220; spricht oder sie gar verordnen m\u00f6chte, hat vom Wesen der Sprache nichts verstanden. Wer versuchen m\u00f6chte, die Sprache zu reinigen, &#8222;gerecht&#8220; zu machen, der k\u00e4me vom Hundertsten ins Tausendste. Was w\u00e4re zum Beispiel mit den vielen saftigen Schimpfw\u00f6rtern, die oft beleidigend und so gar nicht <em>gender-gerecht<\/em> sind? Sollen wir sie alle aus den W\u00f6rterb\u00fcchern tilgen? Es w\u00e4re ein Gang nach Absurdistan.<\/p>\n<p>Umso bedauerlicher ist es, da\u00df solche politisch und <em>gender<\/em>-motivierten Ausw\u00fcchse seit Jahren immer \u00f6fter den Weg in die W\u00f6rterb\u00fccher finden. Der <em>Gro\u00dfe Wahrig<\/em> immerhin, das sei zur Ehre der deutschen Lexikographie gesagt, kennt &#8211; v\u00f6llig korrekt &#8211; nur die &#8222;Landsm\u00e4nnin&#8220; (zumindest in der von mir benutzten Buchausgabe von 2006 und der elektronischen Ausgabe von 2007), w\u00e4hrend das <em>Duden-Universalw\u00f6rterbuch<\/em> des gleichen Jahres &#8222;<strong>Landsfrau<\/strong>&#8220; schon gleichberechtigt neben die &#8222;Landsm\u00e4nnin&#8220; stellt&#8220;.<\/p>\n<p>Mu\u00df man denn so eilfertig sein und jedem Trend hinterherhecheln?<\/p>\n<p>Wenn man kritisch dagegen angeht, kommt immer das Argument, die Redaktion bilde doch nur den <em>tats\u00e4chlichen Sprachgebrauch<\/em> ab, sie greife ja gar nicht regelnd ein. Aber das ist ein scheinheiliges Argument: sie greift nicht normierend ein, aber dadurch, da\u00df sie ein Wort aufnimmt, das bestimmte gesellschaftlich-ideologische Gruppen k\u00fcnstlich gebildet haben, gibt sie ihm den allerh\u00f6chsten Segen.<\/p>\n<p>Sie normiert also doch, denn jeder Journalist &#8211; gestern w\u00e4hrend der Olympia-Berichterstattung habe ich das Wort &#8222;Landsfrau&#8220; st\u00e4ndig geh\u00f6rt! &#8211; kann sich darauf berufen: <em>es steht doch im Duden!<\/em><\/p>\n<p>Kurz und b\u00fcndig: es gibt nur das Wort &#8222;Landsm\u00e4nnin&#8220;. Die Form &#8222;Landsfrau&#8220; ist eine k\u00fcnstliche Bildung aus der <em>Gender<\/em>-Ecke und sollte so schnell wie m\u00f6glich wieder verschwinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute glaubt ja jeder, er k\u00f6nne die Sprache nach seinem Gusto ver\u00e4ndern. Und selbst die d\u00fcmmsten Eingriffe in die Sprache werden heutzutage von der DUDEN-Redaktion brav \u00fcbernommen. 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